Coronavirus Forscher finden Erreger-Erbgut in Stuhlproben

In China und den USA haben Forscher Coronavirus-Erbgut in Stuhlproben von Erkrankten nachgewiesen. Was das für die Ansteckungsgefahr bedeutet.
Wuhans Notkrankenhaus gegen das Coronavirus: Medizinisches Personal bereitet ein Zimmer vor

Wuhans Notkrankenhaus gegen das Coronavirus: Medizinisches Personal bereitet ein Zimmer vor

Beim Ausbruch des neuartigen Coronavirus haben sich inzwischen in China insgesamt mehr als 17.000 Menschen nachweislich infiziert. 361 sind infolge der Infektion gestorben, wie die zuständige chinesische Behörde berichtet. Laut Weltgesundheitsorganisation gibt es zudem 146 Krankheitsfälle außerhalb Chinas, ein Mensch auf den Philippinen ist gestorben.

Während die Zahl der Menschen steigt, die mit dem Coronavirus infiziert sind, ist immer noch nicht vollständig geklärt, auf welchen Wegen sich das Virus verbreiten kann - und wie effektiv es dabei ist.

Zwei Berichte - einer aus China, einer aus den USA - wirken zunächst besorgniserregend: Ärzte haben bei Patienten im Renmin-Krankenhaus in Wuhan  sowie bei einem Infizierten in den USA  Virus-Erbgut in Stuhlproben nachgewiesen. Die Ärzte in Wuhan hatten dies überprüft, nachdem einige Patienten mit Coronavirus-Infektion vornehmlich unter Durchfall litten.

Ein weiterer Übertragungsweg?

Kann sich der Erreger demnach auch - bei mangelnder Hygiene - über die fäkal-orale Route verbreiten? Überraschend wäre dies nicht, auch bei Sars war dies der Fall.

Dennoch weiß man es trotz der Erbgut-Funde noch nicht. "Dass Erbgut des Virus im Stuhl nachgewiesen wurde, heißt noch nicht, dass sich dort auch infektiöse Viren finden", sagt Bernd Salzberger von der Uniklinik Regensburg, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. Die beim US-Patienten im Stuhl nachgewiesene Erbgutmenge sei sehr gering. "Dies könnte auch durch Verschlucken dorthin gelangt sein." Also schlicht dadurch, dass ein Infizierter mit einer hohen Virusmenge im Speichel, diesen herunterschluckt und so die Viren im Magen, im Darm und schließlich im Stuhl landen.

Es lässt sich jedoch nicht ausschließen, dass sich der Erreger über diese Route verbreitet.

Das zusätzliche Risiko dadurch schätzen Experten allerdings als gering ein. Auch Salzberger vermutet, dass es wenig ändern würde, falls sich das Virus auf diesem Weg verbreiten kann. "Anders ist das zum Beispiel beim Norovirus, wo bei starkem Erbrechen auch ein Aerosol entsteht, an dem sich andere anstecken können."

Die Empfehlung zum Schutz vor einer Ansteckung gilt ohnehin immer: regelmäßiges Händewaschen, insbesondere nach dem Toilettengang.

Sehr wahrscheinlich ist, dass sich das Virus per Tröpfcheninfektion verbreitet. Das heißt: Beim Niesen, Husten - und auch beim Sprechen - können Erreger im Speichel beziehungsweise Nasensekret durch die Luft reisen und so den nächsten Menschen erreichen.

Deshalb empfiehlt sich beim aktuellen Ausbruch etwas Weiteres, das eigentlich immer gilt. Falls man niesen oder husten muss: Abstand zu anderen halten, möglichst ein Taschentuch benutzen und sich anschließend die Hände waschen. Und falls kein Taschentuch verfügbar ist, bitte nicht die Hand als Barriere nutzen, und diese dann ungewaschen anderen zur Begrüßung reichen!

Ansteckend vor den ersten Symptomen?

Was die Eindämmung des Virus erschweren dürfte, ist die Beobachtung aus München, dass auch Menschen ohne Krankheitssymptome das Virus weitergeben können . Das ist grundsätzlich nicht ungewöhlich. Bei der Grippe sind Menschen beispielsweise auch stark ansteckend, kurz bevor die Krankheit bei ihnen ausbricht. Laut dem Münchner Infektiologen Clemens Wendtner hatten die Patienten in Bayern zudem "eher flüchtige Kontakte mit Infizierten, zum Beispiel einen Handschlag oder einen kürzeren gemeinsamen Aufenthalt in einem Büro".

Doch auch unter diesen Umständen könne man noch verhindern, dass aus einzelnen importierten Fällen ein Ausbruch wird, wenn man Kontaktpersonen aufklärt und gegebenenfalls für die Inkubationszeit isoliert, sagt Salzberger.

Wie geht es weiter?

Zu den bisherigen Unbekannten kommt eine weitere: Wie stark und in welche Richtung sich das Virus verändert, kann niemand vorhersagen; das können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jetzt nur parallel zum Ausbruch beobachten. Es ist möglich, dass es ansteckender wird - oder eben nicht. Ebenso wäre es denkbar, dass es einen Teil seines krank machenden Potenzials verliert - immerhin gibt es eine Reihe von Coronaviren, die bei Menschen nicht mehr als banale Erkältungen verursachen. Ob 2019-nCoV diese Route einschlägt, ist jedoch, wie so vieles bei diesem Ausbruch, bislang ungewiss.

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