Kurt Stukenberg

Coronavirus - die Woche Die nächste Welle ist schon da

Kurt Stukenberg
Von Kurt Stukenberg, stellvertretender Ressortleiter Wissenschaft
Wo die Fallzahlen jetzt dramatisch steigen, wie die Coronakrise unsere Schulen trifft und Neues aus der Forschung: Lesen Sie hier Ihre Wochenzusammenfassung.

Timo Lenzen/ DER SPIEGEL

Liebe Leserin, lieber Leser,

Mahner haben es schwer. Sind sie zu zurückhaltend, werden sie bei Katastrophen in Haftung genommen - machen sie Ihren Job gut und eingesetzte Vorsichtsmaßnahmen verhindern das Schlimmste, sind sie mit dem Vorwurf der Panikmache konfrontiert. Wer will, kann dem Lager der Vorsichtigen nun gar beide Vorwürfe zugleich machen.

Denn auch diese Woche wurde vereinzelt nach "mehr Mut" zu Lockerungen gerufen und das Tempo, in dem Deutschland das öffentliche Leben vor ein paar Wochen heruntergefahren hatte, nun im Nachhinein als zu schnell kritisiert. Tatsächlich ist beachtlich, wie gering die Fallzahlen trotz der umfangreichen Normalisierung weiterhin sind, gefühlt ist die Krise vorüber.

In anderen Regionen bricht sich das Virus gleichzeitig nun umso heftiger Bahn. Vor allem Lateinamerika und Afrika entwickeln sich zu neuen Hotspots. Rund drei Monate dauerte es, bis auf dem gesamten afrikanischen Kontinent 100.000 Fälle gezählt werden konnten, im Vergleich mit dem Ausbruch Anfang des Jahres in Europa ist das eine extrem zähe Entwicklung. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet, vergingen nun allerdings nur 18 Tage, bis die Zahl sich verdoppelte - damit ist die Angst vor exponentieller Ausbreitung zurück, die nächste Welle schon da.

Der jetzt sprunghafte Anstieg dürfte zumindest teilweise auf vermehrte Virustests in der Region zurückzuführen sein. Vielleicht waren aber auch die Mahner nicht laut genug: 25 Prozent aller belegten Corona-Fälle des Kontinents entfallen auf Südafrika, dennoch wurde der Lockdown zuletzt gelockert.

Ähnlich übrigens wie in den USA. Die Vereinigten Staaten sind mit mehr als zwei Millionen nachweislich Infizierten weiterhin das mit Abstand am stärksten vom Virus betroffene Land. "Selbst wenn wir keine Zunahme der Fälle haben, selbst wenn wir die Kurve flach halten, ist es realistisch, dass wir irgendwann im September 200.000 Tote erreichen werden", sagte Ashish Jha, der Leiter des Harvard Global Health Institutes CNN . Ein wesentlicher Grund dafür sei, dass die USA als einziges größeres Land die Kontaktbeschränkungen reduziert hätten, als die Entwicklung der Fallzahlen noch nicht auf ein beherrschbares Niveau gesunken war.

Und freilich ohne zu wissen, wie sich die Lage in den kommenden Monaten noch entwickeln wird, stellte US-Finanzminister Steve Mnuchin schon mal klar : "Wir können keinen zweiten wirtschaftlichen Shutdown vornehmen". Da hilft dann auch kein Mahnen mehr.

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Die Regierungen in Berlin und Ankara streiten, wann die Reisewarnung für die Türkei fällt. Der türkische Außenminister fordert im SPIEGEL die Aufhebung "zum frühestmöglichen Zeitpunkt" - und er hat deutsche Unterstützung.

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Foto: Yasin Akgul/ dpa

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Covid-19 in weltweiten Zahlen

  • Bestätigte Fälle: 7.516.656

  • Todesfälle: 421.498

  • Von der Krankheit genesen: 3.542.237

  • Deutschland: 185.674 bestätigte Erkrankte, 170.961 Genesene (geschätzt), 8763 Todesfälle

Quellen: CSSE / Johns-Hopkins-Universität , Stand: 12. Juni 2020, 8:45 Uhr; Robert Koch-Institut, Stand: 12. Juni 2020, 8:30 Uhr

Neues aus der Forschung

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Ihr Kurt Stukenberg

Was Sie über das Virus wissen müssen

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