Nach Zweifeln an Infiziertenzahlen China kündigt neue Corona-Statistik an

Offiziell gibt es in China schon seit Wochen so gut wie keine neuen Corona-Infektionen. Weil Experten das für unglaubwürdig halten, will die Regierung jetzt mehr Daten veröffentlichen.
Menschen auf einer Rolltreppe in einem Pekinger U-Bahnhof: Hinweise auf Unstimmigkeiten

Menschen auf einer Rolltreppe in einem Pekinger U-Bahnhof: Hinweise auf Unstimmigkeiten

Foto: CARLOS GARCIA RAWLINS/ REUTERS

Als Reaktion auf zunehmende Kritik an den offiziellen Infiziertenzahlen will die chinesische Regierung ihre Corona-Statistik verändern. Ab dem 1. April würden auch die Zahlen von nachweislich Infizierten ohne Krankheitssymptome veröffentlicht, sagte ein Mitglied der Nationalen Gesundheitskommission in Peking.

Zuletzt hatte die erstaunlich niedrige Zahl der nachweislich Neuinfizierten in der Volksrepublik für Verwunderung gesorgt. Es mehrten sich Hinweise auf Unstimmigkeiten. So berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, in der Stadt Wuhan, in der die Pandemie ihren Ausgang nahm, habe es laut medizinischem Personal in einigen Kliniken Probleme mit Corona-Tests gegeben. Deshalb seien Infizierte nicht registriert und nicht in die Statistik einbezogen worden.

In einem anderen Fall habe ein Einwohner der Stadt Yueyang bereits am 12. März in einem Internetforum geschrieben, mehrere Menschen hätten sich in seiner Stadt nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt. In der offiziellen Statistik sei die Zahl der Neuinfizierten jedoch mit null angegeben worden. Erst später habe die Lokalregierung eingeräumt, dass sich fünf Menschen angesteckt hätten.

"Veröffentlichte Informationen sind wenig glaubwürdig"

Auch internationale Experten fragen sich, warum die Zahlen so niedrig sind. "Selbst wenn die Fälle in China um das Hundertfache über den offiziellen Daten liegen würden, wäre immer noch weniger als ein Prozent der Bevölkerung infiziert", sagte die Epidemiologin Raina McIntyre von der australischen Universität New South Wales.

Der chinesische Regierungskritiker und Schriftsteller Zhang Lifan warf der Kommunistischen Partei bewusste Manipulation vor. "Wenn eine Regierung regelmäßig lügt, dann sind die von ihr veröffentlichten Informationen wenig glaubwürdig", sagte der 69-Jährige bereits vor einer Woche dem Schweizer Rundfunk SRF . Oberstes Ziel der Regierung sei es, die wirtschaftliche Produktion schnell wieder in Gang zu bringen. "Deswegen wird jetzt betont, dass die Epidemie zurückgeht, und dies mit den passenden Zahlen untermauert."

Offiziell haben sich in China mit seinen mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern seit Beginn der Epidemie rund 81.500 Menschen infiziert. Allerdings machen die Behörden keine Angaben dazu, wie viele Menschen täglich getestet werden. In Staaten mit deutlich weniger Einwohnern - den USA, Italien und Spanien - werden höhere Fallzahlen genannt. Auch die offizielle Zahl der Menschen, die an der Lungenerkrankung gestorben sind, liegt dort höher als in China.

jki/Reuters