Corona-Reinfektionen mit Mutante Was, wenn es zurückkommt?

Im Brasilien haben sich zwei Frauen innerhalb weniger Monate mehrfach mit dem Coronavirus infiziert. In beiden Fällen war eine neue Viruslinie für die Ansteckung verantwortlich.
Temperaturtest in Brasilien: Mehr als 200.000 Menschen in dem Land sind in Folge einer Corona-Infektion gestorben

Temperaturtest in Brasilien: Mehr als 200.000 Menschen in dem Land sind in Folge einer Corona-Infektion gestorben

Foto: Edmar Barros / dpa

Seit Ende August 2020 ist bekannt, dass sich vereinzelt Menschen mehrfach mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infizieren. Die bisher bekannten Daten legen nahe, dass es sich um seltene Ausnahmen handelt. Forschern bereiteten sie bislang wenig Grund zur Sorge, doch nun sind in Brasilien kurz hintereinander zwei Mehrfachinfektionen bekannt geworden, die Aufmerksamkeit erregen.

Die neuen Fälle sind in einem Punkt besonders: Die Zweitinfektionen der Betroffenen fanden mit einer Virusvariante statt, die eine möglicherweise problematische Mutation trägt. Die Genveränderung mit der Bezeichnung E484K kommt auch in der wahrscheinlich ansteckenderen, kürzlich in Südafrika dokumentierten Corona-Mutante vor.

Laboruntersuchungen legen nahe, dass Antikörper gegen Virusformen mit der Mutation E484K weniger wirksam sind. Ersten Untersuchungen zufolge binden sie schwächer an diese Viren und können sie daher nicht so verlässlich unschädlich machen. Das könnte Reinfektionen erleichtern und auch die Effektivität von Impfstoffen beeinflussen. Genauere Prüfungen laufen noch.

Zwei Fälle, ähnliche Virusvarianten

Die Fälle in Brasilien betreffen zwei Mitarbeiterinnen des Gesundheitswesens aus dem Nordosten des Landes. Eine 37-Jährige sei im Juni und Oktober 2020 an Covid-19 erkrankt und im Abstand von knapp vier Monaten zweimal positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden, berichten brasilianische Forscher in einer noch nicht von Fachkollegen geprüften Studie .

»Die Sequenzierung des gesamten Genoms ergab, dass die beiden Infektionen durch die brasilianischen Sars-CoV-2-Linien B.1.1.33 und B.1.1.28 verursacht wurden«, heißt es darin. Die Variante B.1.1.28 sei wahrscheinlich Ende August im Bundesstaat Rio de Janeiro entstanden und trage die Genvariante E484K, die auch aus einer neuen Virusform aus Südafrika bekannt sei.

Der zweite Fall betrifft eine 45-jährige Frau, die mit einem Abstand von etwa fünf Monaten im Mai und Oktober infiziert war. Auch sie hatte sich zunächst mit der Virusvariante B.1.1.33 angesteckt, schreiben Forscher in einem ebenfalls noch nicht fachgeprüften Bericht . Die zweite Infektion führen Experten auf die Variante B.1.1.248 zurück, die eng verwandt ist mit der B.1.1.28-Linie aus dem anderen Fall.

Weiter Hoffnung auf wirksamen Impfstoff

»Bis heute besteht Unsicherheit darüber, wie lange die schützenden Immunantworten gegen Sars-CoV-2 bestehen bleiben«, so die Wissenschaftler. Die in jüngerer Zeit in Großbritannien, Südafrika und zuletzt auch in Brasilien beschriebenen Mutationen am Spike-Protein böten mit Blick auf Infektiosität, Reinfektionen und Immunreaktion Anlass zur Sorge.

Mithilfe des Spike-Proteins dringt das Coronavirus in menschliche Zellen vor. Die Corona-Impfstoffe zielen darauf ab, das Immunsystem auf dieses Protein scharfzustellen.

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Der Molekularbiologe Ali Nouri, Präsident der Federation of American Scientists, schrieb auf Twitter mit Blick auf den Bericht über die Reinfektion der 45-Jährigen von einem »entmutigenden« Fall, verwies aber auch darauf, dass Einzelfälle nicht ausreichten, um endgültige Schlüsse zu ziehen. Laut Nouri besteht weiterhin die Hoffnung, dass Impfstoffe, die die Produktion von sehr passgenauen Antikörpern gegen das Virus ankurbeln, trotzdem vor den neuen Varianten schützen  werden.

Zufall oder ursächlicher Zusammenhang?

Auch in Großbritannien wurde jüngst eine Reinfektion mit der dort vermehrt kursierenden, ansteckenderen Corona-Mutation B.1.1.7 dokumentiert. Ein 78-jähriger Mann mit Vorerkrankungen hatte sich zunächst im April angesteckt und erkrankte acht Monate später, im Dezember 2020, an der neuen Viruslinie, wie Forscher auf der Website des Fachmagazins »Clinical Infectious Dieseases«  berichten.

Die neue Virusvariante aus Großbritannien trägt allerdings nicht die mit Blick auf die Wirkung von Antikörpern problematische E484K-Mutation. Bisherige Tests deuten stattdessen darauf hin, dass Antikörper gegen vorherige Sars-CoV-2-Linien auch die B.1.1.7-Variante verlässlich eindämmen. Experten gehen davon aus, dass die Impfstoffe wirksam sind. Eine Reinfektion wäre dann ähnlich unwahrscheinlich wie bei früheren Viruslinien.

Auch mit Blick auf die E484K-Mutation muss sich noch zeigen, ob Mehrfachinfektionen tatsächlich häufiger sind als mit anderen Virusvarianten. Laut einer aktuellen Studie erinnert sich das Immunsystem bei den meisten Menschen auch acht Monate nach einer Infektion noch an das Virus und kann es bekämpfen. Dennoch mahnen Experten zur Vorsicht.

Geringere Fallzahlen, geringeres Risiko

»Die hier vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass eine frühere Exposition gegenüber Sars-CoV-2 möglicherweise nicht in allen Fällen eine Immunität garantiert«, schreiben Forscher mit Blick auf den Fall der 37-Jährigen in Brasilien. Das verdeutliche, dass auch Personen, die bereits infiziert waren, sich weiter an Schutzmaßnahmen halten sollten.

Die Immunantwort der Menschen, die sich mehrfach infiziert hätten, müsse nun genauer untersucht werden, so die Fachleute weiter. Sie könne Hinweise darauf liefern, wie es zu Mehrfachinfektionen komme.

In den vergangenen Wochen haben Forscher immer wieder betont, dass es auch und insbesondere mit Blick auf die neuen, wahrscheinlich ansteckenderen Virusvarianten entscheidend sei , die Corona-Fallzahlen gering zu halten, um auch die neuen Viruslinien zurückzudrängen. Nouri warnt zudem: »Unser Versäumnis, die Pandemie zu kontrollieren, gibt dem Virus mehr Möglichkeiten, zu mutieren.«

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