Coronavirus-Newsletter Der Kampf gegen die Furcht beginnt bei Ihnen

Die Deutsche Fußballliga stellt den Spielbetrieb in der Bundesliga ein und 49 Fragen und Antworten zum Coronavirus. Lesen Sie hier Ihre Zusammenfassung für den Abend.

Timo Lenzen/ DER SPIEGEL

Liebe Leserin, lieber Leser,

als ich vorhin zur Auswahl für den heutigen Newsletter noch mal im Detail unsere Themenseite zum Coronavirus durchforstet habe, beschlich mich ein Gefühl: Beklommenheit. Die Krise ist jetzt weltumspannend und gleichzeitig hyperlokal. Wie schwer es großen Institutionen, Staaten, Konzernen fällt, gegen das Virus zu kämpfen, berichten meine Kolleginnen und Kollegen jeden Tag - wie nah sie einem kommt, weiß ich seit heute Nachmittag: Die Kita meiner Tochter schließt ab Montag, was ein nicht unerhebliches Betreuungsproblem nach sich zieht. Wir und ich sind nun zum ersten Mal (ein klein wenig) direkt betroffen von Covid-19. Man fühlt sich unvermittelt ein bisschen machtlos.

Damit sich keine Pandemie der Lähmung ausbreitet, müssen wir nun sehr genau hinschauen, auf alles, was Hoffnung macht. Das kann schon mit einem Zettel im Treppenhaus beginnen. "Sollten Sie über 65 Jahre alt sein und ein geschwächtes Immunsystem haben, möchte ich Euch helfen, gesund zu bleiben", hieß es in einer Nachricht, die in einem Wiener Hausflur ausgehängt wurde. Ähnliche Aktionen gab es auch hierzulande.

Unter dem Hashtag #Nachbarschaftschallenge bieten "junge" Menschen älteren Menschen ihre Hilfe im Alltag an. Der "Heimatstern München", ein gemeinnütziger Verein, der Menschen in Not hilft, bietet auf Twitter die zuletzt knapp gewordenen Flächendesinfektionsmittel an. "Abzugeben an medizinische Einrichtungen, Pflegeheime etc.", heißt es in einem Tweet des Vereins weiter.

Komikerin Hazel Brugger bietet Eltern, die in einem medizinischem Beruf arbeiten, an, tagsüber auf deren schulpflichtige Kinder aufzupassen. "Das klingt zwar creepy, aber ich meine das ernst", schreibt die 26-Jährige.

Leider bin ich Journalist, wohne in Hamburg und nicht in Köln und mein Kind geht noch nicht in die Schule. Sonst hätte ich mich vielleicht gemeldet.

Podcast Cover

In der neuen Ausgabe des SPIEGEL lesen Sie ein 82-seitiges Spezial mit 49 Fragen und Antworten zum Coronavirus. Die neue Ausgabe gibt es ab sofort hier  und ab Samstag am Kiosk. Hier kommen die wichtigsten Entwicklungen des Tages:

Lufthansa-Crew in Hongkong

Lufthansa-Crew in Hongkong

Foto: Liau Chung-ren/ ZUMA Wire/ picture alliance

Fluggesellschaft in der Coronakrise: Muss der Staat die Lufthansa retten?
Das Coronavirus trifft kaum eine Branche so hart wie die Luftfahrt. Die größte deutsche Airline muss ihr Angebot womöglich um bis zu 80 Prozent zurückfahren - und redet bereits mit der Regierung über Staatshilfe.

NRW-Gesundheitsminister Laumann über Corona: "Wir müssen die Nerven behalten"
Er ist Gesundheitsminister in dem Bundesland, das am stärksten von der Coronakrise betroffen ist: Im SPIEGEL verteidigt Karl-Josef Laumann den Föderalismus - und sagt, warum er Hamsterkäufe für "Schwachsinn" hält.

Coronavirus: DFL sagt Spieltag in der Bundesliga ab
Die Deutsche Fußball Liga hat den Spielbetrieb in der Bundesliga und der zweiten Liga wegen der Coronavirus-Pandemie vorerst eingestellt. Der für dieses Wochenende geplante Spieltag wird verlegt.

Corona-Hilfen für die Wirtschaft: Scholz und Altmaier zücken die Bazooka
Im Kampf gegen die Coronakrise versprechen Finanz- und Wirtschaftsminister unbegrenzte Kredite für Unternehmen. Das beeindruckt die Märkte - und dürfte dennoch nicht das letzte Hilfsversprechen bleiben.

Macrons Kampf gegen Corona: Der Pathos-Präsident
Frankreich ist nach Italien das Land mit den bislang meisten Corona-Toten in Europa. Präsident Macron kündigt in seiner Rede an die Nation drastische Maßnahmen an - und beschwört die Einheit der Nation.

Angela Merkel zur Coronakrise: "Außergewöhnlicher als die Bankenkrise" (Video)
Angela Merkel warnt mit deutlichen Worten vor der Ausweitung des Coronavirus und kündigt zahlreiche Maßnahmen an. Sehen Sie hier Auszüge aus der Rede der Bundeskanzlerin.

