Coronapandemie Vierte Impfung führt bei Älteren zu deutlichem Rückgang von Todesfällen

Demnach starben in den ersten beiden Monaten nach der vierten Dosis weniger Hochbetagte als gleichaltrige dreifach Geimpfte.

Was bringt die vierte Impfung für Senioren? (Archivbild)

Was bringt die vierte Impfung für Senioren? (Archivbild)

Foto: Liesa Johannssen-Koppitz / Bloomberg / Getty Images

Eine vierte Coronaimpfung schützt Seniorinnen und Senioren gut davor, an oder mit Covid-19 zu sterben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie aus Schweden, die im Fachblatt »Lan­cet Regional Health Europe«  veröffentlicht wurde.

Die Forschenden verglichen dazu das Impfregister mit dem Sterberegister in Schweden. Dabei untersuchten sie zum einen Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner und zum anderen alle Menschen über 80 Jahre, die eine vierte Dosis erhalten hatten. Für die erste Analyse wurden 12.262 Pflegeheimbewohner im Alter von durchschnitt­lich 84 Jahren mit der glei­chen Anzahl von ungeimpften Bewohnerinnen und Bewohnern verglichen, wobei beide Gruppen sich ähnelten in Bezug auf Allgemeinzu­stand, unbeab­sichtigten Gewichtsverlust, Kontinenz, mentalen Status, kognitive Einschrän­kungen und Mo­bi­­lität. Vor allem in den Tagen 7 bis 60 nach der vierten Impfung kam es in der Impfgruppe zu weniger Todesfällen. Das Forscherteam ermittelte daraufhin eine Impfstoffwirksamkeit von 39 Prozent, die an den Tagen 61 bis 126 auf 27 Prozent abfiel.

In einer zweiten Analyse betrachtete das Forscherteam 197.052 geimpfte und nicht geimpfte Seniorinnen und Senioren im Alter von über 80 Jahren. Die Impfstoffwirksamkeit der vierten Dosis in der Allgemeinbevölkerung fiel demnach noch höher aus: In den Tagen 7 bis 60 nach der vierten Dosis ermittelten sie eine Wirksamkeit in dieser Altersgruppe von 71 Prozent. In den Tagen 61 bis 143 fiel sie auf weiterhin signifikante 54 Prozent ab.

Die Ergebnisse untermauern vorherige Daten aus Israel, wonach eine vierte Impfung auch in der Omikron-Welle Todesfälle bei Hochbetagten vermeiden kann. Der Impfschutz scheint dabei vor allem in den ersten zwei Monaten nach der Impfung erhöht zu sein, danach fällt er wieder ab.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte sich im Spitzengespräch mit dem SPIEGEL für einen zweiten Booster für alle über 60 Jahren ausgesprochen. Der Minister riet Menschen über 60, »auf keinen Fall« auf einen an die Omikron-Variante angepassten Impfstoff zu warten. Die verfügbaren Impfstoffe schützten zuverlässig davor, an Covid zu erkranken oder infolge einer Coronainfektion zu sterben.

Auch führende EU-Behörden hatten Anfang der Woche alle Älteren dazu aufgerufen, sich ein viertes Mal impfen zu lassen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) – das für Deutschland zuständige Gremium – empfiehlt einen zweiten Booster bislang nur Menschen über 70 Jahren sowie einigen anderen Gruppen, darunter Menschen mit unterdrücktem Immunsystem, Pflegeheimbewohner und Personal medizinischer Einrichtungen. Viele Ärzte orientieren sich an der Stiko-Empfehlung.

Lauterbach hatte auch allen Menschen unter 60 Jahren eine vierte Dosis empfohlen. Wolle man den Sommer ohne das Risiko einer Erkrankung genießen, dann würde er »in Absprache natürlich mit dem Hausarzt auch Jüngeren die Impfung empfehlen«, sagte der SPD-Politiker. Mit der zweiten Boosterimpfung habe man »eine ganz andere Sicherheit«. Sie verringere das Infektionsrisiko für mehrere Monate deutlich. Auch das Risiko, an Long Covid zu erkranken, sei deutlich geringer.

Stiko-Chef Thomas Mertens sprach sich in der Folge gegen eine sofortige vierte Impfung für jüngere Bürgerinnen und Bürger aus. Er kenne keine Daten, die einen solchen Ratschlag rechtfertigten, sagte er der »Welt am Sonntag«  : »Ich halte es für schlecht, medizinische Empfehlungen unter dem Motto ›viel hilft viel‹ auszusprechen.«

Es sei wichtig, sich klarzumachen, »dass wir nicht jedes Jahr ständig die gesamte Bevölkerung – also auch jüngere, gesunde Menschen – impfen können. Das Ziel ist es bei diesen Impfungen nicht, Infektionen zu vermeiden, sondern Erkrankungen.« Die dreimalige Impfung mit den verfügbaren Impfstoffen würde gut vor schweren Verläufen schützen, so Mertens: »Aber die Übertragung des Virus wird nur gering beeinflusst.« Dass die EU-Gesundheitsbehörde ECDC und die EU-Arzneimittelbehörde Ema die Altersgrenze in dieser Woche auf 60 festsetzten, hält Mertens hingegen für vertretbar: »Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für einen schweren Verlauf. Es ist nicht einfach, hier einen genauen Cut beim Alter zu machen.«

kry/dpa
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