Folgen des US-Zahlungsstopps an die WHO Gesundheitsrisiko Trump

Die WHO habe in der Coronakrise "Mist gebaut", behauptet Donald Trump und stellt kurzerhand die Beitragszahlungen ein. So gefährdet der US-Präsident wichtige Projekte im Kampf gegen das Coronavirus.
Donald Trump: Will er mit der Kritik eigene Versäumnisse in der Coronakrise kaschieren?

Donald Trump: Will er mit der Kritik eigene Versäumnisse in der Coronakrise kaschieren?

Foto: Stefani Reynolds/ imago images/ZUMA Wire

Zu sehr auf China fokussiert, zu zögerlich, Verschleierungstaktik: Glaubt man US-Präsident Donald Trump, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Umgang mit der Corona-Pandemie "wirklich Mist gebaut". Der US-Präsident hat die Zahlungen an die Organisation vorerst eingestellt. Eigentlich hatte die WHO allein in diesem Jahr mit mehr als 57 Millionen US-Dollar von den USA gerechnet. Zum Vergleich: Der erwartete Beitrag von China liegt bei fast 29 Millionen, der von Deutschland bei 14,5 Millionen. Die Höhe der Mitgliedsbeiträge hängt von der Bevölkerungsgröße und dem Wohlstand des Landes ab.

Die WHO ist eine Behörde der Vereinten Nationen und hat aktuell 194 Mitgliedstaaten. Sie hat sich dem Auftrag verschrieben, allen Menschen zu einer bestmöglichen Gesundheit zu verhelfen. Zu ihren Aufgaben zählen beispielsweise die Förderung von Impfprogrammen und die Koordination von Maßnahmen im Kampf gegen übertragbare Krankheiten.

In der aktuellen Coronakrise hat die WHO beispielsweise:

  • Medikamentenstudien gestartet, die schnellstmöglich klären sollen, welche Mittel im Kampf gegen das Coronavirus eingesetzt werden könnten. Sie sammelt auch alle verfügbaren Informationen über klinische Studien.

  • Zudem koordiniert die WHO Analysen, die zeigen werden, ob Antikörpertests, die bereits auf dem Markt sind, auch tatsächlich nur bei dem aktuellen Coronavirus anschlagen und keine falschen Testergebnisse liefern. Bisher dürfen Hersteller solche Tests in der Regel selbst validieren und dann auf den Markt bringen. Eine unabhängige Prüfung ist auch in der EU nicht vorgeschrieben. Um herauszufinden, wie viele Menschen tatsächlich immun gegen das Coronavirus sind, müssen die Tests aber unbedingt zuverlässig sein. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

  • Die WHO erarbeitet außerdem Richtlinien für den Aufbau von Studien, damit die Ergebnisse möglichst zuverlässig und vergleichbar sind und mahnte immer wieder, ärmere Länder im Kampf gegen das Virus zu unterstützen.

Dabei ist das Budget der WHO schon jetzt nicht besonders üppig. Derzeit liegt es bei etwa 2,5 Milliarden Dollar pro Jahr. Der Großteil des WHO-Geldes kommt nicht von den nationalen Beitragszahlern, sondern speist sich aus Spenden. Dennoch: Die USA sind unter den Mitgliedsländern derzeit der größte Geldgeber. Mit seinem Zahlungsstopp gefährdet Trump die Corona-Projekte der WHO.

Dabei fördert die WHO etwa auch Tests mit dem Malariamedikament, in das ausgerechnet Trump öffentlichkeitswirksam große Hoffnungen gesetzt hatte. Eigentlich wollte die Organisation die Wirkstoffe Hydroxychloroquin und Chloroquin ursprünglich nicht berücksichtigen. Aufgrund der großen Aufmerksamkeit für die Mittel soll sich die Organisation aber umentschieden haben.

Man könnte das als Hinweis deuten, die WHO lasse sich von Trump beeinflussen, doch der US-Präsident bemängelt, die WHO sei zu stark auf China ausgerichtet - und das, obwohl die USA einen großen Teil des WHO-Budgets zahlten. Ohne Belege hatte er zudem behauptet, dass die WHO "wahrscheinlich" zu Beginn der Pandemie mehr gewusst habe, als sie offengelegt habe.

