Zahl der negativen Corona-Befunde Die Test-Frage

Wie viele Menschen jeden Tag positiv auf das Coronavirus getestet werden, wissen wir. Aber wie oft enden die Untersuchungen mit einem negativen Ergebnis? Das Robert Koch-Institut liefert nun Antworten.
Teströhrchen: Der Anteil der positiven Testergebnisse steigt

Teströhrchen: Der Anteil der positiven Testergebnisse steigt

Foto: Hendrik Schmidt/ DPA

Ungefähr 500.000 Tests auf das neue Coronavirus fänden in Deutschland jede Woche statt, sagte der Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin vor mehr als einer Woche auf einer Pressekonferenz. Anschließend sprachen Jens Spahn und Andreas Gassen von der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) von etwas anderen Zahlen. Demnach könnten jede Woche bis zu 360.000 Tests ausgewertet werden. Das sorgte für Verwirrung.

Inzwischen ist die Lage etwas klarer: Zum einen wurde bekannt, dass die Bundesbehörden Tests in Universitätslabors in ihrer Statistik nicht mitzählen. Damit lassen sich die unterschiedlichen Zahlen besser einordnen. Zum anderen hat das Robert Koch-Institut (RKI) in dieser Woche einen Übersichtsartikel  zu den Sars-CoV-2-Testzahlen veröffentlicht. Er liefert einen Überblick, wie viele amtliche Tests zuletzt durchgeführt wurden. Zudem zeigt er nicht nur, wie viele Menschen positiv auf das neue Virus getestet wurden, sondern auch, in wie vielen Fällen im Verhältnis dazu kein Virus in einer Probe nachgewiesen werden konnte.

93 Prozent der registrierten Tests waren negativ

Bis zum 29. März haben Labors demnach rund 918.460 Proben für die amtliche Statistik auf das neue Coronavirus geprüft, bei etwa 64.910 stellten sie eine Infektion fest. Das entspricht einem Anteil von sieben Prozent. 93 Prozent der Tests waren negativ. Allerdings sind diese Zahlen mit Unsicherheit behaftet. Denn nicht alle Labors melden auch ihre negativen Testergebnisse.

Je nach Woche hat eine sehr unterschiedliche Anzahl Labors dem RKI die Daten zur Gesamttestzahl mitgeteilt. Für den gesamten Jahresverlauf bis Kalenderwoche 11, die am 9. März begonnen hat, sind Informationen darüber von 48 Labors bekannt. In den darauffolgenden Wochen stieg die Zahl deutlich auf 114 und 152 Einrichtungen. In Kalenderwoche 13, also vom 23. bis 29. März, haben 143 Labors ihre Gesamtdaten eingereicht.

Auffällig ist auch, dass die Zahl der positiven Testergebnisse aus den Labors von den offiziellen Werten des RKI abweicht. Laut RKI haben sich bis 29. März insgesamt rund 62.700 Menschen nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert - ungefähr 2.200 weniger als in der Statistik der Labors. Mit verantwortlich dafür könnte sein, dass die Daten oft ein paar Tage brauchen, bis sie nach dem Befund im Labor bei den Gesundheitsämtern ankommen und dort offiziell erfasst werden.

Anteil positiver Testergebnisse zuletzt gestiegen

Der Anteil der positiven Testergebnisse an der Gesamttestzahl ist den Angaben zufolge zuletzt gestiegen (siehe Grafik oben). In der Woche ab dem 9. März (KW 11) wurde das neue Coronavirus bei sechs Prozent der gemeldeten Tests nachgewiesen. In der Woche darauf stieg der Wert auf knapp sieben Prozent und erreichte bis Ende März (KW 13) ungefähr neun Prozent. Das entspricht mehr als jedem zwölften Test.

Der Anteil der positiven Testergebnisse an der Gesamtzahl der Tests ist innerhalb von zwei Wochen damit auf das Eineinhalbfache gestiegen.

