Der Weg zur Genesung Wie es Patienten nach Covid-19 geht

Einige Patienten erholen sich schnell, andere brauchen Wochen, bis sie wieder gesund sind: Was bisher über mögliche Folgeschäden einer Covid-19-Erkrankung bekannt ist.
Covid-19-Patient in Berlin: Eine Biobank soll mögliche Langzeitschäden dokumentieren

Covid-19-Patient in Berlin: Eine Biobank soll mögliche Langzeitschäden dokumentieren

Foto: Fabrizio Bensch/ REUTERS

Millionen Menschen weltweit haben eine Infektion mit dem Coronavirus bereits überstanden. Die Dunkelziffer gilt als hoch, auch weil Sars-CoV-2 in einigen Fällen kaum oder gar keine Symptome verursacht. Wenn die vom Virus verursachte Erkrankung Covid-19 einen schwereren Verlauf nimmt, sind die Patienten allerdings oft nach Wochen noch nicht wieder vollständig genesen.

Noch ist wenig über Spät- und Langzeitfolgen einer Corona-Infektion bekannt, sagt Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Erste Erkenntnisse über mögliche neurologische Folgen sind etwa erst in den vergangenen Wochen gesammelt worden. "Die waren vorher so noch nicht bekannt, denn die Erkrankung ist ja noch jung."

Mit Fortschreiten der Pandemie finden Forscher immer mehr über die Krankheitsverläufe und Folgeschäden bei Covid-19-Patienten heraus. Der Überblick:

Patienten mit mildem Verlauf ohne Krankenhausaufenthalt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt den Anteil der milden Verläufe auf rund 80 Prozent aller Fälle. Bei den Infizierten, die etwas von dem Virus merken, zählen laut RKI vor allem Husten (49 Prozent) und Fieber (41 Prozent) zu den häufigsten Symptomen.

"Die Patienten, mit denen wir gesprochen haben, berichteten, dass die Symptome mitunter schon sehr heftig waren", sagt Matthias Kochanek, Oberarzt am Universitätsklinikum Köln. Sie hätten etwa über 10 bis 21 Tage lang angehalten.

Bekannt ist, dass sich viele Patienten nach einem milden Infektionsverlauf recht zügig wieder fit fühlen. "Die meisten Patienten haben uns danach auch berichtet, dass sie wieder komplett belastbar waren", so Kochanek. Die Genesung hängt auch vom Einzelfall und möglichen Begleiterkrankungen ab.

Wenig wissen Mediziner bisher über die Geschmacks- und Riechveränderungen, die einem Teil der Patienten auch bei milden Verläufen auffielen. "Beobachtungsstudien zeigen, dass sich diese Problematik in zwei bis drei Wochen bei der Mehrzahl der Patienten zurückbildet", sagt Neurologe Berlit. In etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle bleibt die Störung länger bestehen.

Der Geschmacksverlust, von dem einige Patienten berichten, könnte dagegen ein Irrtum sein, zeigen neue Analysen, an denen das Universitätsklinikum Dresden mitgearbeitet hat. Demnach können die meisten der befragten Covid-Patienten die vier Geschmacksrichtungen süß, sauer, bitter und salzig weiter einigermaßen zuverlässig unterscheiden - nicht aber Aromen. Der wahrscheinliche Grund: Um diese wahrnehmen zu können, braucht es auch den Geruchssinn.

Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf ohne Beatmung

Rund 20 Prozent der Corona-Infektionen verlaufen laut WHO so schwer, dass die Patienten im Krankenhaus behandelt werden müssen. Je nach Krankheitsverlauf unterscheidet sich die Behandlung. Manche Patienten brauchen wegen Atemnot zwar Sauerstoff, können aber auf einer Normalstation behandelt werden. "Diese Patienten weisen in etwa einen gleichen Verlauf auf wie die Patienten mit mildem Verlauf", erklärt Intensivmediziner Kochanek. "Sie brauchen mitunter lediglich etwas länger bei der Genesung."