"Gegenseitige Schuldzuweisungen helfen in der Coronakrise nicht"

Außenminister Heiko Maas

Außenminister Heiko Maas kritisierte die Entscheidung des US-Präsidenten: "Eine der besten Investitionen im Kampf gegen die Pandemie ist es, die Vereinten Nationen, allen voran die unterfinanzierte Weltgesundheitsorganisation, zu stärken - zum Beispiel bei der Entwicklung und Verteilung von Tests und Impfstoffen", sagte der SPD-Politiker. "Gegenseitige Schuldzuweisungen helfen in der Coronakrise nicht", betonte Maas. Das Virus kenne keine Grenzen. Die EU und China stellten sich ebenfalls gegen Trump.

Auch die WHO wies die Kritik des US-Präsidenten zurück. "Wir sind noch immer in der akuten Phase der Pandemie, daher ist jetzt nicht die Zeit, die Finanzierung zu verringern", sagte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge.

Tatsächlich widersprechen die Fakten entscheidenden Kritikpunkten des US-Präsidenten. So wirft Trump der WHO vor, die Ausbreitung des Coronavirus verschleiert zu haben und kündigte eine Überprüfung an. Tatsächlich hatte die WHO jedoch schon am 23. Januar gewarnt, der Erreger könne sich von China aus verbreiten. Am 30. Januar rief die Organisation den weltweiten Gesundheitsnotstand aus, das höchste Alarmsignal. 

In einem Punkt hat Trump jedoch recht. Die WHO riet Ende Januar von Reise- oder Handelsbeschränkungen gegenüber China ab. Auch viele Wissenschaftler hatten die Gefahr des Coronavirus zunächst unterschätzt, weil sie davon ausgingen, dass es wie der eng verwandte Erreger Sars kaum ansteckend ist. Inzwischen ist jedoch klar, dass sich das neuartige Coronavirus auch in den oberen Atemwegen vermehren kann und dadurch leichter übertragbar ist. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

Zum Glück habe er früh die Empfehlung der WHO verworfen, die Grenzen zu China offenzulassen, argumentiert Trump nun. Tatsächlich ordnete der US-Präsident Ende Januar einen Einreisestopp für ausländische Reisende aus China an. Geholfen hat das jedoch wenig. Die Fallzahlen schossen in den USA in die Höhe, in dem Land gibt es mittlerweile weltweit die meisten Corona-Toten, einer der ersten nachgewiesenen Ausbrüche in Seattle blieb lange unentdeckt.

Wie China-zentriert ist die WHO?

Bruce Aylward, ein führender Berater des WHO-Generaldirektors Tedros Adhanom Ghebreyesus, wies Trumps Kritik zurück, die WHO sei "China-zentriert". Es sei sehr wichtig, mit den Chinesen zusammenzuarbeiten, um den frühen Ausbruch zu verstehen. Das habe mit China im Besonderen nichts zu tun.

Doch nicht nur die USA, auch andere Länder wie Australien und Japan kritisierten den Umgang der WHO mit China. "Es ist unglaublich, dass die WHO es für richtig hält, die offenen Lebensmittelmärkte in China wieder öffnen zu lassen - sie waren die Quelle des Ausbruchs, der Menschen rund um die Erde tötet", sagte der australische Schatzkanzler Josh Frydenberg. Inzwischen hat die WHO die Entscheidung zurückgenommen. Auch der australische Premierminister Scott Morrison sagte, er sympathisiere mit Trumps Kritik.

Japans stellvertretender Ministerpräsident und Finanzminister Taro Aso hatte gar vorgeschlagen, die WHO in CHO für Chinagesundheitsorganisation umzubenennen. Allerdings stand Japan selbst in der Kritik, die Corona-Zahlen kleingehalten zu haben, um die Olympischen Spiele doch noch zu retten, die erst nach langem Zögern auf das kommende Jahr verschoben wurden.

Anders als Trump wollen die Länder die Zahlungen an die WHO jedoch nicht einstellen. Man wolle das Kind nicht mit dem Bade ausgießen, sagte Morrison.

Kritiker monieren, mit der Kritik an der WHO wolle Trump vor allem seine eigenen Versäumnisse im Kampf gegen das Coronavirus kaschieren. So hatte sein Handelsberater bereits im Januar vor einer Pandemie mit vielen Toten gewarnt. Zu der Zeit spielte Trump die Pandemie noch herunter und versicherte: "Es wird ein sehr gutes Ende für uns haben."

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