Rückschlag für Donald Trump US-Behörde zieht Corona-Zulassung für Hydroxychloroquin zurück

Monatelang hatte US-Präsident Donald Trump zwei Malariamedikamente im Kampf gegen das Coronavirus beworben. Jetzt sagen Forscher: Die Mittel sind sogar gefährlich.
Malariamedikament Hydroxychloroquin: Wirksamkeit "unwahrscheinlich"

Malariamedikament Hydroxychloroquin: Wirksamkeit "unwahrscheinlich"

Foto: George Frey/ REUTERS

Die US-Arzneimittelbehörde hat die Notfallzulassung für zwei Malariamedikamente zur Behandlung von Corona-Patienten widerrufen. Es gebe Hinweise darauf, dass Hydroxychloroquin und Chloroquin bei Covid-19 nicht wirksam seien und schwere Nebenwirkungen verursachen könnten, teilte die Food and Drug Administration (FDA)  mit. US-Präsident Donald Trump hatte sich wiederholt für die Notfallzulassung eingesetzt und kritisierte die Entscheidung der Behörde deutlich.

Die FDA erklärte, es sei angesichts der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse "unwahrscheinlich", dass Hydroxychloroquin und Chloroquin bei der Behandlung der Lungenerkrankung wirksam seien. Zudem habe der Einsatz der Medikamente bei Corona-Patienten "ernsthafte" Nebenwirkungen hervorgerufen, darunter Herzrhythmusstörungen, starken Blutdruckabfall und Muskel- oder Nervenschäden. Die Daten zeigen laut FDA, dass die Sterblichkeitsrate und die Länge von Krankenhausaufenthalten beim Einsatz der Medikamente nicht zurückgegangen seien.

Wichtige Studiendaten möglicherweise erfunden

Für Aufsehen hatte Anfang Juni die Entscheidung des renommierten Fachjournals "Lancet" gesorgt, eine viel beachtete Studie zur Wirksamkeit von Hydroxychloroquin bei Coronavirus-Infektionen zurückzuziehen. Nach massiver Kritik an der Datengrundlage gaben auch drei der vier Autoren ihren Rückzug aus der Studie bekannt. Mittlerweile verdichten sich die Hinweise, dass die genutzten Patientendaten erfunden worden sein könnten.

Trump hatte vor allem im März und im April intensiv für Hydroxychloroquin als wichtiges Mittel im Kampf gegen das Coronavirus geworben, es einmal sogar als "Geschenk Gottes" bezeichnet. Es könne einer der größten Durchbrüche der Medizingeschichte werden. Im Mai hatte der Präsident das Medikament zwei Wochen lang selbst als Coronavirus-Prophylaxe eingenommen - obwohl es keine schlüssigen Beweise für eine solche Wirksamkeit gibt.

Warnung vor Kombination mit Remdesivir

Entsprechend kritisch reagierte Trump auf den Widerruf: "Ich habe es genommen und fühlte mich gut dabei", sagte er am Montag nach Angaben der britischen Zeitung "The Guardian" . "Ich weiß nicht, ob es eine Wirkung hatte, aber es hat mir sicher nicht geschadet." Trump erklärte, es habe "großartige Berichte" über Hydroxychloroquin aus Frankreich, Spanien und anderen Ländern gegeben, Details nannte er aber nicht. Frankreich gehört zu den Ländern, die das Medikament mittlerweile nicht mehr zur Behandlung von Covid-19-Patienten einsetzen.

In einer separaten Mitteilung  warnte die FDA davor, Hydroxychloroquin und Chloroquin in Kombination mit der Arznei Remdesivir zu verschreiben. Das ursprünglich gegen die Krankheit Ebola entwickelte Remdesivir ist derzeit das einzige Mittel, für das eine eingeschränkte Wirksamkeit bei Corona-Patienten in ersten Studien nachgewiesen werden konnte. Die Behörde teilte mit, dass die beiden Malariamedikamente die Wirksamkeit von Remdesivir verringern könnten. Die reguläre Zulassung der Medikamente für die Behandlung von Malaria und bestimmter Autoimmunkrankheiten ist von der FDA-Entscheidung nicht betroffen.

In den USA gibt es nach Daten der Johns-Hopkins-Universität  inzwischen mehr als 2,1 Millionen bekannte Coronavirus-Infektionen und rund 115.000 Todesfälle. Die Fallzahlen sind in vielen Bundesstaaten zuletzt wieder deutlich angestiegen. Trump wirbt trotzdem für eine Wiederöffnung der Wirtschaft und eine Rückkehr zur Normalität.

jki/dpa
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