Über 80-Jährige und Pflegepersonal zuerst Großbritannien beginnt Massenimpfung

Eine 90-Jährige ist in Großbritannien als Erste gegen das Coronavirus geimpft worden. Bis Jahresende sollen bereits zwei Millionen Briten das Vakzin erhalten. Eine wichtige Rolle wird dabei das Militär spielen.
Impfstoffdosis: In Großbritannien werden die ersten Menschen gegen Corona geimpft

Impfstoffdosis: In Großbritannien werden die ersten Menschen gegen Corona geimpft

Foto: YUI MOK / AFP

Großbritannien hat mit dem Impfen gegen Sars-CoV-2 begonnen. Am Morgen bekam als Erste die 90-jährige Margaret Keenan den Impfstoff gespritzt. Insgesamt sollen zunächst rund sechs Millionen Menschen geimpft werden: Über 80-Jährige, Mitarbeiterinnen und Bewohner in Pflegeheimen sowie besonders gefährdetes medizinisches Personal sollen das Mittel des Mainzer Herstellers BioNTech und seines US-Partners Pfizer zuerst erhalten. Der britische Premierminister Boris Johnson sprach von einem »riesigen Schritt vorwärts«.

Vergangene Woche hatte das Vereinigte Königreich dem Impfstoff von BioNTech und Pfizer eine Notfallzulassung erteilt – noch vor der Europäischen Arzneimittelagentur Ema und der US-amerikanischen FDA. Wie die Vizechefin des nationalen Gesundheitsdiensts NHS, Saffron Cordery, sagte, sollen bis zum Jahresende vier Millionen Dosen mit dem Impfstoff ins Land kommen.

Das würde Impfungen für zwei Millionen Menschen bedeuten, da pro Person zwei Dosen für den vollen Schutz notwendig sind. Insgesamt hat das Land 40 Millionen Dosen bestellt, damit können 20 Millionen Briten geimpft werden – das ist etwas weniger als ein Drittel der Bevölkerung.

Zur Zielgruppe gehören auch die 94-jährige Queen Elizabeth II. und ihr 99-jähriger Mann, Prinz Philipp. Laut einem Bericht der »Sunday Times« wollen sie sich frühzeitig impfen lassen, um ein »mächtiges Gegengewicht zur Bewegung der Impfgegner« zu bieten. Auch der Gesundheitsminister Matt Hancock will sich impfen lassen. Er freue sich bereits auf die Impfung und werde sie erhalten, »wenn es angemessen ist«, sagte er dem Radiosender LBC.

Für die meisten Menschen werde es jedoch noch weit bis ins neue Jahr dauern, bis sie geimpft werden könnten, hieß es vom NHS. Ein Regierungssprecher sagte, dass der Großteil der schutzbedürftigen Menschen im Januar oder Februar geimpft werde. Die Behörden betonten, der Impfstoff sei »sicher und effektiv«.

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Für den mRNA-Impfstoff ergaben umfangreiche Testreihen nach Angaben der Unternehmen eine Wirksamkeit, die einen 95-prozentigen Schutz vor der Krankheit Covid-19 bietet. Das Vakzin funktioniere über alle Altersgruppen und andere demografische Unterschiede hinweg ähnlich gut und zeige praktisch keine ernsten Nebenwirkungen, teilten die Firmen nach Abschluss letzter Analysen mit. Der Impfschutz bei Menschen, die über 65 Jahre alt sind, liege bei über 94 Prozent.

Diese positiven Ergebnisse beziehen sich auf den Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung. Inwiefern der Impfstoff auch vor der Infektion und einer möglichen Weitergabe des Virus schützt, ist noch nicht klar.

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Premierminister Johnson rief alle Menschen, die Anspruch auf eine Impfung haben, dazu auf, sich auch wirklich impfen zu lassen. Thronfolger Prinz Charles dankte allen, die an der Entwicklung des Impfstoffes beteiligt waren. Dank des Mittels könnten die Menschen nun mit neuer Hoffnung nach vorne schauen, sagte er.

Impfzentren in Fußballstadien

Gesundheitsexpertin Helen Donovan sagte der BBC, das größte Risiko liege darin, dass Geimpfte rund drei Wochen nach dem ersten Termin auch die zweite Dosis verabreicht bekommen müssten. Dabei soll eine Impfkarte als Nachweis helfen, die gleichzeitig eine Erinnerung an den zweiten Impftermin ist. Größere Impfzentren – etwa in Fußballstadien – sollen erst öffnen, wenn mehr Impfstoff zur Verfügung steht.

Die logistische Herausforderung ist groß, weil das Mittel bei minus 70 Grad Celsius gekühlt werden  muss. Die britische Regierung will Medienberichten zufolge das in Belgien produzierte Präparat notfalls mit Militärflugzeugen einfliegen, damit es nicht im befürchteten Brexit-Verkehrschaos stecken bleibt. Ein Regierungssprecher wollte das laut Angaben der Deutschen Presse-Agentur nicht bestätigen, sagte aber: »Das Militär wird eine wichtige Rolle spielen bei der enormen logistischen Herausforderung.«

Großbritannien ist eines der am stärksten von Corona betroffenen Länder in Europa. Am Montag meldete die Regierung 14.718 weitere Corona-Fälle, im Durchschnitt seien in den vergangenen 28 Tagen täglich 189 Menschen nach einem Positivtest gestorben. Insgesamt gab es bisher etwa 77.000 Todesfälle, die mit Covid-19 in Verbindung stehen. Premier Johnson betonte, die Massenimpfung werde einige Zeit dauern. Deshalb müssten weiterhin alle Hygieneregeln eingehalten werden.

Auch Russland hatte am Wochenende in seiner Hauptstadt Moskau mit groß angelegten Impfungen gegen das Coronavirus begonnen und gehört damit zu den ersten Ländern weltweit, die ihre Bevölkerung in größerem Stil gegen die Lungenkrankheit Covid-19 impfen lassen. In China wird ebenfalls bereits geimpft . Dabei werden zunächst jeweils Impfstoffe heimischer Hersteller verwendet.

Von der Ema wird die wichtige Entscheidung über eine Zulassung des BioNTech/Pfizer-Impfstoffs noch im Dezember erwartet. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte betont, die EU habe sich für ein gemeinsames Vorgehen entschieden.

kry/dpa/Reuters