Robert Koch-Institut Ansteckungsrate in Deutschland zweiten Tag in Folge über kritischem Wert

Das Land lockert sich – doch die Experten des Robert Koch-Instituts warnen vor einer steigenden Reproduktionsrate des Coronavirus. In den kommenden Tagen sei besondere Wachsamkeit nötig.
Robert Koch-Institut in Berlin: Jeder Infizierte steckt statistisch mehr als eine weitere Person an

Robert Koch-Institut in Berlin: Jeder Infizierte steckt statistisch mehr als eine weitere Person an

Foto: Jörg Carstensen/ dpa

Ein wichtiger Faktor für das weitere deutsche Vorgehen in der Viruskrise ist die Ansteckungsrate. Der Wert gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ist diese nun am zweiten Tag in Folge wieder über den kritischen Wert von "1" angestiegen. Das RKI teilte am Sonntagabend in seinem aktuellen Lagebericht mit, die Reproduktionsrate (R) werde aktuell auf 1,13 geschätzt, nach 1,1 am Samstag.

Jeder Infizierte steckt damit statistisch mehr als eine weitere Person an, die Fallzahlen würden damit wieder steigen. Der Wert bildet nicht die momentane Situation ab, sondern bezieht sich aus methodischen Gründen auf Infektionen, die schon vor einer gewissen Zeit stattfanden.

Bei der Interpretation müsse aber berücksichtigt werden, dass die Schätzung wie üblich mit Unsicherheit verbunden sei, erklärt das RKI. Es könne somit weiterhin noch nicht bewertet werden, ob sich der während der letzten Wochen sinkende Trend der Neuinfektionen weiter fortsetze oder es zu einem Wiederanstieg komme. Der R-Anstieg mache es erforderlich, die Entwicklung in den nächsten Tagen sehr aufmerksam zu beobachten.

RKI-Chef Lothar Wieler hatte wiederholt erklärt, eine Rate unter 1,0 sei sehr wichtig. Kanzlerin Angela Merkel hatte betont, die Marke sei auch mit Blick auf Lockerungen der Corona-Auflagen ein wichtiges Kriterium.

Fast 170.000 Fälle in Deutschland - der Süden und der Westen sind besonders betroffen

Bundesweit waren bis Sonntagabend mehr als 169.800 Infektionen mit dem Coronavirus registriert (Vortag Stand 20.15 Uhr: mehr als 169.300 Infektionen). Mindestens 7443 mit dem Erreger Sars-CoV-2 Infizierte sind den Angaben zufolge bislang bundesweit gestorben (Vortag Stand 20.15 Uhr: 7434). Das geht aus einer Auswertung der Nachrichtenagentur dpa hervor, die die neuesten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt.

Besonders hohe Zahlen registrierter Infektionen haben den Statistiken der Bundesländer zufolge Bayern mit mehr als 44.600 nachgewiesenen Fällen und mindestens 2167 Toten, Nordrhein-Westfalen mit mehr als 34.900 Fällen und mindestens 1424 Toten sowie Baden-Württemberg mit mehr als 33.200 bestätigten Fällen und mindestens 1542 Toten. Die Uhrzeit, wann ein neuer Tagesstand gemeldet wird, variiert von Bundesland zu Bundesland.

jok/Reuters/dpa
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