Biontech/Pfizer-Daten Antikörper nach Drittimpfung mehr als dreimal so hoch

Die Impfreaktionen waren »leicht bis moderat«, die Antikörper 3,3-fach so hoch wie nach der zweiten Impfung: Der Hersteller Biontech/Pfizer hat weitere Daten aus seiner Phase-III-Studie in den USA eingereicht.
Drittimpfung für Hochbetagte und vulnerable Gruppen

Drittimpfung für Hochbetagte und vulnerable Gruppen

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Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Das deutsche Unternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer wollen weitere Daten für die Zulassung einer Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus bei der US-Arzneimittelbehörde FDA einreichen. Eine Phase-III-Studie ergab nach Angaben der Hersteller , dass eine Auffrischungsimpfung mit ihrem Vakzin »signifikante neutralisierende Antikörpertiter« gegen das Coronavirus aufweise. Ein entsprechender Antrag mit diesen Daten soll demnach bis Ende der Woche eingereicht werden.

Eine Phase-III-Studie ist für die Zulassung eines Medikaments entscheidend. Sie prüft die Wirksamkeit eines Präparats und beinhaltet gewöhnlich deutlich mehr Teilnehmer als vorangegangene Studien.

Die Teilnehmer der Studie haben den Unternehmen zufolge die dritte Dosis des Coronaimpfstoffs zwischen 4,8 und acht Monate nach Abschluss der zweiten Impfung erhalten. Die neutralisierenden Antikörper-Titer gegen den Wildtyp-Stamm von Sars-CoV-2 seien einen Monat nach der Auffrischungsdosis 3,3-mal so hoch gewesen wie die Titer nach der herkömmlichen zweiten Impfdosis, heißt es in der Mitteilung. An der Phase-III-Studie hätten 306 Probanden im Alter von 18 bis 55 Jahren teilgenommen.

Impfreaktionen »leicht bis moderat«

Die Impfreaktionen nach der dritten Spritze seien »leicht bis moderat« gewesen, hieß es weiter. Am häufigsten seien Schmerzen an der Injektionsstelle, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Schüttelfrost aufgetreten. Grundsätzlich seien die Impfreaktionen mit jenen nach der zweiten Impfung »vergleichbar oder geringfügiger« gewesen. Das wurde auch schon aus Israel berichtet, wo Menschen über 60 Jahre seit einigen Wochen zum dritten Mal gegen das Coronavirus geimpft werden.

In den kommenden Wochen sollten diese Daten auch bei der Europäischen Arzneimittelagentur (Ema) und weiteren Behörden eingereicht werden, hieß es weiter. Geplant sei auch, die Daten in einer Fachzeitschrift mit sogenanntem Peer Review durch Gutachter zu veröffentlichen.

Drittimpfungen in Deutschland ab September

Eine dritte Impfdosis ist derzeit nicht für die allgemeine Anwendung in den USA zugelassen. Am 12. August wurde jedoch im Rahmen der erweiterten Notfallzulassung eine Drittimpfung für Personen ab zwölf Jahren, die eine Organtransplantation hatten oder bei denen ein Gesundheitszustand diagnostiziert wurde, der mit einer Immunschwäche gleichzustellen ist, zugelassen.

In Deutschland wird ab kommender Woche eine Drittimpfung für vulnerable Gruppen mit mRNA-Impfstoffen angeboten – in einigen Bundesländern, wie etwa Bayern, schon jetzt. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt den Booster zwar aufgrund mangelnder Datenlage noch nicht generell, die Gesundheitsminister der Länder einigten sich dennoch darauf, Hochbetagten, Pflegebedürftigen und Menschen mit Immunschwäche die dritte Impfung zu ermöglichen. Auch Menschen, die mit einem Vektorimpfstoff geimpft wurden und deren Impfserie bereits mehr als sechs Monate zurückliegt, können sich ein drittes Mal impfen lassen.

Aus epidemiologischer Sicht erhofft man sich, mit der Drittimpfung Menschen, die ein besonders hohes Risiko für schwere oder tödliche Verläufe haben, besser vor Covid-19 zu schützen und die weitere Verbreitung des Virus in der Bevölkerung so gut wie möglich einzudämmen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mahnt allerdings dazu, dass die Impfstoffe zunächst auch in ärmere Länder verteilt werden sollten, bevor Industriestaaten mit den Drittimpfungen beginnen – denn noch immer gibt es viele Länder, die aufgrund der schlechten Versorgung nur eine sehr geringe Impfquote haben.

Letztlich schadet das auch den reichen Staaten: Denn wenn das Virus immer weiter auf der Welt zirkuliert  und sich neue Varianten bilden, werden diese auch in Länder mit hohen Impfquoten eingetragen. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bilden sich dann irgendwann Mutationen, die den Impfschutz umgehen können. Eine weltweit hohe Impfquote ist daher für das Überwinden der Pandemie unerlässlich.

kry/dpa
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