Was die Corona-Statistik verrät – und was nicht

Die offiziell gemeldete Zahl der Infizierten bezieht sich ausschließlich auf mit Labortests nachgewiesene Infektionen. Wie viele Menschen sich tatsächlich täglich neu infizieren und bislang infiziert waren, ohne positiv getestet worden zu sein, ist unklar. Antikörperstudien zeigen, dass es eine erhebliche Dunkelziffer an unentdeckten Infektionen gibt.

Die offizielle Zahl der Toten beschreibt, wie viele Menschen mit dem Virus gestorben sind. In wie vielen Fällen die Infektion ursächlich für den Tod war, lässt sich daraus nicht unmittelbar ablesen. Obduktionsstudien zeigen aber, dass bei den meisten Toten die Covid-19-Erkrankung auch die Todesursache war.

Mehr Informationen dazu, was im Umgang mit Corona-Daten zu beachten ist und welche Quellen der SPIEGEL nutzt, lesen Sie hier.

Infektionen mit dem neuen Coronavirus werden also häufiger. Zum wachsenden Anteil positiver Ergebnisse trägt möglicherweise auch bei, dass inzwischen gründlicher geprüft wird, wer einen Test bekommt. Behörden wollen sicherstellen, dass die begrenzten Testkapazitäten vorrangig dort eingesetzt werden, wo Infektionen besonders wahrscheinlich sind. Zusätzlich könnten die Anteile durch die unvollständigen Daten der Labors verzerrt sein - in beide Richtungen.

Verdreifachung der Testkapazitäten

Das RKI-Dokument zeigt auch, dass die Zahl der Corona-Tests in den vergangenen Wochen gestiegen ist. Während 114 Labors in der Woche vom 9. bis 15. März (Kalenderwoche 11) rund 127.000 Proben getestet haben, waren es eine Woche später knapp dreimal so viele - insgesamt rund 349.000. Die Zahl der Labors, die Daten gemeldet haben, stieg gleichzeitig nur um ein Drittel auf 152.

In der Woche darauf, vom 23. bis zum 29. März, folgte noch mal ein kleinerer Zuwachs auf etwa 355.000 Tests, wobei nur 143 Labors ihre Daten an das RKI übermittelt hatten. Die jeweilige Laborgröße ist dabei nicht bekannt.

Schicken Sie uns Hinweise

Kettenbriefe und Audionachrichten: Über das Coronavirus kursieren viele Falschmeldungen und Gerüchte, zum Beispiel auf WhatsApp oder Facebook. Welche sind Ihnen begegnet? Schreiben Sie uns eine E-Mail an corona.faktencheck@spiegel.de . Wir überprüfen ausgewählte Fälle und veröffentlichen das Ergebnis auf spiegel.de/thema/coronavirus-faktencheck.

 

In jedem Fall beeinflusst die Zahl der Corona-Tests aber die täglich gemeldeten Corona-Fallzahlen  des RKI. Wenn deutlich mehr getestet wird, lassen sie sich nicht mehr direkt vergleichen, da mehr Tests automatisch dazu führen, dass absolut gesehen mehr Neuinfektionen entdeckt werden.

So ist die Zahl der Neuinfektionen in der Woche ab dem 16. März (Kalenderwoche 12) von zuvor im Schnitt 889 Infektionen pro Tag auf knapp 3140 gestiegen und hat sich somit fast vervierfacht. Rechnet man mit den Zahlen der Labors, ist sie um gut das Dreifache gestiegen. Die Anzahl der Tests hat sich gleichzeitig beinahe verdreifacht.

Ein Teil der nachgewiesenen Neuinfektionen ist demnach auf die wachsende Testzahl zurückzuführen. Aber auch unabhängig davon wuchs die Zahl der Neuinfektionen. Deutlich wird das beim Blick auf die Woche vom 23. bis 29. März (KW 13): Dort blieb die Zahl der Tests quasi konstant, die Zahl der nachgewiesenen Corona-Fälle stieg laut RKI dennoch um etwa 50 Prozent.

