Folgen der Pandemie Coronavirus erhöht Todesraten in mindestens acht europäischen Staaten

Auch ohne das Coronavirus sterben jede Woche Zehntausende Menschen in Europa. Wie tödlich allein dieser Erreger ist, verrät daher nur der Vergleich zur üblichen Zahl der Toten. Hier zeigt sich in mehreren Staaten ein klarer Anstieg.
Intensivstation: Für Deutschland hat nur Hessen Daten übermittelt

Intensivstation: Für Deutschland hat nur Hessen Daten übermittelt

Foto: Jens Büttner/ DPA

Eigentlich sollten die Todeszahlen von Corona-Infizierten dabei helfen, die Gefährlichkeit der Krankheit einzuschätzen. Tatsächlich ist es nicht so einfach. Am Coronavirus sterben viele Menschen mit Vorerkrankungen. Ob das Virus verantwortlich war für ihren Tod oder ihre Vorerkrankung, lässt sich nicht immer sagen. In beiden Fällen fließen die Todesfälle in die aktuelle Corona-Statistik ein.

An der gab es deshalb zuletzt einige Kritik (mehr dazu lesen Sie hier). Die Vermutung stand im Raum, dass der Ausbruch der Pandemie überschätzt wird. Am Ende des Jahres, so hieß es immer wieder, würden nicht deutlich mehr Menschen gestorben sein als ohne das Virus.

Das Projekt Euromomo erfasst  für 24 europäische Staaten wochenweise, ob es mehr Todesfälle gibt, als üblicherweise zu erwarten wären. Noch in der vorvergangenen Woche war in der Gesamtstatistik über alle erfassten Länder kaum ein Ausschlag zu erkennen, allerdings warnte Euromomo, dass die Zahlen mit Vorsicht betrachtet werden müssten, da sie teils verzögert gemeldet würden.

Ungefähr 10.000 Tote zusätzlich

Das gilt auch noch für die vergangene Woche. Allerdings ist in der Gesamtstatistik nun ein deutlicher Ausschlag zu erkennen. Statt der erwarteten knapp 60.000 Toten sind in den meldenden Staaten in Kalenderwoche 14 im Schnitt knapp 70.000 Menschen gestorben.

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2? Was die Bezeichnungen bedeuten.

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom "neuartigen Coronavirus".

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen "Sars-CoV-2" ("Severe Acute Respiratory Syndrome"-Coronavirus-2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde "Covid-19" (Coronavirus-Disease-2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

"Die jüngsten Schätzungen des Euromomo-Netzwerks zeigen einen starken Anstieg der Gesamtmortalität in den teilnehmenden europäischen Ländern im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie", schreiben die Forscher.

Der Anstieg geht im Wesentlichen auf sechs Staaten zurück, in denen die Gesundheitsversorgung teils durch die Corona-Pandemie die Kapazitätsgrenzen überschritten hat oder in Teilen zusammengebrochen ist, etwa Italien, Frankreich, Spanien und England, das in der Statistik gelöst von Großbritannien vorkommt. Deutlich erhöht ist die Sterberate der Statistik zufolge aber auch in der Schweiz und den Niederlanden.

In fünf dieser sechs Staaten sind zuletzt so viele Menschen gestorben wie zu keinem anderen Zeitpunkt, keiner Grippewelle und keinem anderen Ereignis seit Beginn der Erfassung Ende 2015. In Frankreich ist die Rate ähnlich hoch wie zur schweren Grippesaison 2016/2017.

Auch in der jüngeren Altersgruppe steigt die Todesrate

Nicht ganz so extrem ist die Lage in Belgien, allerdings sind auch dort vergangene Woche deutlich mehr Menschen gestorben, als zu erwarten gewesen wäre. In Portugal ist die Todesrate leicht erhöht. Für Deutschland liegen aktuell nur Daten aus Hessen vor, dort gibt es derzeit keine auffälligen Werte.

Auffällig in der Gesamtauswertung ist auch, dass nicht nur mehr alte Menschen sterben. Zwar gehe der Großteil der zusätzlichen Todesfälle auf Menschen über 65 Jahre zurück, schreibt Euromomo, aber auch in der Gruppe der 15- bis 64-Jährigen sei ein Anstieg zu beobachten.

Noch sind auch diese Daten nicht endgültig, warnen die Forscher. Je weiter die Pandemie voranschreitet, desto genauer wird erkennbar sein, wie viele Menschenleben der Ausbruch tatsächlich gefordert hat.

Anmerkung der Redaktion: Im Artikel fehlte zunächst die Niederlande als Staat mit ebenfalls stark erhöhten Todeszahlen. Wir haben die Angabe ergänzt.