Impfdurchbrüche Geimpfte auf Intensivstation haben fast immer Vorerkrankungen

Der Präsident der Intensivmediziner sagt, welche Patienten trotz vollständiger Impfung schwer erkranken: Sie sind häufig älter und haben chronische Krankheiten. Die meisten Intensivpatienten seien aber ungeimpft.
Künstlich beatmeter Patient (Symbolbild)

Künstlich beatmeter Patient (Symbolbild)

Foto: via www.imago-images.de / imago images/Olaf Döring

Die Zahl der Geimpften auf den deutschen Intensivstationen sei gestiegen, berichtete die Funke Mediengruppe am Dienstag. Die Meldung sorgte für Wirbel: Bringt die Impfung dann gar nichts? Doch Impfdurchbrüche sind erwartbar, denn auch eine vollständige Impfung schützt nicht zu 100 Prozent vor einer Infektion – je höher die Impfquote, desto höher auch die Zahl derer, die sich trotz Impfung mit dem Virus infizieren.

Bei den allermeisten verläuft ein Impfdurchbruch vergleichsweise harmlos. Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) ordnete nun ein, welche Patientinnen und Patienten trotz vollständiger Impfung mit schweren Verläufen auf der Intensivstation liegen. »Die geimpfte Minderheit besteht zu großen Teilen aus älteren Patienten, deren zweite Impfung schon weit zurückliegt«, sagte Gernot Marx dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). »Diese Menschen leiden in aller Regel zudem unter schweren chronischen Krankheiten.« Die meisten Patienten auf der Corona-Intensivstation seien jedoch gar nicht oder nicht vollständig geimpft.

Das geht auch aus Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums hervor, wonach etwa neun von zehn Corona-Intensivpatienten, die im August und September behandelt wurden, nicht vollständig geimpft waren.

Lage unter Kontrolle, aber keine Entspannung

Die Kapazitäten für freie Betten auf den Intensivstationen bezeichnete Divi-Präsident Marx als aktuell relativ stabil. »Im Moment sind wir in einer Plateau-Phase, wir stagnieren bei etwa 1300 Covid-Intensivpatienten. Die Lage ist unter Kontrolle«, sagte er. »Wir sind inzwischen handlungsfähig und haben im Schnitt zwei freie Intensivbetten pro Standort.«

Von einer Entspannung könne aber keine Rede sein. Weiterhin sei Covid-19 für die Intensivmedizin eine große Belastung. Die Lage auf den Intensivstationen werde inzwischen aber »nicht mehr immer und zuallererst von Corona bestimmt«, so Marx. »Wir sind in einer sehr offenen Situation, Prognosen für die kommenden Monate sind kaum möglich.«

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) zuletzt 11.903 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Mittwoch bei 65,4. Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Coronapatienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen – den für eine mögliche Verschärfung der Coronabeschränkungen wichtigsten Parameter – gab das RKI am Dienstag mit 1,70 (Montag: 1,58) an. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungs-Inzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

Die Impfquote liegt in Deutschland bei Erwachsenen offiziellen Angaben zufolge bei rund 75 Prozent. Nach einem Bericht zu einer RKI-Impfbefragung, der vorige Woche erschienen ist, sind hierzulande jedoch vermutlich mehr Menschen geimpft, als die Daten aus dem Meldesystem nahelegen. Es hieß, dass die Quote bei einmal und vollständig Geimpften ab 18 Jahren bis zu fünf Prozentpunkte höher sein dürfte. Bereits im August hatte das RKI von einer »gewissen Unsicherheit« bei der Interpretation von Impfquoten-Daten berichtet.

Drosten hält Aufregung über Impfquote für Klamauk

Das RKI nennt dafür verschiedene Erklärungsansätze, unter anderem, dass in den Befragungen wenig impfbereite Menschen unterrepräsentiert sind. Zudem gibt das RKI an, dass Menschen mit schlechten Deutschkenntnissen nicht an der Befragung teilnehmen können. »Es besteht die Vermutung, dass Sprachbarrieren auch zu einer geringeren Inanspruchnahme der Covid-19-Impfung führen.« Zudem würden bestimmte Impfungen in der Statistik gar nicht erfasst.

Der Berliner Virologe Christian Drosten bezeichnete die Diskrepanz bei den Impfquoten und die damit einhergehende öffentliche Aufregung als »Klamauk« und komplett umsonst. Rechnen müsse man mit der Impfquote der Gesamtbevölkerung (und nicht der Erwachsenen), sagte Drosten: Dabei sei der Unterschied zwischen dem Meldesystem und der RKI-Begleituntersuchung gering und für die Bewertung der Gesamtsituation »irrelevant«. Die Begleitstudie, eine Umfrage, weise auch einige Einschränkungen auf.

kry/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.