Ausbreitung Wo das Coronavirus in Deutschland leichtes Spiel hat

Das Coronavirus breitet sich in Deutschland aus. Experten warnen vor überforderten Ärzten, Ämtern und Kliniken. Lesen Sie hier die SPIEGEL-Titelstory.
Fast ausverkauft: Atemschutzmasken in einem Baumarkt

Fast ausverkauft: Atemschutzmasken in einem Baumarkt

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance/ dpa

Von Jörg Blech, Kristina Gnirke, Hubert Gude, Veronika Hackenbroch, Nils Klawitter, Martin U. Müller, Christian Parth, Cornelia Schmergal, Christoph Schult, Samiha Shafy, Julia Smirnova, Frank Thadeusz, Bernhard Zand

Der Karneval in Gangelt-Langbroich ist eine große Sache; Bernd B. bereitet sich seit dem vergangenen Sommer auf die tollen Tage in seiner niederrheinischen Heimat vor. Der 47-Jährige, der im Nachbarort gemeinsam mit seinem Bruder seit 1999 eine Immobilienfirma mit sechs Mitarbeitern führt, tanzt im Männerballett des örtlichen Karnevalsvereins Langbröker Dicke Flaa.

Am 15. Februar, einem Samstag, besucht er die traditionelle Kappensitzung in der Langbroicher Bürgerhalle. Die rund 300 Narren feiern bis in den späten Abend. Zu diesem Zeitpunkt trägt Bernd B. das hoch ansteckende Coronavirus Sars-CoV-2 vermutlich bereits in sich.

Gut eine Woche später verschlechtert sich sein Zustand dramatisch. Am Rosenmontag fährt er mit seiner Frau ins knapp 30 Kilometer entfernte Hermann-Josef-Krankenhaus von Erkelenz. Gegen 11.15 Uhr betreten die beiden die Klinik. B. ist kaum noch ansprechbar. Er kommt auf die Intensivstation, wird isoliert. Die Ärzte vermuten Influenza. Doch das Testergebnis ist negativ.

In der Nacht geht es weiter bergab mit B.s Befinden, er muss künstlich beatmet werden. Nun wird den Ärzten klar: Die Symptome deuten auf das neuartige Coronavirus hin - obwohl B. in den vergangenen Wochen nach allem, was man bislang weiß, weder in China oder Südkorea war, noch in Italien oder Iran. Die Ärzte entnehmen Sekret aus der Lunge, am Fastnachtsdienstag gegen Mittag bringt ein Rettungswagen die Probe mit Blaulicht ins Labor der Düsseldorfer Uniklinik. Um 17 Uhr meldet der zuständige Virologe per Telefon den Kollegen in Erkelenz den positiven Befund.

DER SPIEGEL 10/2020
Foto: cgs

Weltviruskrise

Wie wahrscheinlich ist ein Corona-Crash, und wie gefährlich wird die Epidemie in Deutschland?

Zur Ausgabe

Um 0.30 Uhr in der Nacht auf Aschermittwoch wird B. auf eine Isolierstation der Düsseldorfer Uniklinik verlegt und an eine künstliche Lunge angeschlossen. Sein Zustand ist kritisch, er kämpft um sein Leben. Mit ihm wird auch seine Frau verlegt. Ihr Test war zunächst negativ ausgefallen, erst bei einer zweiten Probe am Mittwoch wird auch bei ihr das Virus nachgewiesen.

Die beiden sind die ersten Coronavirus-Patienten in Nordrhein-Westfalen.

Fast gleichzeitig tauchten auch in Baden-Württemberg Fälle auf: Ein 25-Jähriger aus dem Kreis Göppingen, der nach Mailand gereist war, hatte sich infiziert, ebenso seine 24-jährige Begleiterin aus Tübingen. Die wiederum steckte ihren 60-jährigen Vater an, Oberarzt in der Pathologie am Tübinger Universitätsklinikum.

Weil der Pathologe an einem Oberärztetreffen teilgenommen hatte, teilte das Klinikum mit, habe man ein Dutzend Mediziner getestet und aus der Krankenversorgung herausgenommen.

Jetzt weiterlesen mit SPIEGEL+

Jetzt weiterlesen. Mit dem passenden SPIEGEL-Abo.

Besondere Reportagen, Analysen und Hintergründe zu Themen, die unsere Gesellschaft bewegen – von Reportern aus aller Welt. Jetzt testen.

  • Alle Artikel auf SPIEGEL.de frei zugänglich.

  • DER SPIEGEL als E-Paper und in der App.

  • Einen Monat für 1,- € testen.

Einen Monat für 1,- €
Jetzt für 1,- € testen

Sie haben bereits ein Digital-Abonnement? Hier anmelden

Weiterlesen mit SPIEGEL+

Mehr Perspektiven, mehr verstehen.

Freier Zugang zu allen Artikeln, Videos, Audioinhalten und Podcasts

  • Alle Artikel auf SPIEGEL.de frei zugänglich

  • DER SPIEGEL als E-Paper und in der App

  • DER SPIEGEL zum Anhören und der werktägliche Podcast SPIEGEL Daily

  • Nur € 19,99 pro Monat, jederzeit kündbar

Sie haben bereits ein Digital-Abonnement?

SPIEGEL+ wird über Ihren iTunes-Account abgewickelt und mit Kaufbestätigung bezahlt. 24 Stunden vor Ablauf verlängert sich das Abo automatisch um einen Monat zum Preis von zurzeit 19,99€. In den Einstellungen Ihres iTunes-Accounts können Sie das Abo jederzeit kündigen. Um SPIEGEL+ außerhalb dieser App zu nutzen, müssen Sie das Abo direkt nach dem Kauf mit einem SPIEGEL-ID-Konto verknüpfen. Mit dem Kauf akzeptieren Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärung.