Covid-19 Intensivmediziner sehen sich für zweite Welle gut gerüstet

Die Zahl der Coronavirus-Infektionen in Deutschland steigt. Dennoch blicken Intensivmediziner aktuell mit Zuversicht auf die kommenden Wochen.
Beatmungsgerät in einem Zimmer des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf

Beatmungsgerät in einem Zimmer des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf

Foto: Axel Heimken/dpa/Pool/dpa

Die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen steigt in Deutschland deutlich an. Bisher sind Intensivmediziner aber optimistisch, dass die Kliniken nicht an ihre Kapazitätsgrenzen geraten.

"Wir werden das schaffen", sagt etwa Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und Chefarzt am St.-Antonius-Hospital, Eschweiler. "Ich kenne keinen einzigen, der sagt, es wird eine Katastrophe werden." Janssens berichtete mit zwei weiteren Experten in einer vom Science Media Center organisierten Pressekonferenz über die Situation an den Kliniken und die Vorbereitungen für Herbst und Winter.

Trotz steigender Fallzahlen sei die Lage demnach anders als im März und April: Denn aktuell müsste ein deutlich geringer Anteil der Menschen mit einer diagnostizierten Coronavirus-Infektion ins Krankenhaus als im Frühjahr.

"Wir schätzen, dass etwa sechs Prozent der Sars-CoV-2-Positiven im Krankenhaus behandelt werden müssen. Ein Drittel von ihnen, also insgesamt zwei Prozent, müssen intensivmedizinisch behandelt werden", sagte Janssens.

Die liegt unter anderem daran, dass das Durchschnittsalter der jetzigen Infizierten niedriger sei als das der Infizierten im Frühjahr. Es bestehe aber die Sorge, dass sich das Virus auch wieder zunehmend unter älteren Menschen verbreite.

Problem: Personalmangel

Janssens wies auf ein großes Problem der Kliniken hin, das schon vor Corona bestand: Es gibt einen Mangel an Pflegepersonal. Statistiken zufolge fehlen in deutschen Krankenhäusern mehr als 50.000 Pflegekräfte . Wenn es zu Engpässen komme, dann vermutlich weniger wegen der Zahl der Betten - sondern wegen des Personalmangels.

Clemens Wendtner, Leiter der Spezialeinheit für hochansteckende lebensbedrohliche Infektionen an der München Klinik Schwabing, betonte, es gelte eine Doppelwelle von Covid-19 und der Grippe zu verhindern. Er empfehle deshalb die Grippeschutzimpfung auch Patientinnen und Patienten, die nicht zu den Gruppen gehören, die sich laut der Ständigen Impfkommission impfen lassen sollten.

Derzeit lässt sich nicht beantworten, ob es dazu kommen wird, dass viele Kliniken nicht akut drängende Operationen und Behandlungen wieder verschieben. Die Krankenhäuser könnten dies jedoch schnell umsetzen, sagte Janssens. Nach Wendtners Einschätzung sind die Kliniken in Deutschland gut vorbereitet. Man müsse "wachsam sein, aber mit einer gewissen Zuversicht in die nächsten Wochen gehen".

Klar ist allerdings auch, dass Covid-19 immer noch eine gefährliche Krankheit ist. Wendtner sprach davon, dass die Sterblichkeit von Covid-19 etwa im Bereich des 20-fachen der Grippe liegt.

Dazu kommt das sogenannte Long-Covid: Patientinnen und Patienten, die noch Wochen und Monate nach der Infektion Symptome haben. Die zwei wichtigsten seien eine dauerhafte Erschöpfung und Atemwegsproblematiken, sagte Wendtner. Es wird sich auch erst zeigen, welche Langzeitfolgen sich für Betroffene ergeben, die durch Covid-19 viele winzige Blutgerinnsel entwickelt hätten oder in deren Lunge sich vermehrt Bindegewebe gebildet habe.

wbr
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