Große Studie mit Dexamethason Entzündungshemmer könnte gegen Covid-19 helfen

Die vorläufigen Ergebnisse einer britischen Studie sind vielversprechend: Das Medikament Dexamethason erhöhte die Überlebenschancen schwer kranker Corona-Patienten deutlich.
Patient auf einer Intensivstation in München: "Dexamethason ist kostengünstig, verfügbar und kann sofort eingesetzt werden"

Patient auf einer Intensivstation in München: "Dexamethason ist kostengünstig, verfügbar und kann sofort eingesetzt werden"

Foto: Peter Kneffel/dpa

Der Entzündungshemmer Dexamethason könnte die Sterberate bei schweren Covid-19-Verläufen senken. Darauf weisen vorläufige Ergebnisse einer klinischen Studie hin, die noch nicht veröffentlicht sind und bisher nicht von anderen Experten begutachtet wurden. Bei Patienten, die künstlich beatmet wurden und das Medikament bekamen, sank die Sterberate um ein Drittel, wie die federführenden Wissenschaftler von der britischen Universität Oxford in einer Pressemitteilung  berichten.

"Dexamethason ist das erste Medikament, von dem gezeigt wurde, dass es das Überleben bei Covid-19 verbessert", erklärte Peter Horby, einer der Leiter der "Recovery"-Studie. "Dexamethason ist kostengünstig, verfügbar und kann sofort eingesetzt werden, um weltweit Leben zu retten." Das Medikament wird üblicherweise bei Entzündungen von Haut und Gelenken eingesetzt.

Mehr als 2000 Testpersonen

In der "Recovery"-Studie untersuchen Wissenschaftler die Eignung verschiedener bereits zugelassener Medikamente als Mittel gegen Covid-19. Insgesamt sind den Angaben zufolge mehr als 11.500 Patienten aus über 175 Kliniken in Großbritannien in die Studie aufgenommen worden. Der Dexamethason-Teil der Studie umfasste demnach insgesamt 2104 Patienten, die für zehn Tage einmal täglich sechs Milligramm Dexamethason bekamen. 4321 Patienten dienten als Kontrollgruppe.

Die Sterblichkeit nach 28 Tagen war unter den künstlich beatmeten Patienten am höchsten. Sie lag ohne Dexamethason-Behandlung bei 41 Prozent. In der Versuchsgruppe sank sie um ein Drittel. Bei den Patienten, die Sauerstoff bekamen, aber nicht künstlich beatmet wurden, sank sie um ein Fünftel. Bei den Patienten, die gar keinen Sauerstoff benötigten, zeigte die Behandlung keine Wirkung.

Hilfe für Patienten mit schwerer Atemnot

Basierend auf den Zahlen würde bei der Behandlung von acht schwer kranken Covid-19-Patienten durch Dexamethason ein Todesfall verhindert, heißt es in der Mitteilung. "Diese vorläufigen Ergebnisse der "Recovery"-Studie sind sehr eindeutig - Dexamethason reduziert das Sterberisiko bei Patienten mit schweren Atemkomplikationen", erklärte Martin Landray, ein weiterer Studienleiter.

Nick Cammack, Covid-19-Forschungsbeauftragter bei der Wellcome-Stiftung, sprach in einem Statement  von einem Durchbruch. Das Medikament müsse den Tausenden von schwer Erkrankten weltweit nun zugänglich gemacht werden. Die in London ansässige Wellcome-Stiftung setzt sich für die Verbesserung der weltweiten Gesundheit ein.

jki/dpa
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