Notfallzulassung für Corona-Impfstoff Großbritannien will kommende Woche mit dem Impfen beginnen

Das Vereinigte Königreich hat den Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer zugelassen – noch vor der EU und den USA. Die ersten Lieferungen werden schon bald erwartet.
Bereits kommende Woche könnten die ersten Menschen in Großbritannien geimpft werden

Bereits kommende Woche könnten die ersten Menschen in Großbritannien geimpft werden

Foto: BIONTECH SE / HANDOUT / EPA-EFE / Shutterstock

Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock hat angekündigt, dass Großbritannien bereits kommende Woche mit den ersten Impfungen gegen das Coronavirus starten will. »Ich bin sehr stolz, dass das Vereinigte Königreich das erste Land der Welt ist, das einen klinisch geprüften Impfstoff zur Verfügung hat«, sagte er dem Sender Sky News.

Zuvor war bekannt geworden, dass die britische Aufsichtsbehörde für Arzneimittel MHRA dem Corona-Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer eine temporäre Notfallzulassung erteilt hat. Damit sind die Briten noch früher mit der Zulassung einer Vakzine dran als die EU und die USA. Zudem ist es die erste Zulassung für den Impfstoff BNT162b2 weltweit.

Die ersten Lieferungen seien sofort bereit und sollen schon in wenigen Tagen im Vereinigten Königreich eintreffen, teilten beide Unternehmen am Mittwoch mit . »Die erste Notfallzulassung für einen Covid-19-Impfstoff ist ein bahnbrechender wissenschaftlicher Meilenstein«, hieß es. Es sei eine Vereinbarung mit dem Vereinigten Königreich zur Lieferung von insgesamt 40 Millionen Impfstoffdosen in den Jahren 2020 und 2021 getroffen worden.

In der Mitteilung von Biontech und Pfizer heißt es, die Verteilung des Impfstoffes im Vereinigten Königreich werde gemäß den Empfehlungen des Joint Committee on Vaccination and Immunisaton (JCVI) zur Priorisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen erfolgen.

Für den Biontech/Pfizer-Impfstoff ergaben umfangreiche Testreihen nach Angaben der Unternehmen eine Wirksamkeit, die einen 95-prozentigen Schutz vor der Krankheit Covid-19 bietet. Die Vakzine funktioniere über alle Altersgruppen und andere demografische Unterschiede hinweg ähnlich gut und zeige praktisch keine ernsten Nebenwirkungen, teilten die Firmen nach Abschluss letzter Analysen mit. Der Impfschutz bei Menschen, die über 65 Jahre alt sind, liege bei über 94 Prozent.

Diese positiven Ergebnisse beziehen sich auf den Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung. Inwiefern der Impfstoff auch vor der Infektion und einer möglichen Weitergabe des Virus schützt, ist noch nicht klar.

Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur Ema will noch im Dezember über eine Zulassungsempfehlung für den Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer entscheiden. Bis spätestens 29. Dezember soll ein Ergebnis der Prüfung vorliegen, teilte die Agentur am Dienstag mit.

Zu dem mRNA-Impfstoff von Biontech und Pfizer läuft bei der Ema bereits ein sogenanntes Rolling-Review-Verfahren, das den Zulassungsprozess beschleunigen soll. Dabei können Hersteller schon vor dem kompletten Zulassungsantrag Daten zu Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit eines Präparats einreichen. 

Auch der US-Pharmahersteller Moderna hat bereits eine Notfallzulassung für seinen RNA-Impfstoff in den USA und der EU beantragt.

Problematisch könnte unter Umständen die Logistik zur Auslieferung des Impfstoffes werden: Der Biontech-Impfstoff muss bei minus 70 Grad transportiert und länger gelagert werden. Biontech und Pfizer haben deswegen ein spezielles Transportsystem mit eigens entworfenen Kühlboxen entwickelt. 

kry/dpa/Reuters