Kombination der Mittel Sputnik V und AZD1222 AstraZeneca prüft Zusammenarbeit mit Russland bei Corona-Impfstoff

Russlands frühe Zulassung des Impfstoffs Sputnik V war umstritten. Jetzt erwägt die britische Pharmafirma AstraZeneca, mit dem Land zu kooperieren und das Präparat mit dem eigenen zu vermischen. Sanofi und GSK berichten von Rückschlägen.
Der Impfstoff von AstraZeneca hat laut ersten Studien eine durchschnittliche Wirksamkeit von 70 Prozent

Der Impfstoff von AstraZeneca hat laut ersten Studien eine durchschnittliche Wirksamkeit von 70 Prozent

Foto: SOPA Images / SOPA Images/LightRocket via Getty Images

Der britische Pharmakonzern AstraZeneca will bei der Impfstoffentwicklung mit Russland zusammenarbeiten. Das Unternehmen erwägt, eine Kombination seines Covid-19-Impfstoffs mit dem russischen Vakzin Sputnik V in klinischen Studien zu testen.

Eine Kombination der beiden Impfstoffe könne möglicherweise zu einer verbesserten Immunität über einen längeren Zeitraum führen, teilte AstraZeneca am Freitag mit. Zusammen mit dem staatlichen russischen Gamaleya-Institut, das Sputnik V entwickelt hat, wolle man eine mögliche Kombination von zwei Vakzinen auf Basis verschiedener Adenoviren prüfen.

Die Entwickler des russischen Impfstoffs hatten eine solche Zusammenarbeit bereits Ende November angeboten. Der russische Staatsfonds RDIF, der die Forschung finanziert, kündigte am Freitag an, AstraZeneca wolle noch bis Jahresende eine Studie mit der Kombination starten. Diese soll parallel zu den schon längere Zeit laufenden Tests mit den jeweils einzelnen Impfstoffen erfolgen.

Sowohl beim russischen Impfstoff Sputnik V als auch beim AstraZeneca-Mittel AZD1222 handelt es sich um Vektorimpfstoffe. Diese basieren auf für den Menschen harmlosen Viren, in die Erbgutstücke von dem Erreger eingebaut werden, gegen den man impfen will. Der Impfstoff von AstraZeneca beruht auf einem Schimpansen-Adenovirus. Sputnik V hingegen nutzt menschliche Adenoviren als Transportmittel.

Vektorimpfstoffe: Viren als Transportmittel

Sputnik V befindet sich derzeit in der dritten und damit letzten klinischen Phase mit mehr als 40.000 Probanden. Zugleich wird er in ganz Russland schon Mitarbeitern im Gesundheitswesen und anderen besonders gefährdeten Menschen gespritzt. Nach russischen Angaben, die von unabhängiger Seite bisher nicht überprüft werden konnten, hat Sputnik V eine Wirksamkeit von rund 95 Prozent.

AstraZeneca und die an der Entwicklung von AZD1222 beteiligte Universität Oxford hingegen hatten Anfang Dezember als erste Hersteller die Ergebnisse ihrer klinischen Tests in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht. Demnach liegt die durchschnittliche Wirksamkeit des Mittels bei 70 Prozent und damit niedriger als bei anderen Kandidaten. Hinzu kommt, dass der Impfstoff den ersten Daten zufolge besser wirkte, als versehentlich erst nur eine halbe Dosis und dann erst eine volle Dosis verabreicht wurde.

Die Ursache dafür ist noch unklar. Ein Grund aber könnte sein, dass das Immunsystem nach der ersten Dosis auch Antikörper gegen die harmlosen Transportviren – in diesem Fall gegen die Adenoviren – bildet. Aus diesem Grund könnte die Kombination verschiedener Impfstoffe mit verschiedenen Transportviren Vorteile bringen. Sputnik V basiert bereits auf zwei unterschiedlichen Viren für die erste und die zweite Dosis. Großbritannien plant außerdem, den AstraZeneca-Impfstoff in Kombination mit der Biontech-Vakzine zu testen, die auf einer ganz anderen Technologie beruht.

Russland hatte Sputnik V Anfang August für die breite Anwendung zugelassen. Damals gab es Kritik, da die entscheidende Phase-III-Studie zu Wirksamkeit und Sicherheit noch fehlte und kaum Daten über die bis dahin stattgefundenen Prüfungen bekannt waren.

Rückschlag für Sanofi: Corona-Impfstoff frühestens Ende 2021

Einen deutlichen Rückschlag verzeichneten die Pharmakonzerne Sanofi und GlaxoSmithKline (GSK). Die Fertigstellung ihres Corona-Impfstoffs verzögert sich bis mindestens Ende 2021. Die Ergebnisse der bisherigen klinischen Tests bei älteren Menschen seien schlechter ausgefallen als erhofft, teilten die beiden Unternehmen am Freitag mit.

Die französische Sanofi und die britische GSK müssen ihren Impfstoffkandidaten daher überarbeiten und neue Tests vornehmen. Dies kommt bei der Entwicklung neuer Medikamente häufig vor. Die Europäische Union hatte bei den Konzernen bereits 300 Millionen Impfdosen für das kommende Jahr reserviert, die nun vorerst nicht geliefert werden können.

Der Impfstoff von Sanofi-GSK führte den Unternehmen zufolge zwar bei Erwachsenen zwischen 18 und 49 Jahren zu einer Immunantwort, die der einer überstandenen Covid-19-Erkrankung ähnelt. Bei älteren Menschen sei die Reaktion des Immunsystems aber »unzureichend« gewesen. Daher müsse nun die Antigen-Konzentration überarbeitet werden – also die Konzentration des Virusbausteins, auf den das Immunsystem bei der Impfung reagiert.

Die klinischen Tests hatten im September begonnen. Die Pharmakonzerne waren ursprünglich davon ausgegangen, noch vor Ende dieses Jahres in die letzte Testphase vor der Zulassung zu starten und in der ersten Hälfte des kommenden Jahres die Zulassung beantragen zu können. Nun sollen im Februar zunächst neue Tests mit einer überarbeiteten Rezeptur starten. Mit der Verfügbarkeit des Impfstoffs wird frühestens im vierten Quartal 2021 gerechnet.

irb/AFP/Reuters
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