Covid-19 Die Gene spielen beim Verlust des Geruchssinns mit

Eine Störung des Geruchs- und Geschmackssinns trifft manche Covid-Infizierte wahrscheinlicher als andere. US-Forscher können nun eingrenzen, welche Erbanlagen das Risiko erhöhen.
Viele Coronainfizierte können Rosenduft nicht mehr wahrnehmen

Viele Coronainfizierte können Rosenduft nicht mehr wahrnehmen

Foto: Roland Weihrauch/ dpa

Nicht mehr oder kaum noch riechen (und damit schmecken) zu können, ist eines der häufigsten Anzeichen einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-Cov-2 – unangenehm, aber auch mit potenziell ernsten Folgen . Woran genau diese Riechstörung liegt, ist noch nicht geklärt.

Wen es trifft, könnte zum Teil genetisch bestimmt sein. Ein Team um Janie Shelton von der US-Genanalysefirma 23andMe hat die wahrscheinlich verantwortlichen Erbanlagen eingegrenzt. Die Studie, über die das Portal wissenschaft.de  zuerst berichtete, ist in der Zeitschrift »Nature Genetics«  erschienen.

Den Forschenden fiel auf, dass Menschen europäischer Abstammung das Symptom deutlich häufiger meldeten als Menschen mit afrikanischen oder asiatischen Vorfahren. Insgesamt untersuchten sie die genetischen Daten von 69.841 Personen aus den USA und Großbritannien, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. 68 Prozent von ihnen berichteten von einer Geruchs- oder Geschmacksstörung, Frauen häufiger als Männer und jüngere Infizierte häufiger als ältere.

In der Gendatenbank wurden nun die kompletten Genome der Testpersonen auf mögliche Zusammenhänge untersucht. Vier verschiedene Phänotypen von Menschen mit einer bestimmten Mischung genetischer Merkmale ließen sich identifizieren. Aus früheren Studien war bekannt, dass einer von ihnen mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zu Vanille als Lieblingseissorte neigt, ein anderer gilt als anfällig für das Rauchen von Tabak.

Rund um die Gene UGT2A1 und UGT2A2 ergab sich eine statistisch auffällige Häufung mit einer um 11 Prozent erhöhten Wahrscheinlichkeit für die Geruchs- und Geschmacksstörung. Diese beiden Gene seien »nicht nur am nächsten dran, sondern auch die biologisch plausibelsten Genkandidaten«, heißt es in der Studie. Von diesen Genen sei eine Rolle in der Bildung des Geruchssinns bereits bekannt. Sie sorgten für die Bildung von Enzymen, von denen in Tierversuchen nachgewiesen wurde, dass sie etwa Geruchsstoffe von den Rezeptoren verschwinden lassen und so die Wahrnehmung des Geruchs im Gehirn verhindern. Die Ergebnisse seien unter Menschen europäischer Herkunft besonders ausgeprägt, aber in allen Gruppen valide.

Jamie Shelton und Kollegen verweisen auf jüngere Forschungsergebnisse, denen zufolge die Geruchsstörung mit einem Virusbefall des Riechepithels (einer Schleimhaut am oberen Ende der Nasenhöhle) und einer Zerstörung der Flimmerhärchen zu erklären sei – also nicht einer direkten Infektion des Nervensystems. Die fürs Riechen zuständigen Neuronen seien aber betroffen, wenn die Stützzellen in ihrer Nähe aufhören, die nötigen Proteine zu produzieren. Wie genau dieser Prozess abläuft, könne mithilfe der neuen genetischen Erkenntnisse besser erforscht werden.

ak

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