Studie spricht gegen Reinfektion Affen nach Covid-19-Erkrankung immun gegen Coronavirus

Können sich Covid-19-Patienten erneut mit dem Coronavirus anstecken? Eine aktuelle Studie mit Rhesusaffen spricht dagegen. Die Tiere zeigten sich einige Wochen nach einer Infektion resistent.
Die Antikörper der Rhesusaffen sind laut den Forschern mit denen von Menschen vergleichbar

Die Antikörper der Rhesusaffen sind laut den Forschern mit denen von Menschen vergleichbar

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Anton Säckl

Vier von fünf Patienten in China, die sich nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hatten, gelten mittlerweile als von der Krankheit geheilt. Doch können sie sich erneut anstecken? In Japan war eine Frau erneut positiv auf das Virus getestet worden, obwohl sie eigentlich als genesen galt.

Auch aus China sind ähnliche Fälle bekannt. Im Februar waren schätzungsweise 14 Prozent der aus dem Krankenhaus entlassenen Covid-19-Patienten in der Provinz Guangdong erneut positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Fälle warfen die Frage auf, ob sich Menschen mehrfach mit dem neuartigen Erreger anstecken können.

Eine aktuelle Analyse  chinesischer Forscher könnte diese These nun widerlegen. In einem Tierversuch waren Rhesusaffen, die an dem neuartigen Coronavirus erkrankt waren, immun gegen eine erneute Infektion. Das könnte dafür sprechen, dass sich auch Menschen nicht innerhalb kurzer Zeit mehrmals anstecken können.

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2? Was die Bezeichnungen bedeuten.

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom "neuartigen Coronavirus".

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen "Sars-CoV-2" ("Severe Acute Respiratory Syndrome"-Coronavirus-2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde "Covid-19" (Coronavirus-Disease-2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

Die Analyse ist bisher nicht von unabhängigen Wissenschaftlern überprüft worden. Allerdings halten auch andere Experten Neuinfektionen innerhalb weniger Tage oder Wochen für unwahrscheinlich. Denn der menschliche Körper wehrt sich gegen den Erreger.

Das aktuelle Coronavirus dockt über sogenannte Spike-Eiweiße an Körperzellen an und bringt sie dazu, das Virenerbgut millionenfach zu kopieren, bis die Zelle schließlich aufbricht und die freiwerdenden Viren weitere Körperzellen befallen können. Das Immunsystem bemerkt, dass etwas nicht stimmt und bekämpft die Keime mit Antikörpern, die die Andockstellen des Virus unschädlich machen.

Laut den chinesischen Forschern sind die Antikörper, die Menschen gegen das neuartige Coronavirus bilden, mit denen der Rhesusaffen vergleichbar. Sie gehen deshalb davon aus, dass sich ihre Studienergebnisse auch auf den Menschen übertragen lassen.

Das Rückfallrisiko zu untersuchen, ist wichtig, weil es über den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie mitentscheidet und damit auch darüber, welche Maßnahmen sinnvoll sind. Wenn sich Menschen in kurzer Zeit immer wieder anstecken könnten, wäre das Virus nur schwer unter Kontrolle zu bringen. Die aktuelle Studie ist deshalb eine positive Nachricht.

Für die Analyse waren vier Rhesusaffen im Alter von drei bis fünf Jahren einer infektiösen Menge des Coronavirus Sars-CoV-2 ausgesetzt. Drei der Tiere verloren daraufhin an Gewicht, bei mindestens einem entwickelte sich nachweislich eine Lungenentzündung. Das Virus war in der Nase, dem Rachen, der Lunge und im Darm der Tiere nachweisbar. Kurz nach der Infektion konnten die Forscher im Blut der Tiere Antikörper gegen das neuartige Coronavirus nachweisen.

Nachdem die Rhesusaffen keine Symptome mehr zeigten und zwei Tests auf das Virus negativ ausgefallen waren, wurden zwei der Tiere 28 Tage nach der ersten Infektion erneut mit derselben Dosis des Coronavirus in Kontakt gebracht. Diesmal zeigten sie jedoch keine Symptome.

Vermeintlich doppelt Erkrankte wahrscheinlich zu früh aus Krankenhaus entlassen

Das Virus konnte weder in Stuhlproben noch im Nasenrachen nachgewiesen werden. Auch Gewebeproben lieferten keinen Hinweis, dass sich das Virus reproduziert hatte. Die Forscher schlussfolgern daraus, dass eine überstandene Covid-19-Erkrankung immun gegen eine erneute Infektion mit dem Coronavirus machen könnte.

Doch wie lassen sich dann die Fälle erklären, bei denen scheinbar geheilte Patienten erneut positiv auf das Coronavirus getestet wurden? Laut den chinesischen Forschern könnten die Betroffenen zu früh als geheilt aus dem Krankenhaus entlassen worden sein. Vermutlich schlummerte das Virus unbemerkt weiter in ihrem Körper, ehe es beispielsweise in die Lunge gelangte und den Zustand der Patienten erneut verschlechterte. Denkbar wäre auch, dass etwas bei den Tests oder der Probenentnahme schiefgelaufen ist.

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Den chinesischen Forschern zufolge könnten ihre Studienergebnisse dazu beitragen, einen passenden Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus zu entwickeln. Bei der passiven Immunisierung werden Patienten Antikörper gespritzt, die sie immun gegen den Erreger machen.

An Covid-19-Patienten werden bereits verschiedene Arten von Antikörpern erprobt, auch solche, die aus dem Blut genesener Patienten gewonnen wurden. Gelingt es, einen Impfstoff gegen Covid-19 zu entwickeln, dürfte dieser jedoch frühesten in einigen Monaten auf den Markt kommen.