Neue Regeln für Reisende Auf Corona testen und dann ab in den Urlaub?

Feriengäste aus Corona-Risikogebieten sind in mehreren Bundesländern nur willkommen, wenn sie ein negatives Testergebnis vorlegen können. Dabei schließt auch das eine Infektion nicht aus.
Corona-Abstrichstelle bei Rentner-Ehepaar

Corona-Abstrichstelle bei Rentner-Ehepaar

Foto: Guido Kirchner/ dpa

Die Lockerungen der zunächst strengen Corona-Regeln sind noch jung, doch schon wieder müssen Menschen um ihre Ferien fürchten. Bislang gilt der regionale Lockdown nur für die Kreise Gütersloh und Warendorf, doch auch andere Regionen stehen kurz vor Erreichen der entscheidenden Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Wird sie überschritten, werden die Sicherheitsmaßnahmen gegen die weitere Virusausbreitung erhöht.

Inzwischen haben mehrere Bundesländer Regeln für Reisende aus Kreisen mit erhöhtem Infektionsgeschehen aufgestellt. So gelten in Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen Beherbergungsverbote. In Schleswig-Holstein müssen Reisende aus betroffenen Regionen für zwei Wochen in Quarantäne, auch in Mecklenburg-Vorpommern ist Feriengästen aus Risikogebieten eine Einreise untersagt, Urlauber aus Gütersloh wurden in einigen Regionen sogar aufgefordert abzureisen.

Ausnahmen gibt es nur, wenn die betroffenen Urlauber einen negativen Corona-Test vorlegen können, der nicht älter als 48 Stunden ist. Doch selbst ein negativer Test ist kein Freifahrtschein.  

Wie zuverlässig sind die Tests?

Es gibt mehrere Testverfahren, die entweder eine akute oder eine überstandene Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 nachweisen können. Die nun vorgeschriebene 48-Stunden-Regel bezieht sich vor allem auf PCR-Tests, die anzeigen können, ob jemand in dem Moment der Probeentnahme infiziert ist. Bei dem Verfahren wird im Labor das Erbgut des Virus aufgespürt.

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Allerdings schließt selbst ein negatives Ergebnis eine Infektion nicht vollständig aus:

  • Das Virus lässt sich über einen Rachen- oder Nasenabstrich nur zu einem bestimmten Zeitpunkt der Infektion nachweisen. Hat sich jemand gerade erst angesteckt, haben sich die Viren möglicherweise noch nicht ausreichend vermehrt, um angezeigt zu werden.

  • Laut einer Studie im Fachblatt "Annals of Internal Medicine"  schlagen PCR-Tests nicht zuverlässig an, wenn noch keine Symptome auftreten. So fielen die Tests am ersten Tag nach der vermuteten Infektion in 100 Prozent der untersuchten Fälle negativ aus, obwohl die Patienten nachweislich infiziert waren. Demnach liegt der optimale Zeitpunkt für die Probeentnahme am achten Tag nach der Infektion. Im Schnitt war die Chance, ein falsch-negatives Ergebnis zu bekommen, größer als eins zu fünf.

  • Zudem ist bekannt, dass mit Fortschreiten der Infektion die Erregerlast im Rachen wieder abnimmt. Auch in diesen Fällen kann ein Test möglicherweise ein falsch-negatives Ergebnis liefern. Das heißt, der Betroffene ist laut Testergebnis nicht infiziert, obwohl er das Virus in sich trägt.

  • Entscheidend ist auch die korrekte Probeentnahme. Für ein möglichst zuverlässiges Ergebnis muss ein Abstrich tief aus dem Rachen oder der Nase entnommen werden, entsprechend unangenehm ist die Prozedur.

Weil der Test nur eine Momentaufnahme ist, empfiehlt das Robert Koch-Institut bei typischen Symptomen einen zweiten PCR-Test, um eine Infektion möglichst auszuschließen. "Sollten Menschen in den Urlaub fahren wollen und einen solchen Test brauchen, muss Ihnen das bewusst sein", sagt Susanne Pfefferle von der Uniklinik Eppendorf, "sie müssen sich deshalb auch unbedingt an alle geltenden Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen halten. Und weiterhin gilt auch: Sollte jemand Kontakt zu einem bestätigten Infizierten haben, muss sie oder er auch weiterhin in Quarantäne und darf nicht verreisen."

Ist ein PCR-Test überhaupt in 48 Stunden möglich?

Die Auswertung des Tests geht vergleichsweise schnell, im Optimalfall braucht ein Labor dafür nur wenige Stunden. Allerdings gehen auch die Probeentnahme, das Einschicken ins Labor, die Mitteilung des Ergebnisses und die Anreise zum Urlaubsort auf das Zeitkonto. Betroffene sollten vorher mit dem Arzt sprechen, bis wann mit einem Ergebnis zu rechnen ist.

Am Donnerstagmorgen bildeten sich vor den Testzentren der Kreise Gütersloh und Warendorf lange Schlangen. Die Testkapazitäten waren am Mittwoch teilweise ausgeschöpft und sollen nun ausgebaut werden.

Wer zahlt für den Test?

In den Kreisen Gütersloh und Warendorf dürfen sich alle Menschen kostenfrei auf eine Corona-Infektion testen lassen. Ein freiwilliger Massentest soll zeigen, ob sich das Virus über die Fleischfabrik Tönnies hinaus verbreitet hat. Laut ersten Ergebnissen fiel nur einer von 2000 Tests positiv aus.

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für einen Test bisher meist nur, wenn ein triftiger Grund vorliegt. Eine Kostenübernahme für eine Urlaubsreise dürfte nicht darunterfallen. So können sich bereits angereiste Urlauber aus Risikogebieten in Vorpommern-Greifswald auf eigene Kosten testen lassen. Der Preis liegt bei etwa 150 Euro.

Fazit: Ein PCR-Test ist nur eine Momentaufnahme und kann eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 nicht in jedem Fall aufspüren. Allerdings können Ausbrüche verhindert werden, wenn ein Test vor einem bevorstehenden Urlaub überraschend positiv ausfällt und die Infektion ansonsten unentdeckt geblieben wäre. So sind Infizierte wahrscheinlich bereits ansteckend, bevor sie selbst Symptome bekommen. Auch diejenigen, die überhaupt nichts von der Infektion mitbekommen, können das Virus offenbar weitergeben.

koe
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