Beurteilung der Infektionslage Expertenrat mahnt Vorbereitungen auf Verschärfung der Coronalage an

Der Corona-Expertenrat rechnet angesichts der rasanten Entwicklung bei den Neuinfektionen mit einer drastischen Zunahme der Krankenhausaufnahmen – und ruft dazu auf, verschärfte Schutzmaßnahmen zu überlegen.
Coronamaßnahmen verschärfen (Symbolbild): Arbeit in einer Klinik

Coronamaßnahmen verschärfen (Symbolbild): Arbeit in einer Klinik

Foto: Christoph Soeder / dpa

Der Expertenrat der Bundesregierung hat gründliche Vorbereitungen auf eine mögliche weitere Verschärfung der Coronalage angemahnt. Wenn weitere »kritische Marken« wie etwa eine hohe Hospitalisierungsrate erreicht würden, seien weitergehende Schutzmaßnahmen nötig, heißt es in der von der Bundesregierung verbreiteten Stellungnahme des Expertenrats. Diese Maßnahmen sollten daher »jetzt so vorbereitet werden, dass sie ohne Verzögerung umgesetzt werden können«.

Ausdrücklich warnt der Expertenrat davor, sich von der derzeit niedrigen Hospitalisierungsrate nicht täuschen zu lassen. Diese gibt an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner in einer Woche mit einer Corona-Erkrankung ins Krankenhaus eingeliefert werden. Am Freitag lag dieser Wert laut Robert Koch-Institut bei 3,77 – auf dem Höhepunkt der zweiten Pandemiewelle dagegen über 15.

Der Expertenrat warnte aber: »Die Hospitalisierungsrate wird niedriger als bei der Delta-Variante erwartet, müsste aber eine ganze Größenordnung (etwa Faktor 10) niedriger liegen als im vergangenen Winter, um die erwartete hohe Fallzahl zu kompensieren und das Gesundheitssystem nicht zu überlasten.« Davon sei aber nicht auszugehen. »Entsprechend sind bei weiter steigenden Inzidenzen sehr viele Krankenhausaufnahmen zu erwarten«, heißt es.

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»Immunitätslücken durch Impfungen schließen«

Zudem forderten die Fachleute unter Verweis auf das »hochdynamische Infektionsgeschehen« eine »strikte Umsetzung der bisherigen Maßnahmen«. Zugleich zeigten die Wissenschaftler auch eine Perspektive für ein Zurückfahren der Coronarestriktionen auf. Wenn die Grundimmunität in der Bevölkerung zunehme und die Zahl der Neuinfektionen und die Zahl der Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern zurückgehe, sollten die Kontaktbeschränkungen wieder stufenweise zurückgefahren werden, heißt es in dem Papier.

Als wesentliche Maßnahme zur Überwindung der Coronapandemie betrachtet der Expertenrat weiterhin die Impfung. Es sei »dringend erforderlich, die verbliebenen Immunitätslücken in der Gesellschaft durch Impfungen zu schließen«, erklärte er. Ansonsten sei immer wieder mit »starken Infektions- und Erkrankungswellen zu rechnen«.

Dem Expertenrat gehören 19 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen unterschiedlicher Fachrichtungen an, darunter der Virologe Christian Drosten, die Virologin Melanie Brinkmann, Stiko-Chef Thomas Mertens, RKI-Chef Lothar Wieler und die Vorsitzende des Ethikrates, Alena Buyx. Die Empfehlungen des Gremiums, die sich auch mit der Datenerhebung und der Digitalisierung in der Pandemie befassen, wurden kurz vor der Ministerpräsidentenkonferenz veröffentlicht. Dabei wollen die Länderchefs mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) über das weitere Vorgehen angesichts der Ausbreitung der hochansteckenden Omikron-Variante des Coronavirus beraten.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach hatte am Donnerstag gewarnt, dass die Zahl der Neuinfektionen im optimistischen Fall Mitte Februar auf rund 400.000 und im pessimistischen Fall über 600.000 pro Tag steigen dürfte.

ime/AFP/dpa