Zahl der Behandlungen, Tests rückläufig Coronapandemie hat »verheerende« Auswirkungen auf Kampf gegen Aids, Malaria und Tuberkulose

Während die Welt gegen das Coronavirus kämpft, sind andere tödliche Krankheiten in Vergessenheit geraten. Im Hintergrund der Pandemie sind sie wieder auf dem Vormarsch.
Malariatest in Indien: Tests um 4,3 Prozent zurückgegangen

Malariatest in Indien: Tests um 4,3 Prozent zurückgegangen

Foto: Anshuman Poyrekar / Hindustan Times / Getty Images

Die Covid-19-Pandemie wirkt sich katastrophal auf den Kampf gegen andere tödliche Krankheiten aus. Das berichtete der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria am Mittwoch in Genf.

Der Fonds hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese drei Epidemien zu beenden. Er investiert dafür jedes Jahr mehrere Milliarden Euro in mehr als hundert Ländern. Das Geld stammt überwiegend von Regierungen, aber auch aus der Privatwirtschaft und von Stiftungen.

Zum ersten Mal in der knapp 20-jährigen Geschichte der Organisation hat es laut Exekutivdirektor Peter Sands vergangenes Jahr Rückschritte bei »wichtigen Faktoren« gegeben.

Behandlungen und Tests deutlich gesunken

Betroffen seien vor allem Tuberkulose- und Aidspatienten – bei beiden Krankheiten sei die Zahl der Behandlungen und Tests infolge der Pandemie deutlich gesunken. »Die Covid-19-Pandemie hatte verheerende Auswirkungen auf den Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria im Jahr 2020«, hieß es.

Dem Bericht zufolge sank im Jahr 2020 die Zahl der gegen arzneimittelresistenten Tuberkulose behandelten Menschen in den Ländern, in die der Fonds investiere, um 19 Prozent. Auch die Zahl der Menschen, die mit Aids-Präventionsprogrammen erreicht worden seien, sei im Vergleich zu 2019 um elf Prozent zurückgegangen. Die Zahl der HIV-Tests sei um 22 Prozent zurückgegangen, was den Beginn einer Behandlung in den meisten Ländern verzögert habe.

Der Kampf gegen Malaria sei durch Covid-19 nicht ganz so stark betroffen gewesen, hieß es weiter. Allerdings sei die Zahl der getesteten Malariaverdachtsfälle um 4,3 Prozent zurückgegangen.

3,3 Milliarden für den Kampf gegen Krankheiten

Der Globale Fonds wirbt weltweit Gelder ein, verwaltet und investiert sie. Die Zahl der durch Aids, Tuberkulose und Malaria verursachten Todesfälle ging in den Ländern, in die der Globale Fonds investiert, eigenen Angaben zufolge um 46 Prozent zurück.

Die 2002 gegründete und zuvor von der G8 gebilligte internationale Organisation mobilisiert und investiert eigenen Angaben zufolge jährlich mehr als vier Milliarden US-Dollar zur Unterstützung von Programmen, die von lokalen Experten in mehr als 100 Ländern durchgeführt werden.

Bis August 2021 seien bereits 3,3 Milliarden US-Dollar für Aids-, Tuberkulose- und Malariaprogramme bewilligt worden, im vergangenen Jahr 4,2 Milliarden US-Dollar (3,55 Milliarden Euro). Zusätzlich habe man 980 Millionen US-Dollar genehmigt, um auf Covid-19 zu reagieren.

kry/AFP/dpa
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