Covid-19 Ema empfiehlt uneingeschränkten Einsatz von Johnson-&-Johnson-Impfstoff

Der Impfstoff von Johnson & Johnson kann in sehr seltenen Fällen zu Blutgerinnseln führen. Die EU-Arzneimittelbehörde bewertet den Nutzen höher als die Risiken.
Vor allem in den USA ist Johnson & Johnson bereits groß im Einsatz (hier in Ohio)

Vor allem in den USA ist Johnson & Johnson bereits groß im Einsatz (hier in Ohio)

Foto: Phil Long / AP

Der Coronaimpfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson kann in der EU nach Prüfung der EU-Arzneimittelbehörde (Ema) uneingeschränkt verwendet werden. Der Wirkstoff könne in sehr seltenen Fällen Blutgerinnsel auslösen, teilte die Ema am Dienstag mit.

Vergangene Woche hatte die Ema angekündigt, Fälle von Blutgerinnseln zu prüfen, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung des Mittels von Johnson & Johnson aufgetreten waren. Die Ankündigung kam, nachdem die USA die Impfungen mit Johnson & Johnson vorübergehend ausgesetzt hatten, da vereinzelt Fälle von Sinusvenenthrombosen aufgetreten waren – wie auch schon beim Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens AstraZeneca.

In der EU ist der Impfstoff von Johnson & Johnson zwar bereits zugelassen, er wird jedoch noch nicht verabreicht. Nach dem Impfstopp hatte der Hersteller verkündet, seine für April geplanten Lieferungen an die EU vorerst zu verschieben. Für Deutschland bedeutet das, dass im zweiten Quartal rund zehn Millionen Dosen weniger zur Verfügung stehen könnten.

Bislang sind in den USA mehr als 6,8 Millionen Dosen des Johnson-&-Johnson-Impfstoffes verabreicht worden. In acht Fällen war es zu sogenannten Sinusvenenthrombosen gekommen, Blutgerinnseln in den Hirnvenen. Zusätzlich war eine Thrombozytopenie, also ein Mangel an Blutplättchen, gemeldet worden. Betroffen waren vor allem Frauen im Alter unter 60 Jahren.

Auch bei AstraZeneca waren hauptsächlich jüngere Frauen von den Nebenwirkungen betroffen. Ein ursächlicher Zusammenhang mit der Impfung sei plausibel, schrieb  das für Impfstoffsicherheit zuständige Paul-Ehrlich-Institut. Das gleichzeitige Auftreten des Blutplättchenmangels und der Gerinnsel sei auffällig. Das Mittel wird in Deutschland nur noch für Menschen über 60 Jahre empfohlen.

Die US-amerikanischen Behörden wollen sich am Freitag zu ihren Erkenntnissen bezüglich Johnson & Johnson und dem weiteren Vorgehen äußern. Es wird mit einer Wiederaufnahme des Einsatzes des Mittels gerechnet, womöglich mit gewissen Restriktionen – vermutlich wird es, wie AstraZeneca, dann nur noch Älteren verabreicht.

Mögliche Ursachen der Nebenwirkungen

Möglicherweise handelt es sich bei dem US-Impfstoff um ähnliche Autoimmunreaktionen wie bei AstraZeneca. Denn die Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson basieren auf der gleichen Wirkungsweise. Beides sind Vektorimpfstoffe, bei denen ein ungefährlicher Vektor als Transportvehikel eingesetzt wird, der genetische Anweisungen an die Zellen übermittelt, ein bestimmtes Protein von Sars-CoV-2 zu produzieren. Auf diese Weise wird das Immunsystem auf die Bekämpfung des Virus vorbereitet.

Bereits zwei Forschungsgruppen haben erste Studien dazu veröffentlicht, warum betroffene AstraZeneca-Geimpfte die schweren Probleme entwickelten. Die Teams aus Deutschland und Norwegen entdeckten denselben zugrundeliegenden Mechanismus: Im Blut der Patientinnen und Patienten fanden sich größere Mengen von Antikörpern, die die Blutplättchen angreifen. In ihrem Körper fand also eine Autoimmunreaktion statt, bei der das Immunsystem körpereigene Strukturen attackiert.

Durch den Angriff der Antikörper werden die Blutplättchen aktiv und verklumpen, wie sie es auch tun würden, um eine Wunde zu verschließen. Infolgedessen bilden sich Gerinnsel – und die Zahl der freien Blutplättchen im Blut sinkt, es entsteht also der beobachtete Mangel.

Bislang ist unklar, auf welchem Weg die Impfung den Angriff der Antikörper auf die Blutplättchen in Gang setzt.

kry/AFP/dpa
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