Variante des Coronavirus Das Rätsel der milden Omikron-Verläufe

Erste Daten zeigen, dass sich Omikron im Lungengewebe langsamer vervielfältigt als frühere Varianten. Das könnte erklären, warum Erkrankungen teils milder verlaufen – Entwarnung bedeutet es aber nicht.
Das Coronavirus kann das Lungengewebe schwer schädigen, wie diese Computertomografie-Aufnahmen der Lunge eines Covid-19-Patienten am Klinikum Stuttgart zeigen

Das Coronavirus kann das Lungengewebe schwer schädigen, wie diese Computertomografie-Aufnahmen der Lunge eines Covid-19-Patienten am Klinikum Stuttgart zeigen

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Nach allem, was bislang bekannt ist, verlaufen Erkrankungen mit der Omikron-Variante des Coronavirus etwas milder als es bei früheren Virustypen der Fall war. Ein Grund dafür könnte sein, dass in den bislang besonders betroffenen Staaten bereits viele Menschen genesen oder geimpft sind und somit einen Immunschutz aufweisen.

Das Phänomen könnte aber auch auf besondere Eigenschaften der neuen Variante zurückzuführen sein. Erste Untersuchungen von Fachleuten aus Hongkong liefern Hinweise darauf, dass sich Omikron wohl weniger stark in der Lunge ausbreitet als frühere Formen des Coronavirus.

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Langsamere Replikation in der Lunge

In den Bronchien, dem fein verzweigten Röhrensystem, das die Atemluft in die Lungen leitet, vervielfältigt sich Omikron demnach 70-mal schneller als die derzeit in Deutschland noch dominante Delta-Variante. Das könnte erklären, warum die Mutante offenbar deutlich ansteckender ist. Aus den Atemwegen gelangt sie wohl in hoher Zahl in die Umgebung, wo sie auf womögliche neue Wirte trifft.

Im Lungengewebe repliziert Omikron dagegen zehnmal langsamer als die ursprüngliche Version des Coronavirus. Untersucht wurden die verschiedenen Gewebe 24 Stunden und 48 Stunden nach einer Infektion mit Omikron.

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Möglich – aber noch nicht mit Sicherheit bestätigt – ist, dass dieser Umstand zu etwas weniger schweren Erkrankungen beitragen könnte. Die Schwere einer Erkrankung hängt jedoch nicht nur von der Vermehrungsgeschwindigkeit eines Virus ab. Entscheidend ist zum Beispiel auch, wie wirksam die Abwehrkräfte den Erreger bekämpfen .

Die Ergebnisse basieren zudem auf »ex vivo«-Versuchen, erklären die Fachleute in einer Mitteilung der medizinischen Fakultät der Universität Hongkong . Das bedeutet, dass lebendiges biologisches Gewebe entnommen und unter Laborbedingungen untersucht wird. Die Replikation unter realen Bedingungen ist nicht erforscht. Die Forschungsarbeit wird derzeit mit Blick auf eine Veröffentlichung von Fachleuten geprüft.

»Die Gesamtbedrohung durch Omikron ist wahrscheinlich sehr groß«

Das Team aus Hongkong weist darauf hin, dass Omikron auch dann ein Problem darstellt, falls Infektionen tatsächlich zu etwas milderen Verläufen führen: »Ein sehr infektiöses Virus, das viele Menschen infiziert, kann zu schwereren Erkrankungen und zum Tod führen, auch wenn das Virus selbst weniger pathogen ist«, sagt Michael Chan Chi-wai, Professor an der School of Public Health der Universität Hongkong und Leiter der Forschungsgruppe, laut Mitteilung.

»Zusammen mit unseren jüngsten Studien, die zeigen, dass die Omikron-Variante teilweise der Immunität durch Impfstoffe und frühere Infektionen entgehen kann, ist die Gesamtbedrohung durch die Omikron-Variante daher wahrscheinlich sehr groß«, so der Forscher weiter.

Aktuelle Fallzahlen  zur Omikron-Variante aus Großbritannien beunruhigen Fachleute. In Großbritannien etwa steigen die Infektionszahlen derzeit dramatisch schnell an. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach verbreitete auf Twitter  dazu eine Grafik.

Zu sehen sind zwei Diagramme mit Daten aus der britischen Hauptstadt London, eines zur Entwicklung der Fallzahlen, eines zur Hospitalisierung . In beiden Fällen weist die Richtung der Kurven klar nach oben.

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Fachleute nehmen an, dass sich die Omikron-Fallzahl in Großbritannien derzeit etwa jeden zweiten Tag verdoppeln könnte. Lauterbach schrieb dazu: »In einem Land wie Deutschland wären die vielen Ungeimpften gefährdet«.

Einem Bericht der britischen Zeitung »The Guardian«  nach warnte Chris Whitty, Großbritanniens oberster Gesundheitsberater, dass die Zahl der täglichen Krankenhauseinweisungen mit Covid-19-Erkrankungen den Höchststand aus dem vergangenen Winter bald überschreiten könnte.

Am Donnerstag waren dem Bericht nach in Großbritannien dann 88.376 neue Coronafälle gemeldet worden – der höchste Wert seit Pandemiebeginn. Mehr als 11.700 dieser Infektionen ließen sich auf Omikron zurückführen.