Gesundheitsministerium bestätigt Drei weitere Coronavirus-Fälle in Bayern

Vier Menschen sind mittlerweile in Bayern am Coronavirus erkrankt, alle arbeiten für dasselbe Unternehmen. 40 weitere Kollegen sollen getestet werden - ihr Arbeitgeber hat seinen Stammsitz vorerst geschlossen.
Klinikum Schwabing: Hier werden die vier am Coronavirus erkrankten Menschen behandelt

Klinikum Schwabing: Hier werden die vier am Coronavirus erkrankten Menschen behandelt

Foto: CHRISTOF STACHE/ AFP

In Bayern sind drei weitere Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert worden. Sie stünden in Zusammenhang mit dem ersten bestätigten Fall der neuen Lungenkrankheit in Deutschland, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in München mit. Auch die drei neu angesteckten Patienten seien Mitarbeiter der Firma Webasto aus dem Landkreis Starnberg, bei der der erste Betroffene beschäftigt ist.

"Es wurde entschieden, dass auch die drei neuen Patienten in der München Klinik Schwabing stationär aufgenommen und dort medizinisch überwacht und isoliert werden", teilte das Ministerium weiter mit. "Bei einigen weiteren Kontaktpersonen läuft derzeit ein Test, ob auch hier eine Infizierung mit dem Coronavirus vorliegt."

Über Einzelheiten wollen das bayerische Gesundheitsministerium und das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit am Mittwoch per Pressemitteilung berichten. Weitere Angaben machte ein Sprecher am Abend zunächst nicht.

Webasto schließt Stammsitz bis Sonntag

Automobilzulieferer Webasto teilte derweil mit, seinen Stammsitz im oberbayrischen Gauting wegen der Coronavirusfälle bis Sonntag zu schließen. Bis dahin sollen Mitarbeiter der Firmenzentrale auch nicht an nationale und internationale Standorte reisen. Für China gelte sogar eine Sperre für zwei Wochen.

"Unter den Mitarbeitern des Automobilzulieferers Webasto gibt es weitere mit dem Coronavirus infizierte Personen", teilte das Unternehmen mit. "Die Maßnahmen zum Schutz der Belegschaft wurden aufgrund der neueren Entwicklungen ausgeweitet." Alle vier Betroffenen arbeiten demnach in der Firmenzentrale, wo insgesamt rund tausend Menschen arbeiten. Das Unternehmen sei in engem Austausch mit den Behörden und orientiere sich an den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts.

Der zuerst in Deutschland infizierte Mann hatte sich den Erkenntnissen zufolge am 21. Januar während einer Fortbildungsveranstaltung bei einer chinesischen Kollegin angesteckt. Die Frau ist den Angaben nach am 23. Januar nach China zurückgeflogen. Am 27. Januar wurde das Gesundheitsamt von der Firma über die Erkrankung der Frau aus China informiert.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte: "Es wurden insgesamt rund 40 Mitarbeiter der Firma ermittelt, die als enge Kontaktpersonen in Frage kommen. Die Betroffenen sollen am Mittwoch vorsichtshalber getestet werden."

Das neuartige Coronavirus 2019-nCoV kann eine Lungenkrankheit auslösen, an der im Hauptverbreitungsland China bereits mehr als 100 Menschen gestorben sind - die meisten davon waren ältere Patienten mit schweren Vorerkrankungen. Die Gesamtzahl der weltweit bekannten Erkrankungen ist inzwischen auf mehr als 4500 gestiegen, in China starben mindestens 106 Menschen an der Lungenkrankheit.

Der erste Coronavirus-Patient war am Montag positiv auf das Virus getestet worden - da war er schon wieder zur Arbeit gegangen. "Es geht ihm recht gut, gestern Vormittag hat er noch gearbeitet", sagte LGL-Präsident Andreas Zapf. "Er ist fieberfrei, hat auch derzeit keine Atemwegssymptomatik mehr", fügte der behandelnde Chefarzt Clemens Wendtner vom Klinikum Schwabing hinzu. Der Mann befinde sich in einem Isolierzimmer, für andere Patienten bestehe keine Gefahr.

Auch Kinderkrippe steht unter Beobachtung

Die Menschen, die mit der chinesischen und dem zuerst erkrankten deutschen Webasto-Mitarbeiter Kontakt hatten, stehen nach LGL-Angaben unter Beobachtung und sind aufgerufen, ihr Zuhause nicht zu verlassen. Der 33-jährige Patient ist Familienvater, sein Kind geht nach Angaben des Gesundheitsministeriums in eine Krippe im Landkreis Landsberg am Lech. Auch diese stehe nun unter Beobachtung, sagte LGL-Präsident Zapf. Über den Familienstand der drei weiteren Patienten wurde zunächst nichts bekannt. Der Leiter der Taskforce Infektiologie, Martin Hoch, betonte: "Die Zahl kann noch steigen."

Das neue Virus 2019-nCoV stammt ursprünglich vermutlich von einem Markt in der chinesischen Millionenstadt Wuhan, wo es wohl von dort gehandelten Wildtieren auf den Menschen übersprang. Nach derzeitiger Einschätzung von Experten verläuft die neuartige Lungenkrankheit offenbar in den meisten Fällen mild, womöglich sogar ohne Symptome.

Übertragungen vor den ersten Symptomen gelten als sehr selten. So liefert der erste bestätigte Coronavirus-Fall in Deutschland womöglich auch neue Erkenntnisse über die Ansteckungswege der Lungenkrankheit. Denn der Mann habe sich nach ersten Erkenntnissen bei der Chinesin angesteckt, obwohl sie zu dem Zeitpunkt noch keine Symptome der Krankheit zeigte.

Gefahr bleibt gering

Die Behörden wollen nun nach und nach weitere Maßnahmen in Bayern einleiten. Eine offizielle Hotline der bayerischen Behörden wurde geschaltet, einige Krankenkassen taten das auch. Am Münchner Flughafen werden die Passagiere nach Angaben des Landesamtes mit Plakaten in drei Sprachen aufgefordert, bei Verdacht einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus einen Arzt aufzusuchen. Weitere Eskalationsstufen des Alarmplans sind möglich: Derzeit werde gemeinsam mit dem Bund beraten, "ob es sinnvoll sein kann, an Flughäfen Fieber zu messen", sagte Ministerin Huml. Die weltgrößte Spielwarenmesse in Nürnberg erwartet angesichts des Coronavirus-Ausbruchs in diesem Jahr weniger Besucher aus China.

Einen Grund zur Panik gebe es trotz allem nicht, betonte Huml - ebenso wie ihr Amtskollege, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Der Fall zeige, "dass wir gut vorbereitet sind", sagte er. Die Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Deutschland bleibe auch nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts weiterhin gering.

Trotzdem waren Atemschutzmasken in einzelnen Apotheken in Bayern ausverkauft. Er habe dies von Betrieben in Unterfranken und München gehört, sagte ein Sprecher des bayerischen Apothekerverbandes der Deutschen Presse-Agentur.

Webasto, Arbeitgeber der vier erkrankten, ist ein großer Zulieferer für die Automobilindustrie mit 13.400 Mitarbeitern und einem Umsatz von 3,4 Milliarden Euro. Schon zuvor hatte das Unternehmen sämtliche Dienstreisen nach China für die nächsten zwei Wochen abgesagt. Auch BMW, Audi und Siemens erklärten, dass nur noch zwingend notwendige Dienstreisen nach China angetreten werden.

ptz/dpa
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