Staatliche Medien China könnte Corona schon bald zurückstufen

Die Null-Covid-Politik in China basiert auf der offiziellen Einstufung des Virus – doch hier zeichnet sich laut einem Medienbericht Entspannung ab. Hintergrund sind demnach die vielen milden Verläufe.
Chinesische Arbeiter in Schutzkleidung (Ende November in Peking)

Chinesische Arbeiter in Schutzkleidung (Ende November in Peking)

Foto: Andy Wong / dpa

Seit Wochen wird über Chinas strikte Coronamaßnahmen debattiert – und auf den Straßen des Landes teils auch demonstriert.  Dem harten Vorgehen könnte einem Bericht zufolge schon bald die Grundlage entzogen werden. Wegen des immer schwächer werdenden Virus verbesserten sich die Bedingungen für eine Herabstufung von Covid-19 als ernste, ansteckende Krankheit. Das berichtete die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Yicai am späten Sonntag (Ortszeit).

Mehr als 95 Prozent der Fälle in China seien nun asymptomatisch und verliefen mild, auch die Sterblichkeitsrate sei sehr gering. Unter diesen Umständen entspreche das Festhalten an der Einordnung des Virus nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen, zitiert Yicai einen Experten für Infektionskrankheiten unter Wahrung der Anonymität. Corona könnte demnach in die Kategorie B oder sogar in die Kategorie C zurückgestuft werden.

Seit Januar 2020 ist die Infektionskrankheit in China der Kategorie B zugeordnet, wird aber nach den Protokollen der Kategorie A gehandhabt. Auf Basis dessen kann China seine Null-Covid-Politik mit den strikten Maßnahmen durchsetzen. Zu den Krankheiten der Kategorie A gehören in China die Beulenpest und Cholera, während Sars, Aids und Milzbrand unter Kategorie B fallen. Zu Kategorie C gehören unter anderem die Grippe, Lepra und Mumps.

Jede Anpassung der Einstufung von Infektionskrankheiten durch die Nationale Gesundheitskommission, Chinas oberster Gesundheitsbehörde, erfordert die Zustimmung des Staatsrats oder des Kabinetts.

Aus Protest gegen die rigorosen Maßnahmen der Null-Covid-Politik wie wiederholte Lockdowns, Zwangsquarantäne, Massentests und ständige Kontrolle über Corona-Apps waren Ende November in mehreren Städten der Volksrepublik Tausende von Menschen auf die Straßen gegangen.

In Peking wurde dabei »Hebt den Lockdown auf« und »Wir wollen keine PCR-Tests, wir wollen Freiheit« gerufen. Es waren die größten Proteste in China seit der Demokratiebewegung, die das Militär 1989 blutig niedergeschlagen hatte.

DER SPIEGEL

Die chinesischen Behörden reagieren auf die Protestwelle in mehreren Städten mit starker Polizeipräsenz und Onlinezensur. In der Hauptstadt Peking und in Metropolen wie Shanghai, Guangzhou oder Hangzhou waren viele Sicherheitskräfte auf den Straßen zu sehen. Vielfach wurden Passanten angehalten und mussten ihre Handys zeigen, die auf verdächtige Inhalte oder Programme wie Tunneldienste (VPN) zur Umgehung der chinesischen Zensur untersucht wurden.

Appelle des Westens an die Führung in Peking

Das strikte Vorgehen der chinesischen Behörden gegen die Proteste wegen der Coronaauflagen hatte im Westen Besorgnis ausgelöst. Die Uno rief Peking am Montag auf, Teilnehmer friedlicher Proteste nicht willkürlich festzunehmen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier forderte die chinesische Führung zur Achtung der Meinungsfreiheit auf.

An diesem Wochenende gab es dann eine andersgeartete Reaktion. Trotz hoher Neuinfektionszahlen werden in China Coronaauflagen gelockert. So wurden in der Hauptstadt Peking am Samstag Teststationen geschlossen und abgebaut. Für den Gang in den Supermarkt ist fortan kein negativer Test mehr nötig, ab Montag auch für die Fahrt mit der U-Bahn.

Zum Betreten von Büros und anderer Gebäude muss aber nach wie vor ein Nachweis vorgelegt werden, dass keine Coronainfektion vorliegt. An den verbliebenen Teststationen bildeten sich daher weiter lange Schlangen.

jok/Reuters
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