RKI zur Corona-Lage »Die Fallzahlen sind immer noch viel zu hoch«

Das Robert Koch-Institut betrachtet die immer noch hohe Zahl der Corona-Neuinfektionen mit Sorge. Dennoch zeige sich langsam eine Wirkung der Maßnahmen.
Mund-Nasen-Schutz in Dortmund: Die Fallzahlen sind weiterhin sehr hoch

Mund-Nasen-Schutz in Dortmund: Die Fallzahlen sind weiterhin sehr hoch

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Bernd Thissen / dpa

Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt die Corona-Lage in Deutschland nach wie vor als »sehr ernst« ein. »Die Fallzahlen sind insgesamt immer noch sehr hoch, viel zu hoch«, sagte RKI-Chef Lothar Wieler am Donnerstag in Berlin mit Blick auf die aktuellen Fallzahlen. Eine gute Nachricht sei allerdings, dass sich die Zahlen »auf einem hohen Niveau stabilisiert« hätten. »Wir wissen aber nicht, ob das schon eine Trendwende ist.« Das müsse man abwarten.

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Es sei möglich, dass die Kliniken demnächst an ihre Grenzen kämen, so Wieler. Daher sei es notwendig, die Fallzahlen wieder auf ein kontrollierbares Level zu bekommen. »Das Ziel ist, so wenig Neuinfektionen wie möglich zu haben«, sagte der RKI-Chef. Momentan sehe man eine Art Plateau. »Ich bin jedoch optimistisch, dass die Fallzahlen in den nächsten Wochen sinken, das Plateau zeigt, dass die Maßnahmen wirken«, so Wieler. »Versprechen kann ich das aber niemandem, wir haben ja auch immer eine Verzögerung von zwei Wochen.«

Wieler verwies zudem darauf, dass die Zahlen der schweren Infektionsverläufe und der Intensivpatienten stiegen. Auch »die Zahl der Todesfälle ist weiterhin sehr hoch«.

Das RKI hatte am Morgen 22.609 Neuinfektionen mit dem Coronavirus innerhalb eines Tages gemeldet. Das waren rund 5000 Fälle mehr als am Vortag. Die Zahl der Todesfälle stieg den Angaben zufolge um 251 auf 13.370. Laut den jüngsten Zahlen des RKI wurden in Deutschland seit Beginn der Pandemie 855.916 Infektionsfälle registriert. Die Zahl der Genesenen lag bei rund 562.700.

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Im Hinblick auf Weihnachten könne man derzeit noch nichts Genaues sagen: »Es muss keinen Jo-Jo-Effekt geben«, sagte Wieler bezüglich einer möglichen dritten Corona-Welle. »Das wird anhand des Infektionsgeschehens gemessen.« Es sei jedem freigestellt, sich vor dem Besuch der Familie in eine 14-tägige Quarantäne zu begeben. »Nach jetzigem Stand des Wissens wäre das der Zeitraum, in dem man sich in Quarantäne befinden muss.«

Auf die Frage, wie er die Nachrichten über die ersten Ergebnisse der Impfstoffstudien sehe, antwortete Wieler: »Das finde ich sehr positiv.« Die Daten seien extrem ermutigend. Er sei überrascht, dass es derart schnell Ergebnisse gebe, sagte Wieler. Klar sei, in dem Moment, in dem ein Impfstoff zugelassen sei, könne die Pandemie deutlich besser kontrolliert werden. Ein Impfstoff wäre eine »ganz hervorragende Waffe«.

Geringe Zunahme der Dunkelziffer

Nach der Änderung der Empfehlungen für Corona-Tests in Deutschland geht das RKI von einer eher geringen Zunahme der Dunkelziffer aus. Aus den verfügbaren Daten auch zur Belegung der Krankenhäuser könne man schließen, dass die Untererfassung nicht deutlich höher sei als vor einigen Wochen, sagte Wieler. Dass es eine bestimmte Dunkelziffer bei der Erkrankung gebe, habe man immer gewusst.

Kürzlich sind die RKI-Empfehlungen an Ärzte geändert worden, wer auf Sars-CoV-2 getestet werden soll. Dies wurde auch mit der Zunahme von banalen Erkältungskrankheiten im Herbst und Winter begründet – es könne angesichts begrenzter Kapazitäten in den Labors nun nicht jeder Patient mit Schnupfen getestet werden. Nun liegt ein besonderer Fokus auf Patienten mit Symptomen wie etwa Lungenentzündung oder Geruchs- und Geschmacksverlust. Vergangene Woche ging die Zahl der durchgeführten PCR-Tests nach Daten eines großen Laborverbands im Vergleich zu den beiden Vorwochen von rund 1,44 Millionen auf rund 1,26 Millionen zurück.

Gleichzeitig sieht Wieler keine Veranlassung, Schulen und Kitas generell zu schließen. »Wir können das managen«, sagte er. Die Inzidenzen bei Kindern unter zwölf Jahren seien niedriger als in anderen Altersgruppen. Kinder liefen dem Infektionsgeschehen eher hinterher. »Wir können das kontrollieren«, betonte Wieler und fügte hinzu, Voraussetzung sei, dass »die schlauen Konzepte«, die die Schulen entwickelt hätten, auch umgesetzt würden.

kry/AFP/Reuters/dpa
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