Studiendaten aus Israel Biontech-Impfstoff schützt auch Ältere zu mehr als 95 Prozent vor Infektionen

Mehr als die Hälfte der Menschen in Israel ist bereits vollständig mit Biontech geimpft. Neue Daten zeigen, dass das Land mit seiner Impfkampagne die Pandemie erfolgreich eindämmen konnte. Doch es bleiben offene Fragen.
Mitarbeiter in einer israelischen Impfstation: Gut 60 Prozent der Bevölkerung in Israel ist schon geimpft

Mitarbeiter in einer israelischen Impfstation: Gut 60 Prozent der Bevölkerung in Israel ist schon geimpft

Foto: Gil Cohen Magen / Xinhua / imago images

In Israel sind mittlerweile rund fünf Millionen Menschen mit dem Präparat von Biontech/Pfizer geimpft worden, das sind etwa 60 Prozent der Gesamtbevölkerung. Kein anderes Land kann bisher bei dieser hohen Impfrate mithalten. Nun hat Israel weitere Daten zur Wirksamkeit des Impfstoffs veröffentlicht. Es sind die ersten Erkenntnisse auf nationaler Ebene unter realen Bedingungen.

Die im Fachblatt »The Lancet« erschienene Studie  bestätigt die hohe Wirksamkeit des Impfstoffs nach der zweiten Dosis: Vollständig Geimpfte sind demnach zu mehr als 95 Prozent sowohl vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 geschützt als auch vor der Gefahr, mit einem schweren Verlauf ins Krankenhaus zu kommen oder zu sterben. Der Schutz gilt demnach auch für ältere Menschen.

Die Daten wurden zwischen Ende Januar und Anfang April erhoben, als bereits die ansteckendere, zuerst in Großbritannien aufgetretene Coronavariante B.1.1.7 in Israel zirkulierte. Man kann also davon ausgehen, dass das Mittel von Biontech/Pfizer auch vor dieser Mutante schützt.

Impfkampagne hat Pandemie eingedämmt

Bisher wurden die Covid-19-Impfstoffe hauptsächlich im Rahmen klinischer Studien mit Zehntausenden Teilnehmenden getestet. Mittlerweile gibt es jedoch Länder, Einrichtungen oder Bevölkerungsgruppen, von denen schon sehr große Anteile durchgeimpft sind. Diese Fallbeispiele aus der Praxis helfen unter anderem dabei, weitere Erkenntnisse bezüglich der Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe zu gewinnen.

Aufgrund der hohen Impfquote können israelische Forscherinnen und Forscher bereits gute Rückschlüsse auf die Verträglichkeit des Impfstoffs und seine Bedeutung für die Entwicklung der Pandemie in dem Land ziehen. Der Studie zufolge war die umfangreiche Impfkampagne in Israel einer der wichtigsten Faktoren, um die Fallzahlen zu reduzieren.

Bei einem so großen Anteil von Geimpften werden auch Auffälligkeiten der Verträglichkeit bekannt. Vergangene Woche meldete Israel, dass Dutzende Fälle von Herzmuskelentzündungen untersucht würden, die im zeitlichen Zusammenhang nach einer Impfung vor allem bei jungen Männern aufgetreten waren. Auch die Unternehmen Biontech und Pfizer versicherten, sie würden die Fälle prüfen.

Dauer von Impfschutz unbekannt

Die Autoren der aktuellen Studie betonen, dass es trotz der ermutigenden Daten noch eine Reihe von Unsicherheiten gebe. Man wisse bislang noch nichts darüber, wie lang eine Immunität gegen Covid-19 andauere – egal ob nach einer Impfung oder nach einer überstandenen Erkrankung. Weiterhin gebe es die Möglichkeit, dass sich zunehmend Mutationen bildeten, die resistent gegen die Impfstoffe seien. Es sei daher wichtig, die Impfkampagnen auf der ganzen Welt zügig voranzutreiben, heißt es in der Studie.

In der Studie berufen sich die Forscher auf die anonymisierten Daten von Geimpften, die beim israelischen Gesundheitsministerium hinterlegt sind, und teilten die Geimpften in Altersgruppen ein.

Dabei fanden sie heraus, dass der Impfschutz bei den Älteren genauso stark ist wie bei Jüngeren. Über 85-Jährige hatten sieben Tage nach der zweiten Dosis einen Schutz von 94,1 Prozent vor einer Infektion mit dem Virus. Sie waren zu 96,9 Prozent davor geschützt, ins Krankenhaus zu müssen, und zu 97 Prozent davor, zu sterben. Bei der Altersgruppe der 16- bis 44-Jährigen war der Schutz minimal höher – die Impfung schützt der Analyse zufolge fast zu 100 Prozent vor einem tödlichen Verlauf.

Die Studienergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, auch die zweite Dosis des Impfstoffs zu erhalten. Zwar geht aus den Daten auch hervor, dass bereits nach der ersten Dosis ein Schutz besteht: 57,7 Prozent vor einer Infektion mit Sars-CoV-2, 75,7 Prozent vor einem schweren Verlauf mit Krankenhausaufenthalt und 77 Prozent vor einem tödlichen Verlauf. Doch die Studienautoren warnen davor, dass man noch zu wenig über die Länge des Schutzes nach der ersten Impfdosis wisse. Möglicherweise sei das Zeitfenster, in dem man vor Covid-19 geschützt sei, kürzer als nach zwei Dosen, heißt es.

Um den Public-Health-Effekt der Impfkampagne beurteilen zu können, untersuchten die Forscher die Infektionszahlen von Ende Dezember bis Anfang April. In diesem Zeitraum gab es in Israel einen harten Lockdown vom 27. Dezember bis 4. März. Zeitgleich begann Israel seine Bevölkerung in einer groß angelegten Impfkampagne zu impfen. Die Infektionen bei den über 65-Jährigen stiegen zunächst bis Mitte Januar auf eine Inzidenz von bis zu 55. Nachdem die meisten in dieser Altersgruppe die zweite Dosis Biontech erhalten hatten, begannen die Zahlen jedoch zu sinken, Anfang Februar lag die Inzidenz bei etwa 30. Ähnliche Beobachtungen ließen sich auch in anderen Altersgruppen machen.

Aktuell liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Israel bei etwa fünf Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern. Die Studienautoren führen die niedrigen Fallzahlen auf den Effekt der Impfung zurück. Die Ergebnisse ließen sich jedoch nur bedingt auf andere Länder übertragen. Dafür seien weitere Studien unter realen Bedingungen in anderen Ländern nötig, schreiben die Autoren.

kry
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