Covid-19-Studie Blutverdünner erhöhen Überlebenschancen deutlich

Bei vielen Covid-19-Patienten verklumpt das Blut, damit steigt die Gefahr von Thrombosen oder Lungenembolien. Eine US-Studie hat nun herausgefunden, was dagegen helfen kann.
Das Coronavirus in einer Vene mit Blutzellen: Covid-19 kann das Blut verklumpen

Das Coronavirus in einer Vene mit Blutzellen: Covid-19 kann das Blut verklumpen

Foto: michal-rojek / iStockphoto / Getty Images

Gerinnungshemmer können bei Covid-19-Patienten das Sterberisiko deutlich senken. Das berichten US-Mediziner nach einer Studie mit knapp 4400 Teilnehmern im "Journal of the American College of Cardiology".  Demnach halbierte die Behandlung mit Gerinnungshemmern, die umgangssprachlich auch als Blutverdünner bezeichnet werden, die Todesrate der teilnehmenden Covid-19-Patienten. Zudem war das Risiko für eine künstliche Beatmung um etwa 30 Prozent reduziert, wie die Gruppe um Valentin Fuster vom Mount Sinai Hospital in New York schreibt.

Es ist kein neuer Ansatz, Covid-19-Patienten mit Gerinnungshemmern zu behandeln. Bereits im Mai empfahl die deutsche Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung, jeden im Krankenhaus behandelten Patienten, sofern nichts dagegen spricht, mit dem Medikament Heparin in hoher Dosierung zu behandeln. Die US-Studie bestätigt nun den Nutzen der Medikamente.

"Als Ärztin, die Covid-19-Patienten an vorderster Front behandelt hat, weiß ich, wie wichtig es ist, Antworten darauf zu haben, was die beste Behandlung für diese Patienten bedeutet", wird Co-Autorin Anuradha Lala in einer Mitteilung der Klinik  zitiert. Sie und ihre Kollegen hatten Patientendaten von März und April aus fünf Krankenhäusern der Mount-Sinai-Gruppe in New York analysiert.

Dabei teilten sie die insgesamt 4389 Patienten in drei Gruppen ein: Eine Gruppe erhielt keine Gerinnungshemmer, die zweite bekam solche Präparate zur Behandlung. Der dritten Gruppe wurde eine geringere Dosis zur Vorsorge verabreicht.

Zwar starben knapp 29 Prozent jener Patienten, die therapeutisch mit Gerinnungshemmern behandelt worden waren. In jener Gruppe, die keine solchen Arzneien bekam, waren es knapp 26 Prozent. Unter Berücksichtigung von Vorerkrankungen und anderen Gesundheitsfaktoren der Teilnehmer war das Sterberisiko der therapeutisch behandelten Patienten jedoch um 47 Prozent geringer. In jener Gruppe, die die Medikamente vorsorglich erhalten hatte, war das Risiko um 50 Prozent reduziert.

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Auch Beatmungsrisiko sinkt

Zusätzlich sank bei jenen beiden Gruppen, die Blutverdünner bekamen, auch das Risiko, künstlich beatmet werden zu müssen - um 31 Prozent bei den therapeutisch behandelten Menschen, um 28 Prozent bei den vorsorglich behandelten. Ernsthafte Komplikationen durch Blutungen, wie sie die Einnahme von Blutverdünnern begünstigen kann, gab es bei drei Prozent der therapeutisch Behandelten. In der anderen Gruppe lag der Anteil unter zwei Prozent.

Zusätzliche Hinweise darauf, dass Gerinnungshemmer für Covid-19-Patienten sinnvoll sein können, erbrachten 26 Autopsien von Menschen, die an Covid-19 gestorben waren. Bei elf davon fanden die Mediziner Hinweise auf Thrombosen - verursacht durch Blutgerinnsel, die Blutverdünner wahrscheinlich hätten verhindern können. "Mit Ausnahme eines Schlaganfalls gab es vor der Autopsie keinen Verdacht auf eine thromboembolische Erkrankung. Das deutet darauf hin, dass klinische Einschätzungen die tatsächliche Belastung durch thromboembolische Erkrankungen möglicherweise unterschätzen", schreiben die Forscher.

Für Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in Berlin, ist das Ergebnis keine Überraschung: "In den Kliniken ist schon lange bekannt, dass thromboembolische Ereignisse eine häufige Komplikation bei Covid-19 sind." Behandlungsempfehlungen dazu seien bereits im Juni in einer Leitlinie zahlreicher Fachgesellschaften zur intensivmedizinischen Therapie von Covid-19-Patienten veröffentlicht worden. Dennoch lobt Janssens die großen Datenmengen der aktuellen Studie. Es sei bei der Einlieferung von Covid-19-Patienten ins Krankenhaus sehr wichtig, sich viele Aspekte ihres Zustands genau anzusehen.

kry/dpa

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