Ursprung der Pandemie Forscher findet Patientin zero – und weist der WHO Fehler nach

Eine Verkäuferin vom Tiermarkt in Wuhan war die erste Coronapatientin, so eine Studie. Die neuen Indizien sprechen dafür, dass die Pandemie tatsächlich dort begann.
Fischstand auf dem Markt in Wuhan

Fischstand auf dem Markt in Wuhan

Foto: Nicolas Asfouri / AFP

Fast zwei Jahre sind seit dem Ausbruch des Coronavirus in der chinesischen Stadt Wuhan Ende 2019 vergangen. Noch immer ist das Rätsel um den Ursprung des Erregers nicht vollständig gelöst. Neue Belege untermauern nun die These, dass das Virus auf dem Tiermarkt der Millionenmetropole auf den Menschen übergesprungen ist.

Der renommierte Biologe Michael Worobey von der Universität von Arizona zeichnet in einer in »Science« veröffentlichten Studie  die Ereignisse in Wuhan chronologisch nach. Demnach sei die erste an Covid-19 erkrankte Person eine Meeresfrüchtehändlerin gewesen und nicht, wie bislang allgemein angenommen, ein Buchhalter ohne Verbindung zu dem Markt.

Ungenauigkeit in WHO-Zeitleiste

Die Symptome traten bei dem Buchhalter demnach erst am 16. Dezember 2019 und damit fünf Tage später auf, als bei der Marktverkäuferin. »Seine Erkrankung kam nach mehreren Fällen bei Mitarbeitern vom Markt«, so die Studie. Die bisherige Zeitleiste zum Ausbruch des Erregers, die auf eine Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zurückgeht, sei demnach fehlerhaft gewesen.

Der auf die Rückverfolgung von Viren spezialisierte Worobey war auf Widersprüche gestoßen, als er bislang bekannte Daten etwa aus Krankenhäusern, Studien und Videointerviews miteinander verglich. Demnach könnte der Buchhalter versehentlich als erster Patient identifiziert worden sein, weil er nach einem Zahnarztbesuch Antibiotika bekam und sich fiebrig fühlte.

WHO-Experte in Wuhan im Februar

WHO-Experte in Wuhan im Februar

Foto: THOMAS PETER / REUTERS

Die meisten der frühen Patientinnen und Patienten hatten eine Verbindung zu dem Markt. »In dieser Stadt mit elf Millionen Einwohnern ist die Hälfte der frühen Fälle mit einem Ort von der Größe eines Fußballfeldes verbunden«, sagte Worobey der »New York Times« . »Es wird sehr schwierig, dieses Muster zu erklären, wenn der Ausbruch nicht auf dem Markt begonnen hat.«

Falsche Chronologie befeuerte Laborunfall-These

Die monatelangen Spekulationen, dass es sich beim Ausbruch des Virus auch um einen Laborunfall gehandelt haben könnte, waren auch durch die Festlegung auf den Buchhalter als ersten dokumentierten Patienten genährt worden. Bis heute führt die Frage nach dem genauen Ursprung zu Spannungen zwischen China und anderen Ländern, da die Regierung in Peking sich wenig kooperativ zeigt.

Die WHO hatte in ihrer Untersuchung vor Ort festgestellt, dass die Labortheorie unwahrscheinlich  ist. Sie geht mit großer Sicherheit davon aus, dass das Virus den Menschen auf natürliche Weise infiziert hat, wohl über den Handel mit Wildtieren. Die schwierige Zusammenarbeit der WHO-Fachleute mit China, Fehler im offiziellen Bericht und spätere Geheimdienstberichte der US-Regierung unter Donald Trump weckten bei einigen jedoch Zweifel.

Zu den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die den Bericht der WHO kritisierten und die These vom Laborunfall noch weiter untersuchen wollten, gehörte auch Michael Worobey, der Autor der neuen Studie. Nach seiner eigenen Analyse der Daten hält er es nun für sehr wahrscheinlich, dass die Pandemie auf dem Markt begann. Weitere Untersuchungen seien aber nötig, um das Rätsel endgültig zu lösen.

fww/AFP/rtr
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