Coronavirus Die vielen Symptome von Covid-19

Das Coronavirus kann offenbar den ganzen Körper angreifen. Ärzte berichten von Blutgerinnseln, juckenden Bläschen und "Corona-Zehen". Der Überblick über mögliche Symptome.
Covid-19-Patient in Bayern: Das Coronavirus verursacht nicht nur grippeähnliche Symptome

Covid-19-Patient in Bayern: Das Coronavirus verursacht nicht nur grippeähnliche Symptome

Foto: Peter Kneffel / dpa

Je länger die Coronavirus-Pandemie dauert, desto mehr Symptome werden der Krankheit Covid-19 zugeschrieben. Schien eine Infektion mit dem neuartigen Erreger sich zunächst ähnlich wie eine Grippe auszuwirken, wird der Katalog der Krankheitszeichen nun immer länger. Kopf, Nase, Rachen, Lunge, Herz, Nieren, Magen, Darm und sogar die Zehen - das Virus scheint kaum einen Bereich des Körpers auszulassen.

Es ist nicht neu, dass ein und derselbe Erreger so vielfältige Symptome verursachen kann. Der Verlust des Geruchssinns oder die Bildung von Blutgerinnseln scheint jedoch sehr spezifisch für den Erreger Sars-CoV-2. "Die meisten Viren können das Gewebe, in dem sie sich vermehren, schädigen oder aber auch das Immunsystem, das die Infektion bekämpft", sagt der Virologe Jeremy Rossman von der Universität Kent in Großbritannien.

Mediziner vermuten, dass auch ein ungewöhnliches Entzündungssyndrom in Zusammenhang mit Covid-19 steht. Mehr als hundert Kinder in New York, London und Paris mussten deshalb im Krankenhaus behandelt werden. Die Fälle ähneln dem Kawasaki-Syndrom, einer Gefäßerkrankung bei Kindern, die in seltenen Fällen bis zum Organversagen führen kann.

Bei Erwachsenen kann Covid-19 laut mehreren Studien andere lebensbedrohliche Symptome auslösen wie zum Beispiel Schlaganfälle, Gehirnschwellungen und Herzschädigungen. Urologen von der Medizinhochschule im chinesischen Nanjing berichteten vergangene Woche in der Fachzeitschrift "Nature Reviews"  von Patienten mit schweren urologischen Komplikationen, Nierenschäden und gravierenden Auswirkungen auf die männlichen Sexualhormone. Ärzte aus dem US-Bundesstaat Massachusetts berichteten zudem  von erheblichen Darmschäden bei Covid-19-Patienten bis hin zu Nekrosen, bei denen Teile des Darmgewebes absterben.

Die ungewöhnlich scheinende Vielzahl der beobachteten Symptome hat auch mit der enormen Zahl der Infizierten zu tun. "Bei einer weit verbreiteten Krankheit treten selbst seltene Komplikationen häufig auf", sagt der Infektiologe Babak Javid vom Universitätsklinikum Cambridge.

Weltweit gibt es inzwischen mehr als 4,1 Millionen bestätigte Covid-19-Fälle. Die tatsächliche Zahl der Infizierten liege vermutlich bei Dutzenden oder gar Hunderten Millionen, schätzt Javid. "Wenn also einer von 1000 oder auch nur einer von 10.000 Komplikationen entwickelt, sind das immer noch Tausende Betroffene", sagt der Mediziner.

Die Allgemeinmediziner waren die Ersten, die die vielfältigen Symptome berücksichtigen mussten. "Am Anfang wurde uns gesagt, wir sollten auf Kopfschmerzen, Fieber und leichten Husten achten", erinnert sich Sylvie Monnoye, Hausärztin im Zentrum von Paris. "Dann kamen Schnupfen und Halskratzen hinzu, danach Verdauungsprobleme, Magenschmerzen und schwerer Durchfall."

Die Liste wurde aber noch länger: Wunden in der Haut, neurologische Probleme, blaue Zehen, Brustschmerzen, der Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn. "Wir begannen zu glauben, dass alles verdächtig sein kann", sagt Monnoye.

Spanische Wissenschaftler berichten in einem aktuellen Bericht von verschiedenen Hautveränderungen wie juckende Stellen, Bläschen und geschwollene Zehen, die an Frostbeulen erinnern und besonders Kinder und junge Erwachsene Anfang 30 betreffen. Die Symptome sind inzwischen als "Covid-Zeh" bekannt und treten meist spät auf - gut drei bis vier Wochen, nachdem die Patienten Fieber und Husten gehabt hatten.

Juckende Quaddeln traten dagegen vor allem am Anfang der Erkrankung auf und betrafen eher Patienten mittleren Alters. Die spanischen Ärzte hatten 375 Patienten untersucht.

"Im Vergleich zur Grippe ist es wahrscheinlicher, dass man sehr krank wird und stirbt"

Die US-Gesundheitsbehörde CDC analysierte in einem internen Bericht die Symptome von 2591 Corona-Patienten, die zwischen dem 1. März und dem 1. Mai ins Krankenhaus eingeliefert wurden:

  • Drei Viertel hatten Schüttelfrost, Fieber oder Husten und fast ebenso viele Atembeschwerden.

  • Ein knappes Drittel klagte über Schmerzen und Durchfall.

  • Ein Viertel litt unter Übelkeit oder Erbrechen.

  • Etwa 18 Prozent hatten Kopfschmerzen, zehn bis 15 Prozent Lungen- oder Unterleibs-Probleme, eine laufende Nase oder Halsschmerzen.

Die Beobachtungen decken sich mit denen des Robert Koch-Instituts, laut denen Geruchs- und Geschmacksstörungen, Fieber, Husten, Halsschmerzen, allgemeine Schwäche, Schmerzen, eine laufende Nase und Durchfall zu den häufigsten Covid-19-Symptomen gehören.

"Wenn jemand schwer an Covid-19 erkrankt, kann er Probleme mit Blutgerinnseln bekommen, die häufiger als bei anderen Viren scheinen", sagt der Infektiologe Javid und folgert: "Im Vergleich zur Grippe ist es wahrscheinlicher, dass man sehr krank wird und stirbt."

koe/afp
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