Studie aus Israel Gefahr von Herzmuskelentzündung durch Covid-19 höher als durch Impfung

Wer an Covid-19 erkrankt, hat ein etwa vierfach höheres Risiko, eine Herzmuskelentzündung zu bekommen, als durch eine Impfung. Das ist das Ergebnis einer Datenanalyse von rund 1,7 Millionen Geimpften und Ungeimpften.
Ein Mann wird in Israel gegen das Coronavirus geimpft

Ein Mann wird in Israel gegen das Coronavirus geimpft

Foto: Nir Elias / REUTERS

Nach einer Coronaimpfung haben die meisten Menschen milde Impfreaktionen: Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Müdigkeit, manchmal Fieber. In seltenen Fällen können jedoch auch schwere Nebenwirkungen auftreten. Bei den mRNA-Impfstoffen der Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna wurden hauptsächlich bei jungen Menschen – vor allem männlichen – vereinzelt Herzmuskelentzündungen gemeldet.

Eine groß angelegte Studie aus Israel, die am Mittwoch im Fachmagazin »New England Journal of Medicine« (NEJM) veröffentlicht wurde , bestätigt das erhöhte Risiko. Gleichzeitig belegt die Untersuchung, was Ärzte und Ärztinnen bereits mehrfach beobachtet haben: Das Risiko einer Herzmuskelentzündung bei einer Erkrankung mit Covid-19 ist deutlich höher.

Die Forscherinnen und Forscher analysierten die Daten von insgesamt rund 1,7 Millionen Menschen, von denen die eine Hälfte geimpft und die andere ungeimpft war. Dabei fanden sie heraus, dass im Schnitt 2,7 von 100.000 Geimpften in den ersten 42 Tagen nach der Impfung eine Herzmuskelentzündung entwickeln. Bei denjenigen, die an Covid-19 erkrankten, waren es elf von 100.000 Personen.

Der Altersmedian unter den an der Studie teilnehmenden Geimpften lag bei 38 Jahren, bei denen, die sich mit Sars-CoV-2 infizierten, waren es 34 Jahre. 48 Prozent der geimpften Teilnehmenden waren weiblich, bei den Infizierten waren es 54 Prozent. Unter den 21 Geimpften, die eine Herzmuskelentzündung entwickelten, war das durchschnittliche Alter 25. 90,9 Prozent von ihnen waren männlich.

Neben dem Myokarditis-Risiko listen die Forschenden noch weitere Nebenwirkungen nach einer Impfung mit Comirnaty, dem Impfstoff von Biontech/Pfizer, der in Israel fast ausschließlich gespritzt wurde, auf: Einige der Probandinnen und Probanden hatten geschwollene Lymphknoten, Blinddarmentzündungen oder Gürtelrose. Diese Nebenwirkungen traten jedoch sehr selten auf. Eine Infektion mit dem Coronavirus steigerte laut Studie das Risiko für kardiovaskuläre Probleme, Herzattacken und Thrombosen.

Vor allem Männer zwischen 18 und 30 Jahren betroffen

»Falls jemand vor einer Coronaimpfung zurückschreckt, weil er Angst vor einer sehr seltenen und meist nicht sehr bedrohlichen Herzmuskelentzündung hat, zeigt diese Studie, dass das Myokarditis-Risiko für Ungeimpfte, die sich mit dem Coronavirus infizieren, viel höher ist«, sagte Ben Reis, Co-Autor der Studie der »New York Times«. 

Im April gab es erstmals Berichte über Herzmuskelentzündungen, die nach einer Impfung mit dem Coronaimpfstoff von Biontech aufgetreten waren. Es traf vor allem Männer zwischen 18 und 30 Jahren. Die beobachteten Fälle traten meist innerhalb der ersten beiden Wochen nach der Impfung auf.

Bei einer sogenannten Myokarditis kommt es zu einer Entzündung des Herzmuskels, meist als Folge einer Virusinfektion. Die Betroffenen fühlen sich meist schlapp und müde. Drei von vier Patienten bekommen zudem Luftnot oder Brustschmerzen. Im schlimmsten Fall kann die Entzündung das Herz langfristig schädigen und zu Herzrhythmusstörungen oder plötzlichem Herztod führen.

Im aktuellsten Sicherheitsbericht des für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI)  von Ende Juli wurden in Deutschland insgesamt 448 Fälle von Myokarditis oder Perikarditis nach einer Impfung aufgeführt. Betroffen waren demnach mehrheitliche junge Männer im Alter von 18 bis 29 Jahren. Bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren wurden 24 Fälle gemeldet, 22 davon waren männlich.

kry
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