Dringender Appell Experten warnen vor bedrohlicher Situation für Krebspatienten durch Corona

Wenn die Corona-Zahlen nicht sinken, droht ein Versorgungsmangel auch für andere schwer kranke Patienten: Krebsorganisationen appellieren nun an die Bevölkerung, die Maßnahmen einzuhalten.
Klinik in Baden-Württemberg: Viele OPs werden verschoben

Klinik in Baden-Württemberg: Viele OPs werden verschoben

Foto: Felix Kästle/ dpa

Krebsexperten haben vor einer »bedrohlichen Situation« für Krebspatienten durch die steigende Zahl von Corona-Infektionen in Deutschland gewarnt. Die Corona-Pandemie bringe die Kliniken an die Belastungsgrenze, was die Versorgung von Menschen mit schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs deutlich beeinträchtige, erklärten das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Krebsgesellschaft am Montag.

»Immer mehr onkologische Eingriffe werden verschoben, diagnostische Untersuchungen und Nachsorge teilweise stark zurückgefahren«, hieß es in einer Mitteilung . »Die Situation an den Kliniken wird täglich enger: Wir haben anhaltend hohe Infektionszahlen, aber nur eine begrenzte Zahl an Intensivbetten. Quarantänemaßnahmen dünnen die ohnehin knappe Personaldecke weiter aus.«

Bei einer weiteren Verschärfung könne eine Versorgung aller schwer kranken Menschen nicht mehr gewährleistet werden, warnte DKFZ-Vorstandschef Michael Baumann. Dazu zählten insbesondere »die 1400 Patienten, die Tag für Tag neu an Krebs erkranken«.

Situation wesentlich angespannter als im Frühjahr

Auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krebshilfe, Gerd Nettekoven, hält die Lage für dramatisch. Die Situation an den Kliniken sei wesentlich angespannter als während der ersten Phase der Pandemie. »Das Gesundheitssystem vor einem Kollaps zu bewahren, ist jetzt nicht nur Aufgabe der Politik, sondern auch unserer Gesellschaft – nicht zuletzt im Sinne der vielen Krebspatienten in unserem Land, die alle gut versorgt werden müssen«, sagte Nettekoven.

Die drei Fachorganisationen appellierten an die Bevölkerung, die von der Politik beschlossenen Corona-Schutzmaßnahmen unbedingt ernst zu nehmen. Wer sich vor Infektionen schütze, schütze auch Krebspatientinnen und -patienten und Menschen mit anderen schweren Erkrankungen. Bereits während der ersten Corona-Welle war die Versorgung von Krebspatienten eingeschränkt. Zehntausende Krebsoperationen wurden der Mitteilung zufolge damals verschoben.

kry/AFP

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