RKI-Studie 48 Prozent der Corona-Positiven in Berlin-Mitte haben keine Antikörper

Wer eine Corona-Infektion durchgemacht hat, verfügt nicht unbedingt über neutralisierende Antikörper gegen das Virus. Das zeigt eine Studie aus Berlin-Mitte.
Blut abnehmen für den Antikörpertest

Blut abnehmen für den Antikörpertest

Foto: Angelika Warmuth / dpa

Schützende Antikörper gegen das Coronavirus sind im Blut von ehemals Infizierten nach einiger Zeit oft nicht nachweisbar. Das zeigen neue Studiendaten  des Robert Koch-Instituts (RKI). Das Ergebnis spreche einmal mehr für eine Impfung, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Es sei bei Coronaviren generell nicht untypisch, dass der Antikörperschutz schneller erlösche als bei anderen Viren.

Zwischen 17. November und 5. Dezember 2020 wurden im damals hochbelasteten Bezirk Berlin-Mitte die Daten von 2287 Menschen erhoben und ausgewertet, die als repräsentative Zufallsstichprobe gelten. Sie mussten in einem Fragebogen angeben, ob sie zuvor positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden, einen Rachenabstrich machen und ihnen wurde Blut abgenommen.

Nicht nur Antikörper tragen zur Immunität bei

Bei rund der Hälfte (48 Prozent) der Erwachsenen, die nach eigenen Angaben vor dem Studienstart positiv getestet wurden, waren keine sogenannten neutralisierenden Antikörper nachweisbar. Das bedeute jedoch nicht zwangsläufig, dass bei ihnen keine Immunität bestehe, teilten das RKI und das Bezirksamt Mitte am Mittwoch mit. Denn es gibt noch andere Schutzmechanismen des Körpers, wie etwa Gedächtnis-T-Zellen.

Das RKI wollte mit der Studie auch Erkenntnisse zur Dunkelziffer von Infektionen sammeln. Im Ergebnis wurden während der Untersuchung 21 akute Sars-CoV-2-Infektionen nachgewiesen. Das entsprach rund einem Prozent aller Studienteilnehmer. Die Zahl belegt für die Autoren eine leichte Untererfassung der Ansteckungen zu diesem Zeitpunkt: Durch die Studie seien 2,2-mal mehr akute Infektionen nachgewiesen worden, als die offiziellen Meldezahlen damals anzeigten. Bei dem diffusen Ausbruchsgeschehen, wie es damals in Berlin-Mitte geherrscht habe, sei dieser Wert einer möglichen Dunkelziffer jedoch nicht hoch.

Antikörper als Nachweis einer durchgemachten Infektion konnten generell bei 4,4 Prozent der Teilnehmer entdeckt werden, neutralisierende Antikörper gegen Sars-CoV-2 wurden jedoch nur bei 2,4 Prozent nachgewiesen. Insgesamt zeige die Studie, dass damals rund fünf Prozent der Teilnehmer akut angesteckt waren oder eine Infektion bereits durchgemacht hatten.

Die Studie »Corona Monitoring Lokal« des RKI  läuft deutschlandweit in vier Gemeinden. Das Institut will an einzelnen besonders betroffenen Orten Erkenntnisse zur Immunität, zur Dunkelziffer und zur Symptomatik von Sars-CoV-2 sammeln. Das Monitoring wurde noch in Bad Feilnbach, Kupferzell und Straubing durchgeführt. Auch dort zeigte sich, dass viele Corona-Positive keine neutralisierenden Antikörper mehr haben.

kry/dpa
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