Biontech Mainzer Unternehmen startet internationale Impfstudie mit bis zu 30.000 Menschen

Gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer hat das Mainzer Unternehmen Biontech mit der entscheidenden Testphase seiner Impfstoffkandidaten gegen das Coronavirus begonnen. Die USA haben sich bereits Millionen Dosen gesichert.
Die Testphase II/III soll den Nachweis erbringen, dass das Mittel wirklich schützt

Die Testphase II/III soll den Nachweis erbringen, dass das Mittel wirklich schützt

Foto: Dado Ruvic/ REUTERS

Einen Tag nach der US-Firma Moderna folgt nun auch Biontech: Mit seinem US-Partner Pfizer beginnt das Mainzer Biopharma-Unternehmen eine weitere Testphase für einen Impfstoffkandidaten. "Heute starten wir unsere globale Studie, die bis zu 30.000 Teilnehmer umfassen wird", sagte Biontech-Vorstandschef Ugur Sahin.

Mit der klinischen Studie der Phase II/III soll unter anderem gezeigt werden, ob der Wirkstoff BNT162b2 tatsächlich vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 schützt. In einem ähnlich fortgeschrittenen Stadium der Erprobung sind laut einer Übersicht der WHO derzeit nur vier weitere Projekte.

Erst am Montag hatte der US-Hersteller Moderna den Start seiner Phase-III-Studie verkündet. Erste Ergebnisse werden möglicherweise im November vorliegen. Bislang konnte für mehrere Impfstoffkandidaten nachgewiesen werden, dass sie die Immunantwort ankurbeln. Der Nachweis, dass eines der Mittel wirklich schützt, steht aber noch aus.

Die Tests von Biontech und Pfizer sollen an Probanden im Alter zwischen 18 und 85 Jahren in 120 Studienzentren weltweit durchgeführt werden, unter anderem in Deutschland. Bei Erfolg der Studie wollen Pfizer und Biontech nach eigenen Angaben bereits im Oktober 2020 das Zulassungsverfahren beantragen und im Falle einer Genehmigung bis Ende des Jahres bis zu 100 Millionen Impfstoffdosen herstellen, bis Ende 2021 könnten es dann mehr als 1,3 Milliarden Impfstoffdosen sein.

Sowohl bei dem Kandidaten von Moderna als auch bei dem Mittel von Biontech handelt es sich um einen sogenannten RNA-Impfstoff, der genetische Informationen des Erregers enthält. Die Körperzellen der geimpften Probanden sollen mit ihrer Hilfe Oberflächenproteine des Coronavirus herstellen - auf die das Immunsystem reagiert. Bisher ist allerdings kein Impfstoff für Menschen zugelassen, der auf dieser Technologie basiert.

Bisher wurde der Wirkstoff an rund 120 Probanden getestet. Biontech und Pfizer sprachen von einem "vorteilhaften Gesamtverträglichkeitsprofil". So seien Nebenwirkungen wie Fieber, Müdigkeit und Schüttelfrost nur leicht bis moderat ausgeprägt gewesen und nach ein bis zwei Tagen wieder verschwunden.

Zur weiteren Finanzierung der Forschung hat sich Biontech mit einer Kapitalerhöhung gut eine halbe Milliarde US-Dollar an der Börse beschafft. Biontech und Pfizer haben den USA zunächst 100 Millionen Impfstoffdosen zugesagt, wenn das Mittel eine Zulassung bekommt. In dem Fall sind bis zu 500 Millionen weitere Dosen als optionale Nachbestellung zugesagt. Auch mit Großbritannien gibt es eine erste Liefervereinbarung.

koe/dpa
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