Aerosole und Corona Sprechen kann genauso gefährlich sein wie Husten

In Innenräumen ist die Corona-Gefahr deutlich erhöht, so viel ist klar. Eine Studie legt nun nahe, dass nicht nur Singen oder Husten viele gefährliche Aerosole produzieren – das Gleiche gilt auch für einfaches Sprechen.
Ein Gespräch ohne Maske – in Corona-Zeiten kann das eine Gefahr bedeuten

Ein Gespräch ohne Maske – in Corona-Zeiten kann das eine Gefahr bedeuten

Foto: Klaus Vedfelt / Getty Images

Aerosole spielen eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung des Sars-CoV-2-Erregers. Sie entstehen beim Atmen, Husten, Niesen – aber auch beim Reden oder Singen. Und sie tragen das Virus gewissermaßen huckepack und helfen ihm so bei der Verbreitung. Größere Tröpfchen schaffen es dabei nicht besonders weit, das ist der Grund für Abstandsregeln. Doch kleinere Partikel können stundenlang in der Luft hängen bleiben, wenn nicht gelüftet wird . Problematisch ist das in Innenräumen.

Es gibt mittlerweile einige Rechner im Netz , mit denen Interessierte das Corona-Risiko in solchen Situationen abschätzen können. Einer davon  stammt zum Beispiel vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz und dem Cyprus Institut.

Einen neuen Rechner  hat nun ein Team um den Strömungsmechaniker Pedro Magalhães de Oliveira von der Universität im britischen Cambridge im Fachmagazin »Proceedings of the Royal Society A«  vorgestellt. Die Forschungsarbeit liefert dabei eine interessante Erkenntnis: Mit einem Infizierten zu sprechen, könnte wegen der dabei ausgestoßenen Aerosole ähnlich problematisch sein, wie wenn diese Person in die Raumluft hustet.

Konkret haben die Forscher simuliert, dass durch 30 Sekunden Sprache deutlich mehr Aerosole unter fünf Mikrometern entstehen als bei einem kurzen Husten. Damit erreicht auch mehr infektiöses Material die Menschen in der Umgebung – laut Simulation genug, um tatsächlich eine Corona-Infektion auszulösen. Das Team folgert daraus, dass Abstand allein bei fehlender Belüftung nicht ausreicht, um Sicherheit bei langen Expositionszeiten zu bieten. Stattdessen ist die bereits bekannte Kombination von Maßnahmen nötig: »Man braucht Masken, man braucht Abstand, und man braucht eine gute Belüftung, damit sich diese Partikel nicht in einem Innenraum ansammeln und sie sicher entfernt werden«, so de Oliveira im »Guardian«. 

»Sehr wichtiger Punkt, der berücksichtigt werden muss«

Sprechen sei ein »sehr wichtiger Punkt, der berücksichtigt werden muss«, weil dabei viel feinere Partikel entstünden als beim Husten, so de Oliveira. Ob es tatsächlich zur Ansteckung kommt, hängt allerdings von vielen Faktoren ab, von denen sich mehrere in dem Rechner einstellen lassen: Wie groß ist die Fläche des betreffenden Raums? Wie hoch ist dieser? Wie oft wird die Luft ausgetauscht? Wie viele Menschen halten sich wie lange in dem Raum auf? Welche Masken tragen sie?

Ein Beispiel: Ein Geschäft mit einer Fläche von 250 Quadratmetern hat von 7 bis 20 Uhr geöffnet, maximal 50 Kunden dürfen gleichzeitig einkaufen. Sie alle haben sich die Hände gewaschen, halten die Abstandsregeln ein und tragen eine einfache Stoffmaske. Befindet sich statistisch gesehen jeweils ein Erkrankter im Laden, hängt das Infektionsrisiko massiv von der Lüftung ab:

Wird die Luft einmal pro Stunde erneuert, wie es die Forscher für Wohnräume ansetzen, hätte eine Person nach zwei Stunden eine geschätzte Wahrscheinlichkeit von etwa 2,7 Prozent, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Setzt man einen Luftaustausch von dreimal pro Stunde an, wie er für Büros und Schulen angenommen wird, sinkt das Risiko auf rund 1,6 Prozent. Bei guter Belüftung (Luft wird fünfmal pro Stunde ausgetauscht) auf rund 1,1 Prozent.

Mit dem Rechner lässt sich auch der Effekt simulieren, wenn statt einfacher Stoffmasken etwa OP-Masken oder FFP2-Masken getragen werden, wie es in Deutschland im Supermarkt und im öffentlichen Personenverkehr nun zur Pflicht wird. Wichtig ist natürlich: Solche Rechnungen basieren immer auf bestimmten Annahmen, im konkreten Fall etwa einer vergleichsweise hohen Viruslast. Auch sind die neuen Corona-Mutanten noch nicht berücksichtigt. Diese gelten als deutlich infektiöser als die bisherigen Virusvarianten. Im Grundsatz können Rechner wie der von de Oliveira und seinen Kollegen aber dabei helfen, den Effekt bestimmter Maßnahmen abzuschätzen.

chs