Covid-19 Forschungsministerin rechnet mit Impfstoff frühestens Mitte 2021

Die Bundesregierung hat ein Sonderprogramm ins Leben gerufen, das die Corona-Impfstoffentwicklung beschleunigen soll. Gleichzeitig wurden Hoffnungen gedämpft, noch in diesem Jahr ein Mittel gegen das Virus zu haben.
Impfung einer Patientin (Symbolbild)

Impfung einer Patientin (Symbolbild)

Foto: Ole Spata/ dpa

Einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus wird es vermutlich frühestens Mitte kommenden Jahres geben. Das sagte die Forschungsministerin Anja Karliczek bei einer Pressekonferenz zum Sonderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zur Beschleunigung der Impfstoffentwicklung gegen Sars-CoV-2. "Nach wie vor können wir bei all unseren Anstrengungen keine Wunder erwarten."

Mit dem Programm wolle die Bundesregierung die Bedingungen für die Impfstoffentwicklung in Deutschland verbessern, so Karliczek. "Es soll so viel Impfstoff wie möglich und so schnell wie möglich verfügbar sein." Vor der Zulassung müsse jedoch immer die Sicherheit des Impfstoffs geprüft werden.

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Am Mittwoch hatte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) einen zweiten Impfstoffkandidaten für klinische Studien zugelassen. Das Tübinger Unternehmen Curevac testet seinen Impfstoffkandidaten zunächst an gesunden Probanden. Klinische Studien verlaufen in mehreren Phasen, um die Sicherheit und Wirksamkeit eines Impfstoffs zu prüfen. Bereits vor einigen Wochen hatte das PEI betont, dass der Drang nach Schnelligkeit nicht die Genauigkeit der Impfstoffprüfung übertreffen dürfe.

Klinische Prüfung der Impfstoffentwicklung in drei Phasen

Bis ein Impfstoff zugelassen wird, muss er in drei Phasen klinisch geprüft werden. Damit das Paul-Ehrlich-Institut einen potenziellen Impfstoff für eine klinische Studie am Menschen zulässt, muss ein Hersteller zunächst Daten vorlegen, dass der Stoff bereits ausreichend präklinisch getestet wurde – etwa in Tierversuchen.

Phase I: Der Impfstoff wird einer kleinen Gruppe von freiwilligen Gesunden verabreicht. Es wird beobachtet, ob das Mittel den Zielbereich im Körper erreicht und dabei keine akuten Nebenwirkungen auftreten.

Phase II: Erst wenn die Phase I erfolgreich war, kann der Impfstoff in Phase II einer größeren Teilnehmerzahl verabreicht werden, die der Risikogruppe entstammen. Im Fall von Covid-19 wären das ältere Personen oder Menschen mit Vorerkrankungen. In dieser Phase werden die Wirksamkeit des Impfstoffs bei der Verhinderung der Krankheit und die geeignete Dosierung getestet.

Phase III: Danach kann der Impfstoff an einer repräsentativen Gruppe von Freiwilligen getestet werden – bis zu 10.000 Probanden werden dabei geimpft. In Phase III werden die Wirksamkeit, die Sicherheit sowie die Dosierung der Impfung bestätigt. Unerwünschte Ereignisse, wie etwa ein besonders schwerer Krankheitsverlauf durch die Gabe des Impfstoffs, können ausgeschlossen werden.

Selbst wenn einer der nun zugelassenen Impfstoffkandidaten also vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 schützt, muss erst ausreichend geprüft werden, dass er keine Risiken berge. Eine Möglichkeit, die klinischen Studien etwas zu beschleunigen, sei es, kurz vor der Zulassung in den späten klinischen Studien die Probandenzahl auszuweiten, sagte Karliczek.

Sie betonte die Freiwilligkeit der Studienteilnahme. Und auch auf die Frage nach einer Covid-19-Impfpflicht versicherte die Ministerin: "In einer Studie kann ich immer nur freiwillig Probanden einbeziehen, für die ganze Bevölkerung kommt das nicht infrage", sagte Karliczek. "Und auch danach wird das Impfen freiwillig bleiben."

"Es wird nicht die letzte Pandemie gewesen sein"

Die Entwicklung des Impfstoffs sei nur der erste Schritt, sagte die Ministerin. Es müsse auch sichergestellt werden, dass es dann genügend Impfstoffdosen gebe. "Die Kapazitäten sind begrenzt", sagte sie. Man müsse jetzt und für die Zukunft dafür sorgen, dass in Deutschland zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden - auch mit Blick auf die ganze Welt.

Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Klaus Cichutek, betonte die Wichtigkeit dieses Schritts: "Ganz klar brauchen wir große Produktionskapazitäten", sagte er. "Es geht um einen weltweiten Bedarf." Davon könne man auch langfristig profitieren: "Es wird nicht die letzte Pandemie gewesen sein."

Derzeit laufen weltweit elf klinische Studien. "Die Impfstoffentwicklung läuft auf Hochtouren, mehr als hundert Impfstoffe sind in der Entwicklung", sagte Marylyn Addo, Leiterin der Infektiologie am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg. "In diesem Tempo hat es so etwas noch nie gegeben: Im Dezember wurden die ersten Fälle bekannt, und bereits im März wurde die erste Person mit einem möglichen Impfstoff geimpft." Prozesse würden zwar beschleunigt und parallelisiert, aber die Sicherheit eines Impfstoffs habe dennoch die höchste Priorität. "Da werden keine Abkürzungen genommen", sagte sie.

Der Impfstoff werde hoffentlich einen großen Beitrag dazu leisten, dass die Welt gut aus der Pandemie herauskomme, so Addo. "Aber es wird trotzdem nur ein Baustein in der Gesamtsituation bleiben. Wir müssen dennoch auch weitere Maßnahmen vorantreiben, wie etwa die Entwicklung von Therapeutika gegen Covid-19."

kry
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