Nur in Ausnahmefällen Stiko spricht keine generelle Empfehlung zur Coronaimpfung von Kindern aus

Der Biontech-Impfstoff ist seit Ende Mai für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen. Genutzt werden sollte er jedoch zunächst nur in Ausnahmefällen, empfiehlt die Ständige Impfkommission.
Impfung eines Kindes (Symbolbild)

Impfung eines Kindes (Symbolbild)

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Coronaimpfung fast ausschließlich für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren, die unter bestimmten Vorerkrankungen leiden. Das am Robert Koch-Institut ansässige Gremium spricht damit keine generelle Impfempfehlung für die Altersgruppe aus, wie aus dem jüngsten Bulletin des Robert Koch-Instituts von Donnerstag  hervorgeht. Die Entscheidung war nach entsprechenden Äußerungen von Stiko-Mitgliedern und einem vorläufigen Entwurf so erwartet worden.

Die Stiko listet in der Veröffentlichung Vorerkrankungen auf, bei denen dem Gremium zufolge ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zu erwarten ist und empfiehlt dieser Gruppe eine Impfung mit dem Biontech-Mittel. Dazu gehören unter anderem Kinder und Jugendliche mit chronischen Lungenerkrankungen, Trisomie 21, Tumoren und Immunschwächekrankheiten.

Darüber hinaus empfiehlt das Gremium eine Impfung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren, »in deren Umfeld sich Angehörige oder andere Kontaktpersonen mit hoher Gefährdung für einen schweren Covid-19-Verlauf befinden, die selbst nicht geimpft werden können oder ein begründeter Verdacht auf einen nicht ausreichenden Schutz nach einer Impfung besteht«.

Nach Aufklärung durch einen Arzt und bei »individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz« ist laut Stiko aber dennoch eine Impfung mit dem Biontech-Impfstoff möglich.

Biontech-Vakzine: Seit Ende Mai für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen

Die Europäische Kommission hatte die Vakzine von Biontech/Pfizer Ende Mai für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen. Es ist der erste Coronaimpfstoff, der in der EU auch Menschen unter 16 Jahren gespritzt werden darf. Dass ein Medikament angewendet werden kann, bedeutet jedoch nicht automatisch, dass es auch empfohlen wird. Das Für und Wider abzuwägen, ist Aufgabe der Stiko.

Die Empfehlungen des unabhängigen Gremiums beruhen hauptsächlich auf wissenschaftlicher Evidenz. Im Rahmen der Debatte über Impfungen von Kindern und Jugendlichen hatten Stiko-Mitglieder in den vergangenen Wochen bereits darauf gepocht, dass die Impfungen nach medizinischen und nicht nach politischen Kriterien erfolgen sollten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte schon vor Wochen für ein Impfangebot für alle Kinder und Jugendliche plädiert, obwohl Einschätzungen von Fachleuten noch ausstanden. Eine Bund-Länder-Runde hatte außerdem am 27. Mai entschieden, dass sich Kinder und ihre Eltern ab diesem Montag um Impftermine für Kinder ab zwölf Jahren bemühen können und Kinder ab dann beim Impfen allen anderen Menschen gleichgestellt sind.

Seit dem 7. Juni ist die Impfpriorisierung in Deutschland aufgehoben. Da es immer noch an Impfstoff mangelt, kann es sich trotzdem noch über Wochen hinziehen, bis alle Interessierten ein Impfangebot erhalten werden . Aus Spahns Sicht sollten Eltern und Ärzte individuell darüber entscheiden, ob ein Kind geimpft wird oder nicht. Es existiert keine Pflicht, sich an Stiko-Empfehlungen zu halten.

Erste Studien: Impfstoff für Kinder gut verträglich

Die Zulassung des Biontech-Impfstoffs für Kinder ab zwölf Jahren erfolgte auf der Grundlage von Daten, die der Europäischen Arzneimittelbehörde Ema zufolge eine sehr gute Wirksamkeit und gute Verträglichkeit bei 12- bis 15-Jährigen belegen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

In einer Studie trat bei mehr als 1000 geimpften Kindern und Jugendlichen kein Covid-19-Fall auf. In der etwa gleich großen, ungeimpften Kontrollgruppe waren es 16. Nach der Impfung sei es überwiegend allenfalls zu leichten Impfreaktionen wie Müdigkeit oder Kopfschmerzen gekommen, schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im »New England Journal of Medicine« . Abgesehen davon zeigten auch Labortests, dass die Impfung eine stabile Immunantwort erzeugt. Diese war sogar besser als in der Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 16 und 25 Jahren.

Die Daten sind zwar vielversprechend, bislang aber noch begrenzt. Diesen verbleibenden Unsicherheiten steht ein im Vergleich zu Erwachsenen niedrigeres Risiko gegenüber, schwer an Covid-19 zu erkranken. Dies gilt vor allem im Vergleich zu älteren Erwachsenen. Allerdings kann das Virus auch Kindern gefährlich werden. Schätzungen von Fachleuten zufolge entwickelt etwa eins von 1000 infizierten Kindern ein »Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome«, kurz: Pims, das oft im Krankenhaus behandelt werden muss. Wie oft Kinder Long Covid entwickeln, ist noch unklar.

Für die Impfung von Kindern spricht außerdem, dass möglichst groß angelegte Impfungen in den Sommerferien den Schulbesuch danach sicherer machen. Würde man zumindest die älteren Schulkinder immunisieren, könnte nach den Sommerferien Präsenzunterricht stattfinden – ohne dass man befürchten müsste, damit die Pandemie wieder anzutreiben. Unter anderem in den USA und Kanada werden Kinder zwischen 12 und 15 Jahren bereit seit einigen Wochen geimpft.

irb/mar/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.