RKI zum Coronavirus »Alle drei Varianten sind in Deutschland angekommen«

Eine erste Auswertung zeigt laut RKI-Chef Lothar Wieler: Die britische Coronavirus-Variante wurde in 13 Bundesländern nachgewiesen – und macht knapp sechs Prozent der kursierenden Sars-CoV-2-Viren aus.
Jens Spahn (r.), Lothar Wieler (M.) und Klaus Chichutek (l.) bei der Bundespressekonferenz

Jens Spahn (r.), Lothar Wieler (M.) und Klaus Chichutek (l.) bei der Bundespressekonferenz

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Michael Kappeler / dpa

»Diese Jahrhundertpandemie bleibt für uns alle eine Zumutung«, sagte Gesundheitsbundesminister Jens Spahn (CDU) am Freitag auf einer Pressekonferenz zur Corona-Lage. Er erinnerte daran, dass vor rund einem Jahr der erste Coronavirus-Fall in Deutschland nachgewiesen worden war. Spahn, der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) Lothar Wieler und der Chef des für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Klaus Cichutek, beantworteten in der Bundespressekonferenz Fragen zu aktuellen Lage. Sie wird vor allem von zwei Themen bestimmt: der Impfung und den neuen Virusvarianten.

»Das Virus hat einen Boost bekommen«

Laut RKI-Chef Wieler wurde die zuerst in Großbritannien nachgewiesene, ansteckendere Sars-CoV-2-Variante B.1.1.7 bereits in 13 der 16 Bundesländer nachgewiesen. In einer aktuellen Untersuchung  von Virusproben betrug der Anteil dieser Variante knapp sechs Prozent.

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Insgesamt gebe es drei besorgniserregende Varianten in Deutschland, sagte Wieler. »Sie dominieren das Geschehen noch nicht.« Ihr Anteil dürfte sich aber weiter erhöhen. Insgesamt sei das Virus gefährlicher geworden. »Das Virus ist noch nicht müde, im Gegenteil, es hat gerade noch mal einen Boost bekommen.« Wir müssten auch damit rechnen, dass weitere neue Varianten entstehen.

Laut Wieler ist der sogenannte R-Wert der Variante B.1.1.7 um etwa 0,5 höher – »das ist eine riesige Zahl«. Der Wert gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person durchschnittlich ansteckt. Liegt die Ansteckungsrate über 1, breitet sich die Krankheit exponentiell aus, liegt sie darunter, geht die Anzahl der Neuinfektionen zurück.

»Wenn es Lockerungen etwa bei Kitas und Schulen gibt, müssen konsequente Schutzkonzepte gefahren werden«, sagte der RKI-Chef. Die Situation sei noch nicht unter Kontrolle.

Auf die Frage, ob eine No-Covid-Strategie ein Ziel für Deutschland sei, sagte Minister Spahn, aus seiner Sicht sei der Preis dafür für Deutschland zu hoch – das keine Insel sei, sondern ein dicht besiedeltes Land in der Mitte Europas. Das Hauptziel sei weiterhin, eine zu starke Belastung des Gesundheitssystems zu verhindern.

Impfstoff: »Harte Wochen der Knappheit«

Minister Jens Spahn erklärte, dass es Änderungen in der Impfverordnung gebe, diese treten am Montag in Kraft. Die Änderungen beruhen laut Spahn vor allem auf veränderten Empfehlungen der Ständigen Impfkommission.

Der als drittes Mittel zugelassene Impfstoff von AstraZeneca soll in Deutschland Menschen im Alter von 18 bis 64 Jahren verabreicht werden. In der Gruppe mit der höchsten Priorität, die derzeit geimpft wird, sind das zum Beispiel Angestellte in Pflegeheimen.

Spahn sagte, bis Ende des ersten Quartals, also bis Ende März, sollten alle Menschen mit der höchsten Priorität ein Angebot erhalten haben, sich impfen zu lassen. AstraZeneca wolle allein im Februar drei Millionen Impfdosen liefern. Im zweiten Quartal sollten dann viele aus der Gruppe mit der zweithöchsten Priorität ein Impfangebot bekommen.

Aber Spahn betonte auch, dass der Impfstoff aktuell noch rar ist. »Es bleiben harte Wochen der Knappheit.«

Klaus Cichutek vom PEI betonte, dass auch der AstraZeneca-Impfstoff ein günstiges Nutzen-Risiko-Profil habe. »Im Vergleich zu den RNA-Impfstoffen ist er möglicherweise etwas verträglicher.« Es stünden außerdem noch mehr Impfstoffe zur Zulassung an. »Durch den Einsatz haben wir die Chance, die Pandemie wirksam zu begrenzen«, so Cichutek. Er appellierte: »Jeder Einzelne sollte das in Anspruch nehmen.«

wbr
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