Covid-19 in weltweiten Zahlen

  • Bestätigte Fälle: 137.386

  • Todesfälle: 5088

  • Von der Krankheit genesen: 69.779

  • Deutschland: 2369 Erkrankte, 5 Todesfälle

Quellen: CSSE / Johns Hopkins University , Stand: 13. März 2020, 17:33 Uhr; Robert Koch-Institut, Stand: 12. März 2020, 19:30 Uhr

Hintergrund und Service

Maßnahmen gegen Corona: Jeder ist gefährdet, jeder ein Gefährder 
Ohne drastische Einschränkungen unseres Alltags lässt sich die Pandemie nicht mehr bremsen. Der Ausnahmezustand könnte Monate dauern.

Symptome: Wie erkenne ich, ob ich Corona habe?
Der Hals kratzt, ein erstes Hüsteln: Viele haben Angst, sich mit Covid-19 angesteckt zu haben. In dieser Übersicht sehen Sie, wie sich die Symptome von denen der Grippe unterscheiden.

Coronavirus auf Oberflächen: Ist meine Türklinke ansteckend?
US-Forscher haben in einer neuen Studie herausgefunden, dass Sars-CoV-2 bis zu drei Tage auf Plastik und rostfreiem Stahl überdauern kann. Damit kann man sich theoretisch auch über Oberflächen infizieren.

Virusprävention: Wo Schulen und Kitas geschlossen werden
Das Saarland und Bayern haben zuerst entschieden, Berlin zieht nach, auch NRW folgte: Immer mehr Kitas und Schulen werden geschlossen, nur in drei Bundesländern gibt es noch Unterricht. Der Überblick.

Die Leserfrage

Regelmäßig beantworten wir hier eine Frage unserer Leserinnen und Leser zum Coronavirus. Heute die von Leser Geza Z:

"Ein großes Problem in dieser Coronavirus-Zeit ist, dass Videokonferenzprogramme überlastet sind. Dasselbe gilt für Internetverbindungen, weshalb Videokonferenzen meistens unmöglich sind."

Die Antwort von Matthias Kremp, Teamleiter Netzwelt beim SPIEGEL:

"Auch wenn immer mehr Firmen ihre Mitarbeiter jetzt ins Homeoffice schicken: Ein generelles Problem mit Videokonferenzen gibt es nach derzeitigem Stand der Dinge nicht. Die Nachfrage sei zwar generell gestiegen, erklärt beispielsweise der Videokonferenz-Dienst Zoom, doch könne man das durch Aufstockung der Kapazitäten auffangen. Dasselbe dürfte für andere große Anbieter wie Google gelten. Wenn es bei Webmeetings hakt, hat das meist andere Gründe.

Unter anderem den, dass die Internetnutzung insgesamt in den vergangenen Tagen deutlich zugenommen hat. Der Internetknoten DE-CIX in Frankfurt, über den ein großer Teil des deutschen Datenverkehrs läuft, registrierte am 10. März einen Wert von 9,1 Terabit pro Sekunde, das ist Weltrekord. Der wurde aber nicht nur durch Heimarbeiter erreicht, sondern auch durch Gamer: Am Abend des 10. März wurde das PC-Spiel "Call of Duty Warzone" veröffentlicht, für das Spieler bis zu 101 Gigabyte herunterladen mussten.

Auch wenn ein solcher Andrang von den großen Netzen verkraftet wird, kann er im Kleinen zu Problemen führen. Wenn etwa viele Nachbarn gleichzeitig zu Hause online arbeiten, Netflix schauen und online spielen, kann es passieren, dass die am nächstgelegenen Netzverteiler zur Verfügung stehende Kapazität knapp wird und der durchschnittliche Datendurchsatz an den Internetanschlüssen deshalb zurückgeht.

Und wer sich von zu Hause aus über ein sogenanntes VPN (Virtuelles Privates Netzwerk) ins Netzwerk seiner Firma einwählt, kann ebenfalls Leistungseinbußen erleiden. Das gilt vor allem, wenn sich viele Mitarbeiter gleichzeitig via VPN einloggen. Deshalb sollte man ein VPN nur für Anwendungen verwenden, die nur so von außen erreichbar sind. E-Mail und Videokonferenzen gehören in der Regel nicht dazu."

Wie geht es Ihnen?

Sie haben medizinische Fragen zum neuartigen Coronavirus oder möchten genauer wissen, welche wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen Auswirkungen die Krise für Deutschland und die Welt hat? Wir beantworten eine Auswahl von Leserfragen hier im Newsletter. Schreiben Sie uns an coronafragen@spiegel.de .

Genießen Sie trotz allem das Wochenende und bis Montag,

Ihr Kurt Stukenberg

Was Sie über das Virus wissen müssen

Alle Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Coronavirus haben wir hier für Sie zusammengestellt. Weitere aktuelle Entwicklungen finden Sie auf Spiegel.de.

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