Donald Trump und Elon Musk Forscher warnen vor medizinischen Tipps von Prominenten

Glaubt man US-Präsident Trump, liegt die Lösung für die Coronakrise nah: Mal lobt er ein Malariamedikament, mal erwägt er Lichttherapie. Eine Studie untersucht nun die Folgen solcher Äußerungen.
US-Präsident Trump spricht über den Wirkstoff Hydroxychloroquin (Archivbild): "Größter Game Changer in der Medizingeschichte"

US-Präsident Trump spricht über den Wirkstoff Hydroxychloroquin (Archivbild): "Größter Game Changer in der Medizingeschichte"

Foto: Joshua Roberts/ REUTERS

In der Coronakrise steigt die Nachfrage nach unerprobten und möglicherweise sogar gefährlichen Medikamenten, sobald sie von prominenten Menschen empfohlen wurden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie , die im Fachmagazin "JAMA Internal Medicine" veröffentlicht wurde. Demnach erhöhte sich in den USA die Zahl der Google-Suchanfragen nach zwei Malariamedikamenten im März deutlich, nachdem erst Tesla-Chef Elon Musk und danach US-Präsident Donald Trump sie als möglicherweise wirksame Mittel gegen das neuartige Coronavirus beworben hatten.

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Suchanfragen danach, wo man den Wirkstoff Chloroquin kaufen kann, schnellten der Studie zufolge um rund 450 Prozent in die Höhe. Die Anfragen nach dem Wirkstoff Hydroxychloroquin hätten sogar um knapp 1400 Prozent zugenommen, schreibt das Team von den Universitäten Oxford, Harvard, San Diego und Johns Hopkins. Das Interesse der Google-Nutzer an den beiden Mitteln sei auch dann noch überdurchschnittlich hoch geblieben, als bereits ein erster Chloroquin-Vergiftungsfall  bekannt geworden war.

Nur Suchanfragen mit Kaufinteresse berücksichtigt

Die Forscher nutzten Google Trends, ein öffentlich zugängliches Suchmaschinen-Archiv, und analysierten Anfragen mit den Begriffen Chloroquin und Hydroxychloroquin zwischen Anfang Februar und Ende März. Die ersten Äußerungen von Musk und Trump fielen in die Woche ab dem 16. März. Um nur solche Suchanfragen herauszufiltern, die von einem Kaufinteresse geleitet wurden, berücksichtigten die Wissenschaftler lediglich Begriffskombinationen aus den jeweiligen Wirkstoffen und Wörten wie "kaufen", "bestellen" oder den Namen großer Onlinehändler. Danach verglichen sie das Ergebnis mit der Häufigkeit früherer Suchanfragen zu diesen Begriffen.

"Die vorliegende Analyse legt nahe, dass die Nachfrage nach ungeprüften und womöglich riskanten Covid-19-Behandlungen in Zeiten von Krisen des Gesundheitswesens durch Werbung massiv ansteigt", schreibt das internationale Forscherteam. "Therapien, die nicht durch ausreichende Nachweise gestützt werden, sollten nicht von Personen des öffentlichen Lebens angepriesen werden."

Hydroxychloroquin könnte Sterblichkeitsrate sogar erhöhen

Das Bewerben solcher Medikamente könne "zur unbeaufsichtigten Anwendung mit gefährlichen Konsequenzen für die Menschen, die sie einnehmen, führen", heißt es weiter. Zudem könne es passieren, dass die Mittel gehamstert würden - und dann denen fehlten, die sie wirklich bräuchten.

Die Weltgesundheitsorganisation warnte schon Ende März davor, Medikamente gegen das Coronavirus einzusetzen, deren Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist. In einer vor wenigen Tagen als Vorabdruck veröffentlichten US-Studie  wiesen Covid-19-Patienten, die Hydroxychloroquin erhalten hatten, sogar eine höhere Sterblichkeitsrate auf als die der Vergleichsgruppe.

jki/dpa