Coronavirus-Krise Ärzte fordern Lockerungen bei Schwangerschaftsabbrüchen

Ungewollt schwangere Frauen haben es aufgrund der Coronakrise schwer, die vorgeschriebene Beratung vor einem Abbruch zu bekommen. Ärzte fordern, die Regelung jetzt anzupassen.
Foto: Jens Büttner/ DPA

Ärzte sorgen sich wegen der Coronakrise um ungewollt schwangere Frauen, die einen Abbruch planen. Es könne sein, dass diese wieder zu unsicheren Abtreibungsmethoden griffen, "mit der Gefahr von gesundheitlichen Schäden wie Entzündungen, Sterilität, Blutungen, bis hin zum Tod", erklärte die Gießener Ärztin Kristina Hänel am Sonntagabend gemeinsam mit einem Netzwerk aus Ärzten, die die Eingriffe anbieten.

Hintergrund sind Einschränkungen in den Beratungsstellen mit entsprechend weniger Terminen und längeren Wartezeiten. Auch in den Praxen seien die Angebote eingeschränkt, hieß es. Und in Krankenhäusern würden Abbrüche möglicherweise nicht als nötige Eingriffe angesehen. Schwangerschaftsabbrüche dürfen erst nach einer Beratung erfolgen, außerdem müssen Fristen eingehalten werden. Dies wird den Ärztinnen und Ärzten zufolge zunehmend schwerer.

Video- und telefonische Beratung ermöglichen oder die Pflichtberatung aussetzen

Das Netzwerk aus Ärzten und Verbänden wie Pro Familia fordert unter anderem, Videoberatung oder telefonische Beratung der Frauen zu ermöglichen. Ansonsten müssten die vor den Eingriffen vorgeschriebene Pflichtberatung und die Wartefrist ausgesetzt werden. Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch zu Hause mit telemedizinischer Begleitung solle bis Ende der neunten Woche zugelassen und die Eingriffe sollten als notwendige medizinische Leistungen im Sinne der Pandemiebestimmungen anerkannt werden.

Die Forderungen wurden von den Vereinen Doctors for Choice Germany, Pro Choice Deutschland, dem Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft sowie dem Bundesvorstand von Pro Familia gestellt. Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland laut Statistischem Bundesamt rund 101.000 Abtreibungen.

wbr/dpa