Quarantäne-Diskussion Verwirrung um Drosten-Tweets

Aussagen von Christian Drosten zur Corona-Quarantänezeit haben für unterschiedliche Interpretationen gesorgt. Was meinte er wirklich? Versuch einer Aufklärung.
Berliner Virologe Christian Drosten

Berliner Virologe Christian Drosten

Foto: Michael Kappeler/ DPA

Neue Vorschläge des Berliner Virologen Christian Drosten für Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben eine politische Diskussion ausgelöst - und für Verwirrung gesorgt. In sozialen Medien regt sich Unmut über eine angeblich falsche Einordnung seiner Aussagen, unter anderem von Drosten selbst. Für Klarheit sorgt das nicht unbedingt.

Was ist passiert? In seinem Podcast für den NDR hatte Drosten Anfang der Woche gesagt, die infektiöse Zeit von Corona-Infizierten beginne "zwei Tage vor Symptombeginn und endet, realistisch betrachtet, vier, fünf Tage nach Symptombeginn". Wenn jemand nun 14 Tage zu Hause bleiben müsse, sei er vielleicht schon gar nicht mehr infektiös. Daraufhin leitete er eine Kompromissüberlegung ab: Stoße ein Gesundheitsamt durch einen Infizierten auf ein sogenanntes Cluster - also auf Ereignisse oder Umfelder mit vielen gleichzeitigen Neuansteckungen -, müssten die darin enthaltenen Personen "sofort ohne weiteres Hinsehen zu Hause isoliert werden, jeder Einzelne von denen muss zu Hause bleiben". Amtsärzte hätten die Möglichkeit, gleich zu sagen: "'Okay, alle hier in diesem Kurs, von dieser Familienfeier, alle erst mal in die Heimisolation oder Quarantäne'", sagte Drosten.

"Wenn wir jetzt doch wissen, es ist schmerzhaft für den Arbeitgeber, für den Landrat, für ich weiß nicht wen, für einen Lokalpolitiker, dass dieses Quellcluster unter Quarantäne gesetzt wird [...]", dann sei es doch gut, wenn man sagen könne "wir machen aber nur fünf Tage. Wir machen nicht 14 Tage, nur fünf Tage. Wir machen eine kurze Quarantäne." So steht es im Transkript zum NDR-Podcast . Und weiter: "Also in diesem Vorschlag, den ich da mache mit fünf Tagen, gehe ich bis an die Schmerzgrenze der Epidemiologie. Das ist schon, sagen wir mal, eine steile These, dass man sagt, nach fünf Tagen ist eigentlich die Infektiosität vorbei."

Nachdem zahlreiche Medien diese steile These aufgegriffen und auch die Politik dazu Stellung genommen hatte, äußerte sich der Virologe nun auf Twitter und machte darauf aufmerksam, falsch verstanden worden zu sein. Die Begriffe Isolierung und Quarantäne seien durcheinander geraten, schrieb er in einem Post am Freitag.

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Bis dahin wussten viele vermutlich nicht, dass es überhaupt einen Unterschied zwischen den beiden Begriffen gibt:

  • Quarantäne bezeichnet die Zeit, in der sich eine Person von anderen Menschen fernhalten muss, weil sie unter Verdacht steht, sich mit Sars-CoV-2 infiziert zu haben. Etwa, wenn die Person Kontakt zu einem Infizierten hatte oder in einem Risikogebiet war.

  • Isolierung heißt, dass eine Person nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert ist und sich von anderen Menschen fernhalten muss, um niemanden anzustecken.

"Mein Vorschlag ist Reduktion der Isolierungszeit", schrieb Drosten am Freitag auf Twitter, um klarzumachen, wovon er geredet hatte. "Wenn man Cluster als Ganzes isoliert, dann kurz (z. B. 5 Tage) und mit Freitestung auf Restinfektiosität. Dies heißt im Zeit-Beitrag 'Abklingzeit', weder Isolierung noch Quarantäne." Der oben genannten Definition zufolge könnte man nun meinen, es handle sich um ein Cluster, in dem sich alle mit Sars-CoV-2 infiziert haben und die nach fünf Tagen getestet werden, ob sie noch infektiös sind. Doch ganz so einfach ist es nicht: "Man könnte zur Abklingzeit auch 'Clusterisolierung' sagen, aber es ist etwas von beidem, je nachdem ob ein Clustermitglied infiziert ist oder 'Infektion erwartend'."

"Die Grenze zwischen Isolation und Quarantäne verschwimmt"

Auch im NDR-Podcast sagte Drosten bereits, es handle sich um eine Vermischung der Begrifflichkeiten. "Ich habe das dann, weil es eine Mischung aus Isolierung und Quarantäne ist, da sind erkannte Fälle dabei und da sind mögliche Fälle dabei, nenne ich das mal eine Abklingzeit für dieses Cluster", sagte er. "Man lässt das Cluster abklingen, indem man die alle zu Hause vereinzelt." Und in einem weiteren Twitter-Post: "Die Grenze zwischen Isolation und Quarantäne verschwimmt wegen der hohen Synchronizität der Infektionen in Clustern."

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So manchem dürfte nun der Kopf rauchen. Wo hatte Drosten sich denn jetzt falsch verstanden gefühlt, obwohl er ja selbst zugab, dass die Begriffe nicht unbedingt eindeutig trennbar sind? Der Virologe selbst verwies auf Anfrage des SPIEGEL auf seine Erklärung bei Twitter. Auch das Gesundheitsministerium teilte schriftlich mit: "Schauen Sie bitte auf Drostens Tweets."

Per Tweet machte Drosten dann auch deutlich, wo die Medienberichterstattung seine Aussagen offenbar verkürzt dargestellt hatte: "Eine Verkürzung im Sinne von 'Drosten empfiehlt Reduktion der Quarantäne auf 5 Tage' geht hier einfach zu weit", schrieb er. Er habe zu einer Testung am Ende der Fünf-Tages-Abklingzeit geraten. Wie sinnvoll Drostens Vorschläge sind, lesen Sie hier.

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Auf eine Verkürzung der Quarantänezeit ging Drosten dann doch noch ein: Zusätzlich gebe es auch eine Diskussion um eine "Verkürzung der Quarantäne von 14 auf zehn Tage", schrieb er am Vormittag auf Twitter. "Dabei verpasst man < 10 % der Neuinfektionen. Man könnte vielleicht sogar auf 7 Tage gehen. Denn man kann und muss nicht alle Fälle verhindern. Eine politische Entscheidung."

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