Covid-19-Antikörper Die Hoffnung im Lama

Lamas sind dem Menschen gegenüber im Vorteil: Sie bilden besondere Antikörper, mit denen Forscher nun einen Durchbruch in der Bekämpfung von Covid-19 erzielen wollen.
Auch aus der Familie der Kamelide: Alpakas in den USA (Symbolbild)

Auch aus der Familie der Kamelide: Alpakas in den USA (Symbolbild)

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Cynthia Valdez/ Cavan Images/ imago images

"Winter" ist vier Jahre alt, hat schokoladenbraunes Fell und lange Wimpern: Das Lama-Weibchen lebt in Belgien und gilt als neue große Hoffnung im Kampf gegen Covid-19. Zumindest, wenn es nach den Forschern geht, die in dem Lama Antikörper gefunden haben, die Sars-CoV-2 neutralisieren könnten.

Die belgischen Wissenschaftler veröffentlichten zusammen mit US-amerikanischen Kollegen der Universität von Texas ihre Ergebnisse im Fachjournal "Cell" . Bereits vor vier Jahren begannen die Forscher der "New York Times" zufolge  nach Antikörpern zu suchen, die verschiedene Coronaviren wie etwa Sars und Mers neutralisieren können. Sie gaben dem Lama "Winter" also ungefährliche Dosen des Sars- und Mers-Virus und stellten fest, dass es daraufhin unterschiedliche Antikörper bildete, die die Viren neutralisierten.

"Die Arbeit war ein Nebenprojekt, das 2016 gestartet ist", sagte Xavier Saelens, der dem belgischen Teil der Wissenschaftlergruppe angehört, laut der Agentur Reuters. "Dann kam das neue Coronavirus, und auf einmal wurde es dringender und wichtiger." Denn als die Wissenschaftler den Lama-Antikörper, der Sars neutralisieren konnte, in Zellkulturen im Labor mit Sars-CoV-2 zusammenbrachten, sahen sie, dass diese auch an das neue Virus binden konnten.

Der entscheidende Antikörper?

Lamas werden in der Wissenschaft schon länger bei der Suche nach spezifischen Antikörpern erforscht. Während Menschen nur eine Art von Antikörpern bilden, die aus zwei Proteinketten bestehen, die eine Y-Form bilden, produzieren Lamas zwei Antikörpertypen. Einer davon ähnelt in der Größe und Beschaffenheit dem menschlichen. Der andere ist sehr viel kleiner und wird Nanokörper genannt.

Dieser Antikörper ist ein genetisch charakteristisches Merkmal, das Lamas mit allen Kameliden teilen - der Familie der Säugetiere, zu der auch Alpakas, Guanakos und Dromedare gehören. Auch Haie haben diese kleinen Antikörper in sich, sie eignen sich jedoch nicht so gut für wissenschaftliche Studien wie die an Menschen gewöhnten Lamas.

Weil sie so winzig sind, können Nanokörper auch an kleine Spalten und Ritzen der Spike-Proteine binden, an die menschliche Antikörper aufgrund ihrer Größe nicht herankommen. Die Spike-Proteine wiederum ermöglichen es dem Virus, in seine Wirtszellen einzudringen und sie zu infizieren. Wenn diese Andockstellen also außer Gefecht gesetzt sind, kann das Virus nicht eindringen.

Das Problem, dass die Nanokörper nicht im menschlichen Körper vorkommen, ließe sich lösen, sagt Studienautor Saelens. Die kleinen Antikörper von Lamas ließen sich sehr leicht manipulieren. "Sie können mit anderen Antikörpern, einschließlich menschlicher Antikörper, verknüpft oder fusioniert werden und bleiben trotz dieser Manipulationen stabil."

Die Forscher erhoffen sich nun, dass die Antikörper als vorbeugende Behandlung eingesetzt werden könnten: Sie könnten jemandem injiziert werden, der noch nicht infiziert ist, um ihn vorübergehend vor dem Virus zu schützen. Bevor das möglich sein könnte, müssten jedoch zunächst klinische Studien durchgeführt werden, die einige Monate dauern würden. Reuters zufolge hoffen die Wissenschaftler darauf, dass diese Ende des Jahres starten könnten. "Wenn es klappt, verdient 'Winter' eine Statue", sagt Saelens.

Theoretisch können Antikörper für eine sogenannte passive Immunisierung sorgen. Dabei werden Antikörper injiziert, etwa von Patienten, die die Erkrankung bereits überstanden haben. Sie sollen im Körper nun den Erreger bekämpfen. Der Körper baut sie jedoch mit der Zeit wieder ab, der Effekt ist also nicht von Dauer.

kry
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