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SPIEGEL

Veronika Hackenbroch

Corona-Pandemie Die unerwartete Nebenwirkung der Corona-Impfstoffe

Liebe Leserin, lieber Leser,

geht es Ihnen auch so, dass Ihnen Sars-CoV-2 irgendwie nicht mehr so bedrohlich vorkommt wie im Frühling, obwohl sie natürlich ganz genau wissen, dass das Unsinn ist?

Nur noch 48 Prozent der Deutschen fürchten sich vor dem neuartigen Coronavirus. Ende März empfanden es noch fast 60 Prozent als »(eher) angsteinflößend«, wie die Monitoring-Unter­suchung »Cosmo« der Psychologin Cornelia Betsch von der Universität Erfurt ergab. Wie werden die Zahlen aussehen, wenn in einigen Wochen tatsächlich die Impfkampagnen losgehen und sich das Gefühl breitmacht, das Virus sei so gut wie besiegt? 2021 könnte die Pandemie in eine gefährliche Endphase übergehen.

Bis genügend Menschen geimpft sind, um dadurch die Anzahl der Neuinfektionen deutlich sinken zu lassen, wird es Monate dauern, wahrscheinlich das ganze Jahr. So lange wird es weiterhin mehr oder weniger große Einschränkungen geben müssen. Doch was, wenn sich immer weniger Menschen daran halten, weil sie immer weniger Angst haben? »Risikowahrnehmung«, sagt Betsch, »ist ein Treiber von Schutzverhalten.«  Anders gesagt: Vor allem, wer Angst hat, hält sich an die Corona-Regeln. Schon jetzt ist die »Pandemiemüdigkeit« – ein Mix aus gesun­kener ­Risikowahrnehmung, geringer Bereitschaft, sich zu informieren, und nachlassendem Schutzverhalten – ein von Epidemiologen gefürchtetes Phänomen.

Auch ein zweiter Faktor, von dem es abhängt, ob die Menschen die Corona-Regeln befolgen, könnte mit den Massenimpfungen ins Wanken geraten: das Vertrauen in den Staat. »Da steht einiges auf dem Spiel«, sagt Betsch. Wenn etwa unerwartet seltene, schwere Nebenwirkungen auftreten würden, könnte das die Glaubwürdigkeit der Gesundheitsbehörden beschädigen. Aufklärung ist deshalb dringend geboten. Darüber, dass solche Nebenwirkungen möglich sind – und auch darüber, dass der Impfstoff kein Zaubermittel ist, das mit einem Schlag die Seuche aus der Welt schafft. Es ist leider unausweichlich, dass wir noch viele Monate durchhalten müssen.

Bleiben Sie gesund!

Veronika Hackenbroch

(Feedback & Anregungen? ) 

Abstract 

Meine Leseempfehlungen in dieser Woche:

  • "Ende des Jahres soll plötzlich erlaubt sein, was seit Wochen verboten ist", schreibt meine Kollegin Julia Merlot über die Lockerung der Maßnahmen, die uns trotz der Corona-Pandemie ein Weihnachtsfest im Kreis der Familie ermöglichen sollen. Was davon zu halten ist, lesen Sie hier.

  • Der Riese, der dem Zwerg unterliegt – so ungefähr geht die Kurzfassung des biblischen Epos vom Kampf Davids gegen Goliath. Vorlage für den Philisterkrieger könnten Soldaten gewesen sein, die damals ihre Zeitgenossen deutlich überragten. Ausgrabungen zeigen nun, dass bei der Größe vielleicht etwas übertrieben  wurde.

  • Die Arbeit an einem Impfstoff gegen das Coronavirus ist derzeit ein wichtiger Teil der Pharmaforschung. Auch in Indien, einem Land, das stark von der Pandemie betroffen ist. Doch Kritiker ärgern sich dort über undurchsichtige Verfahren .

  • Ein Team von SPIEGEL-Kollegen, die sich überwiegend mit der Auswertung von Daten beschäftigen, hat die wichtigsten Zahlen zur aktuellen Lage  in der Pandemie begutachtet. Die drängendste Frage dabei: Was hat der Shutdown bisher bewirkt?

  • Weltraumenthusiasten träumen von langen Reisen zu fernen Planeten – zumindest irgendwann in ferner Zukunft einmal, wenn man für einen Sprung zum Mars nicht einmal mehr die Pantoffel wechseln muss. Aber mal abgesehen von der dafür benötigten revolutionärer Raumschiffstechnik, die es bisher nur in Science-Fiction-Filmen gibt: Auch der Schutz unserer Gesundheit sollte nicht zu kurz kommen, haben Forscher nun in Studien gezeigt.

  • Archäologen stehen im Ruf, nicht unbedingt zu den Technikaffinen unter den Wissenschaftlern zu gehören. Vielleicht liegt das daran, dass ihr klassisches Grabungswerkzeug aus Kelle und Eimer eher hemdsärmelig wirkt. Dabei wird längst mit modernster Technik nach Altertümern gesucht. Neuerdings sogar mit intelligenter Software .

Quiz*

  1. Wilhelm Herschel und seine Schwester Caroline waren eigentlich Berufsmusiker. Aber zu größerem Ruhm brachten sie es in der Wissenschaft. In welcher Disziplin?

  2. In dieser Woche haben Physiker eine Arbeit zu einem zweiten Fusionskreislauf der Sonne veröffentlicht. Sie konnten diese Idee aus den Dreißigerjahren erstmals experimentell nachweisen. Wie viel Prozent macht dieser Fusionszyklus am gesamten Fusionszyklus der Sonne aus?

  3. Der Impfstoffkandidat, den die Universität Oxford mit dem Pharmaunternehmen AstraZeneca entwickelt hat, soll beim Menschen durch ein abgeschwächtes Erkältungsvirus eine Immunantwort hervorrufen. Aus welchen Tieren stammt das Virus?

*Die Antworten finden Sie ganz unten im Newsletter.

Bild der Woche 

Foto: NASA

Satt wird die Besatzung der Internationalen Raumstation von diesen selbst angebauten Radieschen sicher nicht ­werden – aber die experimentelle Gemüsezucht dient ja auch der Wissenschaft: Die Astronauten sollen ­herausfinden, wie Pflanzen in der Schwerelosigkeit gedeihen. In Zukunft, so die Nasa, hoffe man, Crews, die zum Mond, zum Mars oder zu noch ferneren Zielen aufbrechen, mit frischem Grünzeug ernähren zu können.

Fußnote  

1,5 Milliarden Vogelleben haben die Maßnahmen zur Verbes­serung der Luftqualität in den USA in den vergangenen 40 Jahren offenbar gerettet. Das ergab eine Untersuchung von Forschern der Cornell ­University. Am schädlichsten, so die Forscher, sei für die ­Tiere wahrscheinlich Ozon. Das Reizgas schädigt die Atemwege der Vögel und reduziert die Anzahl der Insekten, die ihnen als Nahrung dienen

SPIEGEL+-Empfehlungen aus der Wissenschaft 

*Quizantworten
1) In der Astronomie. Herschel, ein Brite mit deutschen Wurzeln, galt als hervorragender Sternenbeobachter und konstruierte schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts hervorragende Teleskope. Auch seine Schwester leistete wichtige Beiträge zur Astronomie.  
2) Ein Prozent. 99 Prozent macht die Fusion von Wasserstoff zu Helium aus.
3) aus Schimpansen

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