Krankhafte Veränderungen Covid-19 befällt das Herz

Das Coronavirus kann Herzzellen befallen und diese krankhaft verändern. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Hamburger UKE. Für Betroffene sind Langzeitfolgen möglich.
Covid-19 befällt Herzzellen

Covid-19 befällt Herzzellen

Foto: Eraxion/ Getty Images/iStockphoto

Covid-19 greift nicht nur die Lunge an, sondern auch andere Organe, etwa das Herz. In welchem Ausmaß, das haben nun Forscherinnen und Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) untersucht: Ihren Ergebnissen zufolge kann das Coronavirus Herzzellen infizieren und sich darin sogar vermehren. Zudem sei es in der Lage, die Genaktivität infizierter Herzzellen zu verändern, hieß es in einer Pressemitteilung des Klinikums.

Die Genaktivität bestimmt, ob ein Gen in einer Zelle an- oder abgeschaltet ist. Über diese Aktivität werden spezielle Zellfunktionen gesteuert - in der Schwangerschaft sorgt etwa das Einschalten bestimmter Gene dafür, dass Muttermilch gebildet wird.

"Bisher wusste man nicht, in wie vielen Fällen Sars-CoV-2 auch das Herz befällt und - wenn es das tut - ob es sich in Herzzellen vermehren und dort krankhafte Veränderungen hervorrufen kann", sagt der Studienleiter Dirk Westermann aus dem Universitären Herz- und Gefäßzentrum des UKE. "Mit den nun vorliegenden Untersuchungsergebnissen haben wir deutlich mehr Klarheit."

Bei rund zwei Dritteln der untersuchten Patientinnen und Patienten (24 von 39) konnten die Forschenden bei der Autopsie im Herzgewebe das Coronavirus nachweisen. In 16 Fällen fanden sie das Virus in Mengen, die klinische Auswirkungen hätten haben können (mehr als tausend Viruskopien pro Mikrogramm RNA). Bei fünf Patienten mit den höchsten Virusmengen identifizierten die Forschenden den Plus- und Minusstrang des Virus-Erbguts. "Das ist das Zeichen, dass sich das Virus auch in der betreffenden Zelle vermehrt", so Westermann.

Veränderte Genaktivität kann Langzeitfolgen haben

Ob diese Veränderung der Herzzellen auch Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf habe, lasse sich jedoch noch nicht abschließend klären, heißt es in der Mitteilung. Das Wissenschaftlerteam hatte die Aktivität von sechs entzündungsfördernden Genen genauer untersucht. Bei den 16 Infizierten mit der höchsten Viruslast war die Aktivität dieser Gene demnach deutlich erhöht.

"Dies hätte auf das Vorliegen einer Herzmuskelentzündung schließen lassen können", so Westermann. "Gleichwohl haben wir keine typischen Kennzeichen einer solchen Entzündung - etwa das Einwandern von Entzündungszellen aus dem umliegenden Gewebe in den Herzmuskel - finden können."

Die Ergebnisse unterstützten die bisherige Beobachtung, dass eine Herzmuskelentzündung im Zusammenhang mit Covid-19 nur sehr selten auftrete. Die durch die Infektion hervorgerufene veränderte Genaktivität in den Herzzellen könne allerdings Langzeitfolgen für die Gesundheit von Betroffenen haben. Um das zu klären, seien künftig Reihenuntersuchungen an lebenden Covid-19-Patientinnen und -Patienten notwendig.

kry
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