Andere Patienten erkranken etwas schwerer und brauchen noch etwas mehr Sauerstoff - etwa über einen kleinen Plastikschlauch unter der Nase. Diese Betroffenen brauchen im Vergleich zu einem milden Verlauf deutlich länger, etwa drei bis vier Wochen, um wieder richtig fit zu sein, sagt Kochanek. "Nachdem diese Patienten das Krankenhaus verlassen haben, haben sie uns erzählt, dass sie sich noch eine ganze Zeit lang schlapp und müde und nicht so leistungsfähig gefühlt haben."

Intensivpatienten mit schwerem Krankheitsverlauf und Beatmung

Ist die Lungenfunktion von Covid-19-Patienten so stark eingeschränkt, dass zunehmend Atemnot auftritt und die Versorgung mit Sauerstoff nicht mehr ausreicht, müssen sie auf der Intensivstation behandelt werden. Die Betroffenen werden in ein künstliches Koma versetzt und über einen Schlauch in der Luftröhre beatmet. Eine solche Intubation birgt Risiken.

Je länger die Beatmung dauert, bauen sich auch Muskeln ab, die zum Atmen benötigt werden. Gerade bei Älteren können sich die Muskeln teilweise nicht mehr vollständig erholen. Die Lunge kann zudem empfindlich auf Überdruck und auch auf den Sauerstoff reagieren, der der Beatmungsluft zugesetzt wird. Lungengewebe wird teilweise irreparabel geschädigt. Auch in anderen Organen kann eine künstliche Beatmung zu Schäden führen.

Über die Schläuche kann zudem zusätzlich zur Viruserkrankung eine bakterielle Infektion in der Lunge entstehen. Bei fast allen Covid-19-Patienten am Kölner Universitätsklinikum ist eine solche zweite oder gar dritte von Bakterien ausgelöste Lungenentzündung festzustellen, berichtet Kochanek.

Über Langzeitfolgen solcher Lungenentzündungen lassen sich noch keine gesicherten Aussagen machen. Bei heftigeren Verläufen, etwa mit schwerem Lungenversagen und langer Beatmungsdauer, sind Restsymptome wie ein vermindertes Lungenvolumen zu erwarten, sagt der Mediziner Sven Gläser vom Vivantes-Klinikum Neukölln.

Kochanek spricht von einem Muster: Schwer erkrankte Covid-19-Patienten brauchten im Vergleich zu Patienten mit anderen Formen der Lungenentzündung sehr viel länger für ihre Genesung. Eine seiner ersten Patientinnen, 80 Jahre alt, wurde erst vor Kurzem in eine Rehaklinik entlassen. Sie war Mitte März in die Klinik eingeliefert worden.

Bei einigen Patienten treten zudem schwere neurologische Erkrankungen auf - sogenannte Enzephalopathien, also Schädigungen im Gehirn. "Das drückt sich in Unruhe und Verwirrtheit aus, auch die Leistung des Gedächtnisses kann beeinträchtigt sein", sagt Neurologe Berlit. Solche Einschränkungen könnten möglicherweise über längere Zeit bestehen bleiben, doch auch dazu gibt es bisher keine Langzeiterkenntnisse.

Ein weiteres Risiko sind Langzeitfolgen durch Schlaganfälle. Eine Covid-19-Erkrankung erhöht die Gefahr einer Thrombose. Dadurch können laut Berlit nicht nur bei schwer erkrankten Covid-19-Patienten Schlaganfälle auftreten. Welche Symptome zurückblieben, hängt vor allem vom betroffenen Hirnareal ab.

Unklar sind auch noch die Folgen epileptischer Anfälle, die im Zusammenhang mit einem Zytokinsturm, einer Immunantwort auf die Corona-Infektion, beobachtet wurden. Ob eine Epilepsie als dauerhafte Folge nach der Infektion zurückbleiben kann? "Das ist denkbar, aber wir wissen es noch nicht", sagt Berlit.

In Deutschland soll eine Biobank aufgebaut werden, die mögliche Langzeitfolgen nach einer Infektion mit dem Coronavirus sammelt. (Mehr dazu lesen Sie hier .)

koe/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.