Coronakrise Brasilien meldet fast 35.000 Neuinfektionen - binnen 24 Stunden

Dramatische Zahlen aus Südamerika: In Brasilien haben sich an einem Tag fast 35.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Die Dunkelziffer dürfte noch um ein Vielfaches höher sein.
Bestattung eines Corona-Todesopfers in Sao Paulo

Bestattung eines Corona-Todesopfers in Sao Paulo

Foto: Bruno Rocha/ imago images/Fotoarena

Die Zahl der Coronavirus-Infektionen in Brasilien steigt weiter rasant. Nun hat das Land einen Negativrekord aufgestellt: Innerhalb eines Tages infizierten sich 34.918 Menschen mit der neuartigen Lungenkrankheit. Insgesamt haben sich bereits 923.189 Brasilianer mit dem Virus infiziert. Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, starben binnen 24 Stunden 1282 Menschen an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung. Damit kommen die Behörden seit der Verbreitung des Erregers auf 45.241 Todesopfer.

Weltweit vermelden nur die USA mehr Infektionen. In dem von Donald Trump regierten Land wurde das Virus bei mehr als zwei Millionen Menschen nachgewiesen.

Sehr wahrscheinlich ist das Ausmaß der Krise in Brasilien aber viel größer. Das bevölkerungsreichste Land Lateinamerikas testet bisher knapp viermal weniger als etwa Italien oder Spanien. Manchen epidemiologischen Modellen zufolge könnte die tatsächliche Zahl der Fälle fünfzehnmal so hoch sein wie der offizielle Wert.

Kritiker werfen Staatschef Jair Bolsonaro vor, die Gefahren nach wie vor zu unterschätzen. Anfangs hatte der 65-Jährige Covid-19 mit einer "kleinen Grippe" verglichen. Noch Mitte Mai hatte er vor Anhängern gesagt, dass man das Coronavirus bald los sei. Seither hat sich das Land zum nächsten globalen Zentrum der Pandemie entwickelt.

Auch aus Chile und Peru kommen beunruhigende Nachrichten

Berichte von Bestattern und medizinischem Personal legen nahe, dass deutlich mehr Menschen an den Folgen des Virus gestorben sind als bislang bekannt. In Städten wie dem tief im Regenwald gelegenen Manaus waren die Behörden gezwungen, Massengräber auszuheben. Tote werden in übereinander gestapelten Särgen begraben.

Brasilien ist nicht das einzige Land in Südamerika, aus dem zuletzt beunruhigende Nachrichten kamen. Auch Chile (mehr als 180.000 Infektionen) und Peru (mehr als 230.000 Infektionen) sind schwer betroffen.

In Lima, der peruanischen Hauptstadt, war am Sonntag mit einer bewegenden Zeremonie der 6500 Corona-Toten in dem Land gedacht worden. Die Fotos von Todesopfern der Corona-Pandemie wurden in der Kathedrale von Lima auf den Stühlen aufgestellt, die sonst mit Gläubigen besetzt sind. Wegen der Corona-Beschränkungen hatte die Messe ohne Angehörige und andere Besucher stattgefunden.

bam
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