Neue Virusvarianten Was bisher über den Impfschutz gegen Mutanten bekannt ist

Die Coronaimpfstoffe zielen ursprünglich auf den Wildtyp des Virus ab. Nun kursieren neue Varianten, auch in Deutschland. Wie wirkt sich das auf den Immunschutz aus?
Impfstoffe von Moderna, Biontech und AstraZeneca

Impfstoffe von Moderna, Biontech und AstraZeneca

Foto: SOPA Images / LightRocket / Getty Images

Forscher weltweit untersuchen, ob die Coronaimpfstoffe auch im Kampf gegen neue Virusvarianten bestehen. Wie gut ist der Schutz bei Varianten, die in Deutschland kursieren?

Mit einem Anteil von mehr als 90 Prozent an den untersuchten Proben dominiert derzeit die vor einiger Zeit zunächst in Großbritannien nachgewiesene Mutante B.1.1.7 das Infektionsgeschehen in Deutschland. Der zunächst in Südafrika nachgewiesene Erreger B.1.351 liegt nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) konstant bei bis zu 1 Prozent, die Variante P.1 – bekannt aus Brasilien – bei bis zu 0,5 Prozent.

Die neu als besorgniserregend eingestufte, zunächst in Indien entdeckte und inzwischen schon in Dutzenden Ländern kursierende Mutante B.1.617 hatte zuletzt einen Anteil von weniger als 2 Prozent. Die absolute Zahl liegt weiter »nur im zweistelligen Bereich« – zuletzt bei etwa 30 Fällen pro Woche, heißt es im aktuellen RKI-Bericht zu den Varianten. Der Anteil ist aber jüngst stetig gestiegen.

Welcher Impfstoff wirkt wie gut gegen welche Variante?

Dem RKI zufolge sinkt die Wahrscheinlichkeit, schwer an Covid-19 zu erkranken, bei vollständig Geimpften im Vergleich zu Ungeimpften bei allen vier in Deutschland zugelassenen Impfstoffen um mindestens 80 Prozent. Diese wurden allerdings gegen die Ursprungsform des Virus entwickelt, den sogenannten Wildtyp. Wirken sie auch gegen die Varianten?

  • B.1.1.7 (die »britische«): Das RKI geht davon aus, dass die Wirksamkeit des Biontech-Impfstoffes bei dieser Mutante im Vergleich zum Wildtyp nicht sonderlich abgeschwächt ist. Darauf weisen unter anderem Ergebnisse von Analysen in Israel und Großbritannien hin. Das Präparat von AstraZeneca könne eventuell etwas weniger effektiv wirken, so das RKI. Die bisherigen Studien dazu sind allerdings nur »eingeschränkt aussagefähig«, da bisher nur wenige Fälle untersucht werden konnten.

  • B.1.351 (die »südafrikanische«): Laut RKI liegen zwar derzeit nur wenige Daten zu dieser in Deutschland selten vorkommenden Mutante vor, doch lassen diese auf eine »zumindest reduzierte Effektivität« der Impfungen schließen. Nach einer Analyse in Katar kann der Biontech-Impfstoff bei B.1.351 schwere und tödliche Krankheitsverläufe aber sehr gut verhindern. Das AstraZeneca-Präparat kann nach einer Studie in Südafrika, wo das Coronageschehen von B.1.351 dominiert wurde, eine symptomatische Erkrankung weniger wirksam verhindern als beim Ursprungsvirus. Auch beim Mittel von Johnson & Johnson gibt es in den vorläufigen Daten nach Angaben der Europäischen Arzneimittel-Agentur (Ema) Hinweise, dass die Wirksamkeit vermindert sein könnte.

  • P.1 (die »brasilianische«): Diese vor allem in Brasilien verbreitete Sars-CoV-2-Variante ähnelt B.1.351. Dem RKI zufolge deuten experimentelle Daten auch hier auf eine reduzierte Wirksamkeit der Impfungen hin. Doch eindeutige Studiendaten gibt es noch nicht. Eine britische Untersuchung von Mitte März kommt zu dem Ergebnis, dass die AstraZeneca- und Biontech-Präparate gegen P.1 wohl in etwa genauso wirken wie gegen die britische Variante – und damit besser als gegen die südafrikanische. Eine US-Studie von Mitte Februar wiederum ergab, dass die Vakzine von Biontech und Moderna bei P.1 und B.1.351 eine »signifikant verminderte« Wirksamkeit haben könnten.

  • B.1.617 (die »indische«): Nach RKI-Angaben deuten erste Laborexperimente darauf hin, dass die Wirksamkeit von Impfstoffen bei dieser Mutante nicht substanziell beeinträchtigt ist. Gesicherte Daten liegen aber auch hier noch nicht vor. »Ein Grund zur Sorge, dass die Impfungen durch diese Virusvariante ihre Wirksamkeit verlieren, besteht aktuell nicht«, sagte der Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Berliner Charité, Leif-Erik Sander.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Impfstoffe könnten schnell angepasst werden

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen verschiedene Wege, um herauszufinden, ob ein Impfstoff auch gegen neue Mutanten wirkt. Eine Möglichkeit ist, das Blut von Geimpften den Virusvarianten im Labor auszusetzen. Binden die Antikörper im Blut weiterhin an den Erreger, sind die Geimpften wahrscheinlich weiterhin geschützt. Zudem untersuchen Forschungsteams Verdachtsfälle, bei denen sich Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben, obwohl sie vollen Impfschutz hatten. Häuft sich bei ihnen eine bestimmte Variante des Erregers, spricht das dafür, dass diese dem Impfschutz zumindest teilweise entkommen kann.

Doch ist eine möglicherweise verminderte Wirksamkeit mancher oder aller Impfstoffe bei Virusvarianten überhaupt ein Grund zur Sorge? Nicht wirklich, sagen Experten. Nach bisherigen Erkenntnissen können Impfstoffe auch bei den bekannten Varianten schwere oder gar tödliche Verläufe weiterhin zuverlässig verhindern. Zudem ließen sich gegen bedrohliche Mutanten rasch angepasste Impfstoffe für eine Auffrischungsimpfung entwickeln.

koe/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.