Betrachtet man die von den Labors gemeldeten Neuinfektionen, kommt man auf einen Anstieg von ungefähr einem Drittel. Die Labors können für Kalenderwoche 13 allerdings noch rückwirkend Daten erfassen.

Hohe Testzahl liefert geringe Todesquote

Im internationalen Vergleich testet Deutschland seine Bürger in recht großem Umfang auf das neue Coronavirus. Das trägt zur geringen Fallsterblichkeit in Deutschland bei. Sie beschreibt, welcher Anteil der nachweislich Infizierten gestorben ist und lag zu Beginn des Ausbruchs ungefähr bei 0,2 Prozent.

Virologen vermuten, dass dieser Wert dem Anteil der Todesfälle an den tatsächlich Infizierten recht nahe kommt, also der tatsächlichen Todesrate. Zu Beginn der Corona-Ausbreitung in Deutschland gab es absolut betrachtet noch recht wenige schwere Fälle, sodass viele Personen mit leichtem Verlauf getestet werden konnten. Tödliche Verläufe waren daher nur zu einem sehr kleinen Anteil in der Gesamtzahl vertreten.

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2? Was die Bezeichnungen bedeuten.

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom "neuartigen Coronavirus".

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen "Sars-CoV-2" ("Severe Acute Respiratory Syndrome"-Coronavirus-2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde "Covid-19" (Coronavirus-Disease-2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

Inzwischen hat sich das Virus stärker ausgebreitet, sodass trotz der erhöhten Testkapazitäten anteilig mehr Menschen mit tödlichem Verlauf in die Statistik einfließen. Die Fallsterblichkeit in Deutschland liegt nun bei gut einem Prozent.

Zum Vergleich: In Italien sterben rund zwölf Prozent der nachweislich Infizierten, was neben einer geringeren Testzahl auch daran liegt, dass es dort viele ältere Menschen mit Vorerkrankungen gibt und die Krankenhäuser so überlastet sind, dass sie nicht mehr alle Patienten versorgen können, die Hilfe bräuchten. In Spanien liegt die Fallsterblichkeit bei ungefähr neun Prozent, in den USA bei ungefähr 2,5 Prozent.

Da allerdings nicht geprüft wird, wie viele Menschen ursächlich am Virus sterben, sind die Todesraten insgesamt sehr unsicher (mehr dazu lesen Sie hier).

In einigen Labors werden Testreagenzien knapp

Das RKI-Dokument zu den Corona-Tests enthält allerdings nicht nur Informationen zur Anzahl der Untersuchungen. Die Labors melden auch, wie sie mit der Menge an eingeschickten Rachenabstrichen fertig werden und wie viele Testkapazitäten sie in der Folgewoche zur Verfügung stellen können. Demnach sind mitunter Zehntausende Proben liegen geblieben.

Vom 16. bis 22. März (Kalenderwoche 12) stauten sich nach Angaben von 41 Labors mehr als 26.500 Proben an, in der Woche darauf meldeten 42 Labors, dass sie fast 32.000 Proben nicht zeitnah untersuchen konnten.

Was die Kapazitäten angeht, konnten 113 Labors, die zuletzt Daten übermittelt haben, nach eigenen Angaben diese Woche mehr als eine halbe Million Tests durchführen. Wie viele Prüfungen tatsächlich stattgefunden haben, will das RKI in seinem Lagebericht am nächsten Mittwoch mitteilen.

Inzwischen zeigt sich auch, dass es bei den Testmöglichkeiten nicht mehr unbedingt am Platz in Testmaschinen hapert, sondern zunehmend auch Materialmangel zum Problem wird. Erstmals hätten vergangene Woche drei Labors angegeben, dass sie ihre Kapazitäten in dieser Woche aufgrund von Lieferengpässen für Reagenzien reduzieren mussten, schreibt das RKI. 86 Labors meldeten Lieferengpässe bei benötigtem Material, unter anderem bei den zur Probennahme benötigten Abstrichtupfern.